Rhein-Pfalz Kreis Freude im „Jahr der Vollendung“

LIMBURGERHOF. „Das Jahr der Vollendung“ – so hat Limburgerhofs Altbürgermeister Heinrich Zier gestern Vormittag bei seiner Begrüßung im Schlösschen im Park das laufende Jahr genannt. Die Fassade des Gebäudes wurde nach jahrelangem Umbau als letztes verschönt. Beim Tag des offenen Denkmals konnten die Besucher alles über das ehemalige Jagdschloss, den Turm und die Kapelle erfahren. Auch in Rödersheim-Gronau und Böhl-Iggelheim gab es Interessantes zu entdecken.
Das Schlösschen hat viel erlebt, seit es 1826 im Auftrag der Gräfin Friederike Waldner von Freudenstein gebaut wurde. Es war Jagdschloss, beherbergte ab 1952 die erste Schule der Gemeinde, war danach ein Ausbildungszentrum der BASF und versank schließlich ungenutzt in einen Dornröschenschlaf, bis die Gemeinde und engagierte Bürger das schmucke Gebäude wieder erwecken wollten. Das war 1999, und Heinrich Zier war Bürgermeister von Limburgerhof. Heute ist er Vorsitzender des Fördervereins des Schlösschens. Der amtierende Bürgermeister Peter Kern (SPD) erinnerte daran, dass es damals einige Überzeugungsarbeit durch Zier brauchte, bis der Gemeinderat sich zum Kauf entschieden hatte. Heute steht Kern vor einer ähnlichen Situation, die er in seiner Grußrede auch offen ansprach: Die Kapelle im Park steht zum Verkauf. Der frühere Nutzer, die Neuapostolische Gemeinde, ist ausgezogen. Es gebe Interessenten, die daraus Wohnraum oder eine Praxis machen möchten. Doch Kern sieht den Park, das Schlösschen, die Kapelle und den Turm als Einheit, die es zu erhalten gilt. Die Kapelle wurde 1911 gebaut, als katholisch-protestantische Simultankirche mit zwei Altären. Das Gebäude sei in sehr gutem Zustand. „Wir dürfen das Gebäude nicht preisgeben, es würde sich wunderbar mit Schlösschen und Turm auf dem Anwesen ergänzen“, ist Kern überzeugt. Ortshistoriker Fritz Buch skizzierte die Geschichte des Schlösschens und seiner Besitzer. Interessant war seine Beschreibung des früheren Anwesens. So gab es zum offenen Feld in Richtung der heutigen BASF-Versuchsanlagen eine Wildfang-Grube, in die Wild gescheucht oder gelockt und anschließend erlegt wurde. Im Park gab es einen eigenen Wildkeller, der mit dickem Mauerwerk kühl halten sollte. Die Überwölbung des Kellers kannten Kinder in Limburgerhof als „Bergl“ und fuhren mit dem Schlitten hinab, wie Buch auf Fotos zeigte. Der Turm wurde 1834 gebaut und ist 20 Meter hoch, berichtete Buch. Vermutlich habe Graf Waldner von Freudenstein den Turm zu Ehren seiner zweiten Frau gebaut. Entgegen den Erzählungen habe es im obersten Stockwerk kein Observatorium zum Sternegucken gegeben, sagt Buch. Der Turm brannte kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus, vermutlich weil amerikanische Soldaten, die im Park lagerten, gezündelt hatten. Architekt Dieter Krahnert erläuterte den Umbau des Schlösschens, der nun nach 16 Jahren vollendet ist. Alte Pläne zeigten, dass die BASF verschiedene Umbauten erwogen hatte, die den klassizistischen Bau sehr stark verändert hätten. „Zum Glück wurde das nicht umgesetzt“, sagte Krahnert. Es habe keinen Keller gegeben, und unter den Holzdielen des Erdgeschosses lag direkt gestampfte Erde. Glücklicherweise reichten die Außenmauern 3,40 Meter in die Tiefe, so dass man einen Keller bauen konnte. Um dem Denkmalschutz zu genügen, sei der Aufzug so gebaut worden, dass er den Blick von außen nicht verändere. Während die Ansicht erhalten werden musste, habe er im Innern freie Hand gehabt, berichtete der Architekt. Ziel sei gewesen, multifunktionale Räume mit flexiblen Aufteilungen zu bauen. Dieses Konzept habe das Land mit 315.000 Euro gefördert. Wesentlich beigetragen haben private Spender und der Förderverein. Kapelle und Turm konnten gestern besichtigt werden, es gab Führungen durch das Schlösschen. Über die Barockkirche St. Leo in Rödersheim und ihre Vorgängerkirchen konnten Besucher von Sebastian Arnold einiges erfahren. Am Nachmittag bot das Zigarrenmuseum Führungen. In Böhl-Iggelheim öffnete das Anwesen Hauptstraße 75 seine Tore. Das Fachwerkwohnhaus, Nebenhaus und Scheune wurden 1826 gebaut. Auch hier gab es Führungen.