Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freizeithundeverein: Auf der Jagd nach Leckeris

Claudia Ackermann (Mitte) läuft unter Anleitung von Übungsleiterin Diana Burkart (hinten links) mit ihrem Hund Eddy an den ander
Claudia Ackermann (Mitte) läuft unter Anleitung von Übungsleiterin Diana Burkart (hinten links) mit ihrem Hund Eddy an den anderen Teilnehmern vorbei.

Wuff! Ein wenig aufgedreht sind die Hunde kurz vorm Start beim 1. Freizeithundeverein in Bobenheim-Roxheim. Kein Wunder: Lange durften Herrchen und Frauchen nicht auf den Platz, und ein paar neue Kaltschnauzen sind auch mit von der Partie. Während und nach dem Training geht es vor allem um Gemeinschaft und aktive Beschäftigung mit den Vierbeinern.

Bevor es losgehen kann, müssen sich die Hundeführer die Hände desinfizieren und in eine Kontaktliste eintragen. Neu in der Gruppe sind unter anderem zwei spanische Wasserhunde. Zunächst sollen die Neulinge auf Anweisung des Ersten Vereinsvorsitzenden, Hans Ackermann, erst mal nur am äußeren Rand des Trainingsgeländes Runden drehen. „Zum Schnuppern“, wie der 63-Jährige erklärt.

Wanderungen und Hundestammtisch

Nur ein paar wenige Stunden hat der Verein im Juli vergangenen Jahres für Übungen mit Hunden gehabt. „Durch Corona wurde das Vereinsleben auf Null reduziert“, berichtet Ackermann. Jetzt läuft das Training seit wenigen Wochen wieder normal. „Wir müssen nach der langen Pause erst mal wieder in die Spur kommen.“ Rund 50 Mitglieder hat der Freizeithundeverein, der sich vor elf Jahren aus einer Gruppe Bekannter aus einer Hundeschule bildete. Der Vereinsname lässt es schon vermuten: Hier geht es um Geselligkeit und Spaß am Training mit anderen Hundefreunden. Deshalb machen neben der Grunderziehung auch Aktivitäten wie Wanderungen durch den Pfälzerwald oder bei Nacht zu Halloween, Grillfeste und ein monatlicher Hundestammtisch das Vereinsleben aus.

„Ich hatte in meiner Jugend selbst Angst vor Hunden, weil mich ein Schäferhund gebissen hat“, erzählt Ackermann. Seine Familie habe sich aber sehnlichst tierischen Zuwachs gewünscht – und als der Hund da war, wurde er schnell fester Teil der Ackermann-Familie. „Niemand freut sich so sehr wie ein Hund, wenn man nach Hause kommt“, erklärt der Rentner seine Liebe zum Haustier. Ein häufiger Fehler frischer Hundebesitzer? „Wenn der Hund machen darf, was er will, und dem Besitzer auf der Nase herum tanzt“, sagt Ackermann. Deshalb findet der Vorsitzende es gar nicht schlecht, dass in anderen Ländern ein Hundeführerschein Pflicht ist. Die theoretischen Grundlagen für den Schein macht er im Verein zum Thema.

Leine bedeutet Sicherheit

Bei der heiß diskutierten Anleinpflicht sieht Ackermann ein Verständnisproblem: „Die meisten Leute denken, den Hund anzuleinen, sei eine Strafe. Dabei gibt die Leine Sicherheit“, ist er überzeugt. So wisse der Hund, dass sich Herrchen oder Frauchen kümmern, wenn es etwas zu regeln gibt – und auch das Gegenüber braucht keine Angst zu haben. In der Hinsicht seien einige Hundebesitzer unvernünftig. „Zu meinen, freilaufende Hunde klären Probleme untereinander, ist ein Irrglaube. Das endet erst, wenn einer liegen bleibt“, meint Ackermann. Er schule seine Mitglieder, gerade in der Brut- und Setzzeit zwischen Ende März und Anfang August ihre Hunde aus Rücksicht auf Vögel und Rehe an der kurzen Leine zu führen. „Uns ist wichtig, dass die Hunde hören und sie auch mit anderen verträglich sind.“ Das gelinge, wenn die Bindung zwischen Hund und Hundeführer gut aufgebaut sei.

Wie gut diese Bindung ist, zeigt sich bei folgender Übung: Der Hund wird auf einer Seite des Platzes abgelegt, der Besitzer läuft von ihm weg. Im Idealfall bleibt der treue Begleiter liegen, bis Herrchen oder Frauchen ruft. Erst dann soll er auf seinen Besitzer zulaufen und vor ihm Platz nehmen. Bei Fabiola Lang und Hündin Kira klappt das beim zweiten Anlauf schon sehr gut. „Das muss schneller gehen mit dem Leckerli“, mahnt Ackermann dennoch, „sonst hat der Hund wieder vergessen, wofür er belohnt wird.“ Fabiola Lang schätzt die Beratung und die Hilfe des Vereins bei der Erziehung ihres Hundes. „Wenn Kira nicht ausgepowert ist, frisst sie nichts“, sagt sie. Im Training habe sie gelernt, mit den Besonderheiten ihres Hundes umzugehen.

Parcours über Wippen und Podeste hinweg

Teamarbeit ist auch beim Agility-Training gefragt, bei dem Hund und Besitzer einen Hindernislauf über Wippen, Slalomstangen und Podeste bestreiten. Ackermanns Frau Claudia hat das Training zuvor geleitet. „Wir arbeiten hier ohne Druck“, betont sie. „Ein ausgeglichener Hund ist ein glücklicher Hund.“ Einmal im Jahr veranstaltet der Verein eine Art Meisterschaft, bei der der Hundeführer nicht nur den Hund, sondern auch noch ein Ei auf einem Kochlöffel heil durch den Parcours bringen muss.

Auch ohne Worte funktioniert das Longieren. Dabei steht der Hundeführer in der Mitte eines Kreises mit rund zehn Metern Durchmesser und führt den Hund um den Kreis herum. Geübte Hunde lassen sich auch ohne Leine allein mit Schulter- und Handzeichen aus der Ferne dirigieren, manche sogar über Hindernisse hinweg.

Hunde geistig wie körperlich auslasten

Auf dem Platz hecheln die Hunde bereits. Durch das Training werden die Tiere – und je nach Übung auch die Menschen – geistig wie körperlich gefordert. „Durch die lange Pause wurden einige Hunde bei den Übungen zurückgeworfen“, bedauert Hans Ackermann. Bei Hund Eddy fällt das aber nicht auf, mühelos schlüpft er auf Kommando zwischen den Beinen von Claudia Ackermann hindurch. Ein Schäferhund-Mischling wälzt sich lieber auf dem Rücken, als weiter bei Fuß zu laufen. „Der will jetzt spielen“, sagt seine Besitzerin und lacht. Wenn die Konzentration nachlässt, ruhen sich Vier- und Zweibeiner außerhalb des Trainingsgeländes aus.

Vom Haustier-Boom in der Pandemie hat der Verein nicht viel mitbekommen – schließlich waren Trainingsangebote nur kommerziellen Anbietern wie Hundeschulen erlaubt. Anfragen von Welpenbesitzern musste Ackermann daher ablehnen. Wer jetzt interessiert ist, könne drei bis vier Probestunden besuchen und dann entscheiden, ob er dem Verein beitreten will.

Kontakt

Wer Lust auf eine Schnupperstunde beim 1. Freizeithundeverein hat, kann sich beim Vorsitzenden Hans Ackermann unter Telefon 0151 72102359 melden. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Vereins.

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