Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freiwillige Feuerwehr organisiert digitale Ausbildung

Torben Renter hat einen digitalen Übungsplan für die jungen Wehrleute erstellt, damit sie trotz Lockdowns weiter lernen können.
Torben Renter hat einen digitalen Übungsplan für die jungen Wehrleute erstellt, damit sie trotz Lockdowns weiter lernen können.

Wehrleiter Kai Neiheiser ist in Sorge: Wegen der Corona-Pandemie sind in der Freiwilligen Feuerwehr seit Monaten keine Übungen und sonstige Treffen möglich. Damit die Mitglieder der Jugendfeuerwehr beschäftigt werden und bei der Stange bleiben, muss vieles online laufen.

Im Feuerwehrgerätehaus in der Bobenheim-Roxheimer Haardtstraße brennt noch Licht. Kai Neiheiser, Torben Renter und Gerhard Mikulla werfen in der Einsatzzentrale gemeinsam einen Blick auf die Online-Ausbildung des Feuerwehrnachwuchses. Die Kontaktbeschränkungen wegen der Pandemie haben sie erfinderisch gemacht. „Am 13. März haben wir im Feuerwehrgerätehaus den Stecker gezogen“, erzählt Neiheiser. Seit Monaten fänden keine Übungen mehr statt. „Ich sehe unsere Einsatzbereitschaft zwar nach wie vor gesichert, aber eine Freiwillige Feuerwehr lebt auch vom Miteinander und von der Kameradschaftspflege, und genau dies ist seit Monaten sehr schwierig.“

Einsätze nur mit geteilter Mannschaft

Damit die Wehr trotz Corona ausrücken kann, hat das Team frühzeitig Maßnahmen ergriffen. „Wir haben unsere Wehr in zwei Züge aufgeteilt und die Besatzung der Fahrzeuge von neun auf sechs Wehrleute reduziert“, erklärt Neiheiser. Sollte eine Einsatzkraft an Covid-19 erkranken und die Kameraden in Quarantäne müssen, könnte die andere Gruppe einspringen. Zum Glück sei das bisher nicht nötig gewesen.

Mit 60 Aktiven, darunter sechs Frauen, zählt die Freiwillige Feuerwehr Bobenheim-Roxheim zu den größten in der Region. 163-mal rückte sie im bisher einsatzstärksten Jahr 2019 aus. 2020 waren es 117 Einsätze. Kai Neiheiser gibt bei dieser Zahl zu bedenken, dass im vergangenen Jahr keine Wasserrettung notwendig war und der Ort von Hochwasser oder Hagel verschont blieb. „Sonst wären wir sicher auf das Niveau von 2019 gekommen.“ Es sei also wichtig, dass die Mannschaftsgröße erhalten bleibe. Zumal Bobenheim-Roxheim nach der Landesfeuerwehrverordnung in die zweithöchste Risikoklasse bei den Brandgefahren eingeordnet ist.

Sechs Leute mussten Ausbildung abbrechen

Neiheisers Befürchtungen sind groß, dass Wehrleute abspringen, wenn sie so lange nichts zu tun haben. „Es kommen schon nicht mehr so viele zu den Einsätzen“, sagt er und erinnert daran, dass vor dem Wort Feuerwehr das Wort freiwillig steht. Besonders bedauerlich für ihn: Wegen Corona hätten sechs angehende Drehleitermaschinisten kurz vor der Prüfung im November ihre Ausbildung abbrechen müssen. Das Risiko, Leute zu verlieren, sieht Neiheiser besonders in der Jugendfeuerwehr und bei den 16- bis 18-Jährigen, die in diesem Jahr eigentlich in den aktiven Dienst einsteigen wollten. „Dieses Ausbildungsjahr ist verloren“, sagt er.

Damit wenigstens in der Theorie etwas laufen kann, hat Torben Renter einen digitalen Übungsplan erstellt, der gut ankomme, obwohl es sich dabei zuweilen um trockene Kost handele, wie Neiheiser sagt. Er meint damit Themen wie „Die Feuerwehr im föderalen System“ oder „Baurechtliche Grundlagen für die Feuerwehr“. Aber auch die Schulung auf dem neuen Einsatzprogramm fürs Gerätehaus sowie Seminare könnten online erfolgen. „Wie verhalte ich mich bei einem Schaummitteleinsatz?“ nennt der Wehrleiter als Beispiel für einen Seminartitel. Die Online-Ausbildung ist mit dem Portal der Landesfeuerwehrschule gekoppelt. „Wir wollen damit vor allem die Jungen bei der Stange halten und nach monatelanger Pause eine Entwöhnung verhindern“, erklärt Renter.

Praxis bald wieder möglich

Die praktische Ausbildung könne man damit jedoch nicht ersetzen, betont der Wehrleiter und hat Anfang des neues Jahres aber auch noch eine gute Nachricht: Weil die Zwangspause nicht zulasten der Sicherheit der Bürger gehen darf, habe die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes Mitte Dezember eine Ausnahmegenehmigung erteilt, sodass Präsenzübungen unter strengen Voraussetzungen wieder möglich seien. Nicht alle Feuerwehren machten davon Gebrauch, weiß Neiheiser.

In Bobenheim-Roxheim soll ab Ende Januar wieder praktisch geübt werden. „Natürlich mit Maske, Abstand und in Kleingruppen.“ Um Passierscheine für die Teilnehmer des meist abends stattfindenden Trainings habe man sich gekümmert. Im Rhein-Pfalz-Kreis gilt zwischen 21 und 5 Uhr eine pandemiebedingte Ausgangssperre. Ach ja, und dann ist da noch die Sache mit dem Impfen. Aber dieses Licht am Horizont ist noch weit weg: Denn Feuerwehrleute gehören laut Neiheiser zur Kategorie 3 bei der Priorisierung, wer zuerst den Corona-Schutz erhalten soll.

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