Rhein-Pfalz Kreis Freie Fahrt auf der B 271
Ursprünglich sollte der erste Streckenabschnitt zwischen dem nördlichen Anschluss der neuen Kirchheimer Umgehung und der Landesstraße 520, die nach Kleinkarlbach führt, bereits Ende 2017 befahren werden können. Das hat nicht geklappt. „Im Dezember gab es viele Regenfälle, und es kam Frost dazwischen“, erklärt Josef Steinmetz, Leiter des örtlichen Baubüros. „Der Einbau der Verschleißdecke ist bei Minustemperaturen und bei großer Feuchtigkeit nicht möglich“, ergänzt Projektleiter Peter Franke. Dass sich dieser Bauabschnitt nicht einfach nur um wenige Tage verschieben lässt, wenn das Wetter nicht mitspielt, liegt laut Steinmetz daran, dass die Asphaltkolonnen der Fachfirmen nach einem eng getakteten Terminplan auf anderen Baustellen zum Einsatz kommen und erst wieder eine neue Lücke im Kalender gefunden werden muss. Außerdem seien viele Mischwerke zwischen Weihnachten und Mitte Februar geschlossen. Bis zu den Sommerferien werde nun ein größeres Stück vorab freigegeben, berichtet Steinmetz. „Es zieht sich vom nördlichen Beginn der Umgehung bei Grünstadt über die Eckbachtalbrücke bis zum Anschluss an die Kreisstraße 1 gen Weisenheim am Berg.“ Damit seien dann rund Dreiviertel der 3,4 Kilometer langen Strecke der neuen Bundesstraße befahrbar. „Das ist auch sinnvoll, weil wir für den südlichen Anschluss an die alte Bundesstraße diese voll sperren müssen und sich die Autos ansonsten durch Kirchheim quälen müssten.“ Derzeit werde der Untergrund im Einschnitt für die Umgehung zwischen Kirchheim und der Kreisstraße 1 (Richtung Weisenheim am Berg) tragfähig gemacht, sodass der 70 Zentimeter starke Straßenaufbau erfolgen kann. „Wir haben mit enorm variierenden Bodenverhältnissen zu tun, unter anderem feinkörnigem Löss, verwittertem Kalkstein, Schluff und Klebsand“, sagt Steinmetz. „Wie wir dank der Kernbohrungen in der Projektvorbereitungszeit wissen, können wir den Boden nicht überall einfach durch Zementbeimischungen festigen, sondern müssen auch Material austauschen“, erläutert Franke. In dem Abschnitt müsse eine 40 Zentimeter dicke Schicht mit Ton und anderen weichen Bestandteilen ersetzt werden, insgesamt rund 1000 Kubikmeter Erde. Seit Freitag ist eine Baufirma dabei, im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Worms Röhren für die Unterführung des Golfplatzes Dackenheim zu setzen. Diese Unterführung unter der neuen Umgehung ist 33,2 Meter lang und besteht aus neun Röhren à 2,80 Meter und zwei jeweils vier Meter langen Endstücken mit einer Wandstärke von 30 Zentimetern. Die heutige B 271 bleibt bestehen, wird aber zur Kreisstraße herabgestuft. Das heißt: Die Golfer müssen künftig durch zwei Tunnel gehen, durch den neuen und den alten, der heute unter der alten B 271 hindurchführt. Der neue Tunnel wird aber nicht direkt an den alten angesetzt. Wie Franke ausführt, wird bewusst ein Abstand von 12,50 Meter gelassen, damit die Unterführung nicht zu lang und damit düster und bedrohlich wird. 1200 Kubikmeter Boden mussten bewegt werden, um die Golfplatzunterführung herzustellen. Die Röhren für die neue Unterführung, die einen Durchmesser von drei Metern haben, wiegen zwischen 21 und 25 Tonnen. Sie sind vorletzte Woche auf drei Schwertransportern angeliefert worden, konnten jedoch aufgrund des extremen Frosts nicht gleich verlegt werden. Die Feinjustierung erfolgt mit einem Flaschenzug, denn der Spalt zwischen den einzelnen Teilen darf maximal zwei bis drei Zentimeter betragen. Sobald eine Röhre liegt, wird von außen eine Betonschürze zur Stabilisierung angebaut. „Durch den Tunnel werden Wasser- und Stromleitungen in eine 40 Zentimeter dicke Schicht gezogen. Diese wird mit Betonpflaster belegt“, sagt Steinmetz. Zur Entwässerung der Unterführung wird die vorhandene kleine Sickergrube durch eine Rigole, ein Schotterpaket, das Wasser aufnehmen kann, ersetzt. Zum Schluss wird die Unterführung mit Erde bedeckt und begrünt. Die Erde wird nach und nach aufgeschüttet, weil das Material sorgfältig verdichtet werden muss, damit die Umgehungsstraße später nicht in Wellen verläuft. Der Tunnel, der Ostern vermutlich noch nicht ganz fertig sein wird, aber eventuell für die Feiertage provisorisch geöffnet wird, kostet zwischen 250.000 und 300.000 Euro. Die gesamte B 271 neu schlägt mit knapp 22 Millionen Euro zu Buche und soll Ende dieses Jahres eingeweiht werden. Komplett abgeschlossen sein wird das Projekt – einschließlich vier großer Entwässerungsbecken und einer Teilrenaturierung des Eckbachs – im Frühjahr 2019.