Rhein-Pfalz Kreis Frei laufender Hund reißt Rehkitz

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Eigentlich wollte die Hundebesitzerin am vergangenen Mittwoch nur einen morgendlichen Waldspaziergang in der Nähe des Parkplatzes Drei Eichen in Bad Dürkheim-Seebach unternehmen und mit ihrem Golden Retriever ein paar Übungen machen. Doch dann musste sie mit ansehen, wie ein großer schwarzer Hund, dessen Halter weit und breit nicht zu sehen war, ein etwa einjähriges Rehkitz hetzte und zu Tode riss. DIE RHEINPFALZ erfuhr jetzt aus der Jägerschaft davon.

500 Hektar groß ist das Jagdrevier Staufenberg, dessen Pacht Oliver Findt 2012 gemeinsam mit seinem Bruder und Vater übernommen hat. Ein solcher Vorfall ist dem 38-Jährigen bisher aber erspart geblieben. „Ich kann das gut nachvollziehen, wie sich die Frau fühlt“, sagt Findt. Die Forstverwaltung, die die völlig schockierte Frau eine Stunde nach dem Vorfall informiert hatte, hatte sie an den Jagdpächter verwiesen. Am Tag danach hatte sich Findt mit der Wachenheimerin an Ort und Stelle getroffen. Sie habe geweint, als sie nach der Szene nach Hause gekommen sei, berichtet sie der RHEINPFALZ. Im Wald hatte die Frau Findt noch einmal geschildert, wie der wildernde Hund das Reh erst den Hang hinuntergehetzt und dann gewürgt habe, wie das Rehkitz in Todesangst gequiekt habe und wie sie selbst es geschafft habe, den Hund, den sie in der Größe eines Rhodesian Ridgeback beschrieb, durch Anbrüllen und mit einem Stock zu vertreiben. Trotzdem musste sie mit ansehen, wie das verletzte Rehkitz, das noch herumgeschaut habe, zehn Minuten lang qualvoll verendete, ohne dass sie die Hilfe eines Tierarztes oder Jägers rechtzeitig hätte herbeirufen können. Sie hatte kein Handy dabei. „Ich war hilflos in dieser Situation“, sagt die Wachenheimerin. Oliver Findt hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wegen Wilderei. Es gebe eine Anleinverordnung in Bad Dürkheim, betont Findt, der vor 15 Jahren mit der Jagd begann. Immer wieder wiesen er und die Pächter der Nachbarreviere Hundebesitzer darauf hin. Schließlich gebe es Leute, die mit Pferden im Wald unterwegs seien oder mit dem Fahrrad. Man müsse sich nur mal vorstellen, was passieren könne, wenn da mal einer runterfällt, weil ein Hund ihn erschreckt. „Leider ist insgesamt wenig Einsicht und Verständnis bei Hundebesitzern festzustellen“, unterstreicht Stefan Jugel, Obmann für die Öffentlichkeitsarbeit des hiesigen Jagdverbandes. Frei laufende und auch wildernde Hunde führten immer wieder zu Problemen, weil sie das Wild beunruhigten. „Das endet besonders bei hilflosem Jungwild schnell in einem Drama“, kommentiert Jugel den aktuellen Fall. Hätte nicht die Frau aus Wachenheim den wildernden Hund mit dem Reh gesehen, sondern Findt, hätte dieser den Hund in seinem Revier sogar töten können. Das Jagdgesetz erlaubt das. Oliver Findt sagt aber: „Ich würde das nie tun, denn es geht ja nicht um den Hund, sondern um den Hundebesitzer.“ Insgesamt fällt Findt auf, dass die Menschen zu wenig auf die Natur achten. Montags fahre er durch sein Revier. Man könne sich nicht vorstellen, wie viel Müll vom Wochenende er dabei beseitigen müsse, berichtet Findt. Dass er nun sogar ein totes Rehkitz einsammeln musste, ging auch dem Jäger merklich nahe. (als)

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