Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Umland: Geht die Grippe um?

Bei einer Erkältung oder Grippe schwören viele auf Hausmittel, Ruhe oder ein ausgedehntes Bad. Unsere Ärzte empfehlen vor allem
Bei einer Erkältung oder Grippe schwören viele auf Hausmittel, Ruhe oder ein ausgedehntes Bad. Unsere Ärzte empfehlen vor allem eine Grippe-Impfung vorab. Symbolfoto: dpa

Der Jahreswechsel ist vorbei, die Fasnachtsaison kommt in Fahrt – und das Niesen und Husten beginnt. Bloß eine Erkältung oder schon die Grippe? Wir haben bei Ärzten in Bobenheim-Roxheim und Dirmstein nachgefragt, was Sache ist. Und wie man sich am besten gegen die Grippe wappnen kann.

„Die Grippewelle in Deutschland hat offiziell begonnen.“ Diese auf eine Expertin des Robert-Koch-Instituts (RKI) gestützte Meldung waberte am Donnerstagnachmittag durch das Internet. Mehrere Zehntausend Tote könnten bei heftigen Wellen angenommen werden. Dieser Zusatz unter anderem auf der Internetseite des ZDF ist nicht aktuell, peppt aber die Meldungen auf und erhöht die Klickzahlen im Netz. Die aktuelle Karte der Arbeitsgemeinschaft Influenza (www.influenza.rki.de) zeigt allerdings nirgendwo in Deutschland erhöhte Werte, also Anzeichen für eine „heftige Welle“. Die Bundesrepublik liegt im normalen Bereich. Doch wie sieht es im Verbreitungsgebiet der Frankenthaler RHEINPFALZ aus?

Arzt rechnet mit Anstieg im Februar

Am östlichen Rand des Verbreitungsgebiets, in der Grünstadter Straße in Bobenheim-Roxheim, liegt die Praxis von Udo Winter. Er hat die Hausarztpraxis im vergangenen Jahr von Klaus Stahler übernommen (wir berichteten). „Wir haben bei uns hier in der Praxis am Mittwoch den ersten richtigen Grippefall für dieses Jahr dokumentiert“, sagt er. Davor – also auch Ende des letzten Jahres – sei es sehr ruhig gewesen. Das sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Entwarnung. Ein Anstieg beziehungsweise Peak könne durchaus noch im Februar kommen. Normale Erkältungskrankheiten seien dagegen der Jahreszeit entsprechend schon deutlich mehr zu verzeichnen, etwa Erkrankungen in den Atemwegen oder im Magen-Darmtrakt, nennt Winter als Beispiele.

Woran erkennt der Laie allgemein, dass es ernster ist? „Eine Grippe kommt sehr schnell, wie angerührt. Innerhalb einer Stunde steigt das Fieber, der Patient bekommt heftige Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Husten“, sagt der Arzt. Im Prinzip könnten dann nur noch die Symptome gelindert werden. Habe es einen erwischt, dann müsse die Grippe ausgelebt werden. Zum Arzt sollten die Patienten aber schon gehen, damit es keine Komplikationen gebe. Benötigt ein Patient wirklich antivirale Medikamente, dann würde er ihn stationär einweisen, sagt Winter. Auch jetzt noch hält der Mediziner die Grippeimpfung für sinnvoll: „Die wirkt innerhalb von zwei Wochen. Und wie gesagt, ansteigen können die Fallzahlen noch im Februar.“

Dirmstein ist noch grippefrei

Wie sieht es nun am westlichen Rand des Verbreitungsgebiets der Lokalredaktion Frankenthal aus? „Die Grippe ist derzeit nicht wirklich ein Problem“, sagt der Allgemeinmediziner Thong Quoc Chu, der in Dirmstein praktiziert. Der Winter sei bisher relativ mild, da hielten sich die Grippefälle in Grenzen. Die vergangenen Tage seien aber etwas kälter geworden, vielleicht komme die Grippewelle noch. Patienten mit Erkältungskrankheiten kämen derzeit häufiger in seine Dirmsteiner Praxis: „Husten, die oberen Atemwege, Nebenhöhlen“ seien betroffen, berichtet Chu. Bei Erkältungen rät er davon ab, es allzu lange mit Hausmitteln zu probieren. Und auch er meint: Noch sei es möglich und sinnvoll, sich gegen die Grippe impfen zu lassen: „Im Januar geht das noch.“

Hausmittel: Das hilft bei Erkältung und Grippe

Bei der Suche nach Hausmitteln gegen Erkältung und Infekte hilft meist nicht nur die eigene Oma. Auch im Netz gibt es viele Tipps, wie man mit Erkältungen umgehen kann. Dass ihre Wirksamkeit wissenschaftlich oft nicht belegt ist, haben viele Hausmittel gemein. Die besten und kuriosesten haben wir hier zusammengetragen: Die Plattform Wunderweib (www.wunderweib.de) zum Beispiel, hinter der der Bauer-Verlag steckt, empfiehlt allen voran Hühnersuppe, schwitzen, also warm einpacken, und Quarkwickel gegen Halsschmerzen. An Stelle vier – der Pfälzer wird es gerne hören – Kartoffelwickel. Sie sollen für eine Entspannung der Muskeln und eine gute Durchblutung sorgen.

Bei den Empfehlungen der Krankenkasse AOK nehmen die Tipps viel trinken, frische Luft und Bewegung sowie Inhalieren Spitzenplätze ein. Eine Nasendusche mit Salzwasser dürfte insbesondere bei Kindern Freudensprünge auslösen. Und wer hat es nicht schon gehört: Heiße Zitrone, heißer Holunder, Milch mit Honig und Kräutertee sollen Wunder wirken. Der Erkältungsratgeber (www.erkältungs-ratgeber.de) setzt sogar ein wohltuendes Erkältungsbad an die Spitze der Tipps, gefolgt von Ruhe und Gurgeln.

Es muss nicht gleich ein Vollbad sein, meint dagegen die Techniker-Krankenkasse. Sie empfiehlt bei ersten Erkältungssymptomen ein ansteigendes Fußbad. Nach der Kneipp’schen Gesundheitslehre bessere es sämtliche Beschwerden im Hals-Nasen-Rachen-Raum und helfe bei chronischer Nasenneben- und Stirnhöhlenentzündung. „Der Trick: Tauchen Sie Ihre Füße in lauwarmes Wasser von ungefähr 33 Grad ein, und lassen Sie nach und nach wärmeres Wasser zulaufen, bis die Temperatur gerade noch erträglich ist. Nach maximal 20 Minuten brausen Sie Ihre Füße mit kaltem Wasser ab. Anschließend gehen Sie mit abgetrockneten Füßen für mindestens 20 Minuten ins Bett.“ Inhalieren ist einer der Top-Tipps der Apotheken-Umschau. Zu den ältesten Hausmitteln gegen Husten zählt angeblich Zwiebelsaft mit Kandiszucker.

In seiner Praxis in Bobenheim-Roxheim hat Arzt Udo Winter (links) am Mittwoch seinen ersten Grippefall behandelt.
In seiner Praxis in Bobenheim-Roxheim hat Arzt Udo Winter (links) am Mittwoch seinen ersten Grippefall behandelt. Archivfoto: BOLTE
Bei Thong Quoc Chu in Dirmstein ist es dagegen in Sachen Grippe noch ruhig. Er hat vor allem viele Patienten mit Erkältung.
Bei Thong Quoc Chu in Dirmstein ist es dagegen in Sachen Grippe noch ruhig. Er hat vor allem viele Patienten mit Erkältung. Archivfoto: BOLTE
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