Rhein-Pfalz Kreis „Fotografieren ist wie kochen“

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Schifferstadt/ Dannstadt-Schauernheim. Wolfgang Ritter (55) fotografiert seit 40 Jahren. Sein Wissen gibt er seit 1999 in Schulungen, Kursen der Volkshochschule und Exkursionen weiter. In Schifferstadt und Dannstadt starten in dieser Woche Anfängerkurse. Fortgeschrittenenkurse finden ab März in Waldsee statt. Wir haben mit Ritter über Smartphonekameras, Schärfentiefe und den Blick für gute Motive gesprochen.

Herr Ritter, was bedeutet Fotografieren für Sie?

Entspannung, Bewegung und Gehirnjogging. Können Sie sich noch an Ihre erste Kamera erinnern? Ja, das war vor ziemlich genau 40 Jahren. Da war ich 15 und habe mir von meinem ersten Weihnachtsgeld in der Ausbildung eine Fuji ST701 gekauft mit auswechselbaren Objektiven. Das Fotografieren habe ich mir selbst beigebracht, ich habe viele Fotobücher gelesen. Erst sieben Jahre später habe ich an einem Fotokurs teilgenommen und da wurde mir klar, was Schärfentiefe bedeutet. Ich habe meine Kamera erst dann richtig verstanden. Meine Bilder waren bis dahin schon richtig belichtet, aber da war noch keine Tiefe drin. Was hat sich denn mit dem Einzug der Digitalkameras geändert? Zum einen natürlich das Speichermedium: Karten statt Filme. Zum anderen, und das ist für mich eine ganz tolle Sache, kann die Lichtempfindlichkeit einfach mit einem Knopfdruck geändert werden. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einer Pyramide in der prallen Mittagssonne. Früher hätte man da einen Film mit ISO 100 gebraucht. Dann gehen sie hinein in die dunkle Grabkammer. Keine Chance mehr mit diesem Film. Heute stellen Sie einfach den ISO-Wert höher und können auch da fotografieren. Doch das Wesentliche ist gleichgeblieben: Der Fotograf muss sich genau wie früher mit Blende, Verschlusszeit und ISO auskennen. Lohnt es sich eigentlich, die große Fotoausrüstung mitzuschleppen? Schließlich geht der Trend zum Smartphone. Die haben auch schon gute Kameras... Naja, da ist schon ein riesiger Qualitätsunterschied. Das merkt man, wenn man die Bilder in Postergröße ausdrucken möchte. Für die Dämmerung oder nachts ist eine Smartphonekamera gar nicht brauchbar. Bei einer Spiegelreflexkamera hab’ ich viele Einstellmöglichkeiten. Fotografieren ist wie kochen, man kann mit Maggi kochen oder mit eigenen Gewürzen kochen. Maggi ist nicht schlecht, aber immer gleich. Mit eigenen Zutaten schmeckt es jedes Mal anders. Manuelle Einstellungen können zu einem top Bild führen. Das versuche ich, in meinen Kursen zu vermitteln. Teilnehmer des Anfängerkurses lernen also erst mal kochen ohne Maggi? Sie lernen zunächst einmal die Funktionen ihrer Kameras kennen und nutzen. Es fällt den Leuten oft schwer, das anhand der Gebrauchsanweisung zu verstehen. Deswegen stellen sie die Kamera auf Automatik. Ich sage ihnen dann immer: Wenn ihr das macht, dann könnt ihr auch das Handy nehmen. Wie läuft der Kurs denn ab? Es sind fünf Abende. Wir befassen uns mit dem Zusammenhang von ISO Verschlusszeit und Blende, schauen uns die Modi der Kamera an, lernen, was Schärfentiefe ist. Einige Beispiele: Wie nimmt man ein Portrait auf, so dass der Hintergrund unscharf ist? Wie geht man richtig mit einem Blitz um? Wie vermeidet man Reflexionen auf den Brillengläsern? Oder kurz: Wie fotografiere ich, dass die Kamera das Bild, das ich mit den Augen sehe, genau so festhält? Das ist gar nicht so einfach. Doch es soll kein rein theoretischer Unterricht sein, zu jedem Thema gibt es auch praktische Übungen. Ich biete auch noch eine etwa dreistündige Exkursion in Speyer an in der das theoretisch Erlernte in die Praxis umgesetzt wird. Technik allein macht aber noch keinen guten Fotografen. Stimmt, man muss schon einen Blick für gute Motive entwickeln. Auch dafür gibt es Regeln. Da hilft es, gute Fotos genauer zu betrachten. Und man muss auch mal ungewöhnliche Positionen zum Fotografieren einnehmen, sich auch mal auf den Boden legen oder aus ungewöhnlichen Blickwinkeln fotografieren.

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