Rhein-Pfalz Kreis Flotte Töne statt gesiebte Luft

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«Dannstadt-Schauernheim.» „Wenn du net brav bischt, werscht im Gascho oigelocht.“ Ältere Leser werden diesen Spruch vielleicht noch von erzürnten Erziehungsberechtigten gehört haben. Jüngere lässt er wahrscheinlich ratlos zurück. Dabei gibt es im Rhein-Pfalz-Kreis tatsächlich noch ein „Gascho“, was natürlich richtig Cachot heißt und das französische Wort für „Kerker“ ist. Ins Loch kommt da aber niemand mehr, dafür wird fröhlich Musik gemacht.

Wer jetzt völlig verwirrt ist: Besagtes Cachot steht schmuck und schön hergerichtet in Schauernheim im Dorfzentrum, wo Ober-, Unter- und Hintergasse zusammentreffen. Das alte Wachhäuschen, an dem ein Schild auf die frühere Nutzung als kleine Haftanstalt hinweist, als „Loch“ zu bezeichnen, ist da eigentlich fast despektierlich. Und doch wurden hier einst Menschen eingelocht. Nur wer, wie viele und warum – das ist nicht mehr nachzuvollziehen. „Dass das Wachhaus als Gefängnis genutzt wurde, weiß hier gefühlt jeder“, sagt Ute Günther, bei der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, „aber Haltbares findet sich nicht.“ Laut Denkmaltopographie ist das Alte Wachhaus in den 1820er- oder 1830er-Jahren erbaut worden. Wie lange es als Cachot diente, steht auch dort nicht. Jedoch heben die Denkmalpfleger hervor, dass das kleine Gebäude einer der letzten Bauten seiner Art im Landkreis ist. Und das mit einer sehr wechselhaften Geschichte. Denn, daran erinnern sich noch viele Schauernheimer, das Gebäude war einst Spritzenhaus der Feuerwehr, Ein Wagen war hier untergebracht, erinnert sich Alt-Schauernheimer Erich Keck. Außerdem diente es zwischendurch als Dorfwaage. Daran erinnert sich auch Gerhard Friedemann. Der 75-Jährige ist jetzt mit seinen Musikerkollegen der Band Oldies spielen Oldies sozusagen Hausherr des alten Cachots. Denn die vier Bandmitglieder haben das Wachhäusel als Proberaum von der Gemeinde gemietet. „Als ich 1981 nach Schauernheim gekommen bin, war hier noch die Waage“, sagt er. Er hat sich erkundigt und herausgefunden, dass am Münchhof, der Keimzelle Schauernheims, einst Gericht gehalten wurde und der Dorfbüttel im heutigen Proberaum den armen Tropf einlochte, über den da geurteilt wurde. Dann wurde aus dem Wach- ein Waaghaus, das auch nicht mehr gebraucht wurde. Später war hier ein Schreibwarengeschäft, eine Poststelle, ein Reisebüro ... dann ein Übungsraum der Musikschule. Brückenschlag zu den Oldies, die seit inzwischen zwei Jahren hier üben. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Werner Urbaniak, als er gerade Stühle ins Cachot trägt. Er ist Schlagzeuger der vierköpfigen Band, die aus dem Gesangverein 1909 Schauernheim entstanden ist: „Hier können wir unsere Instrumente stehen lassen und stören niemanden.“ Die Musiker haben den rund vier auf sechs Meter großen Innenraum des früheren „Loches“ mit vielen leeren Pappkartons umgeben, wegen des Schallschutzes. Die seien wichtig, „vorher war das hier ein Klangbrei“. Die dicken Mauern des einstigen Gefängnisses schonen die Ohren der Nachbarn. Und geübt wird eifrig, sagt der Drummer, mit 67 Jahren der Jüngste der Oldies, zu denen neben Friedemann und ihm noch Gerhard Rettig und Erich Keck gehören. Schließlich wird am 19. August zum Jubiläumswochenende in Dannstadt aufgespielt und natürlich am ersten September-Wochenende auf der Schauernheimer Kerwe. Die Oldies gehen gerne und freiwillig ins „Gascho“. Das war früher mit Sicherheit anders, als es hieß: „Jetzt werscht oigelocht!“

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