Schifferstadt Flüchtlingshilfe: Team 31 mit neuen Räumen und neuem Projekt
Über ein Jahr lang war das Schifferstadter Team 31 ohne Dach über dem Kopf. Seit 2015 engagiert sich der Verein in der Flüchtlingshilfe. „Das Haus in der Mutterstadter Straße, in dem wir drei Räume hatten, ist verkauft worden. Dann saßen wir auf der Straße“, sagt der Vorsitzende Karl Fischer. Aus finanziellen Gründen konnte der Verein zunächst keine neue Bleibe finden. Der monatliche Beitrag, den die rund 50 Mitglieder zahlen, ist ein symbolischer Betrag von einem Euro; ansonsten ist das Team 31 auf Spenden angewiesen.
Die Räume, die das Team 31 jetzt in der Bahnhofstraße 37 bezogen hat, stehen ihm vorerst bis Ende des Jahres zur Verfügung. So lange dauert ein spendenfinanziertes Projekt, das es zusammen mit dem Speyerer Caritas-Verband auf die Beine stellt.
Hilfe für Gehörlose
Dieses Projekt soll ukrainischen Geflüchteten, insbesondere solchen mit Hörbehinderungen, dabei helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. „Diese Gruppe haben wir bisher nicht auf dem Schirm gehabt, weil wir wussten: Da können wir als Ehrenamtliche nicht helfen“, sagt Fischer. Unter den Helfern gebe es zwar Leute, die vom Ukrainischen ins Deutsche übersetzen können, aber bislang niemanden, der Gebärdensprache beherrscht. Dazu komme, dass die gehörlosen Flüchtlinge eine recht geschlossene Gemeinschaft bilden.
Zwei hauptamtliche Teilzeitkräfte, die ihre Arbeitsplätze in den neuen Räumen haben werden, sollen den Verein bei seiner Arbeit unterstützen. Eine Person, die selbst gehörlos ist, soll die Kommunikation übernehmen. Die andere Stelle ist für eine Sozialarbeiterin eingeplant, die Hausbesuche bei Geflüchteten anbietet. „Das ist in der normalen Flüchtlingshilfe nicht vorgesehen“, sagt Fischer. Die Sozialarbeiterin soll die Menschen mit staatlichen Hilfsstrukturen zusammenbringen.
Gesprächskreis geplant
Fischer schwebt ein Gesprächskreis für die gehörlosen Ukrainer vor – zwischen 25 und 30 von ihnen sind in Schifferstadt untergebracht, schätzt er. Auf lange Sicht soll dieser Kreis auch für gehörlose Geflüchtete aus anderen Ländern und Schifferstadter geöffnet werden. „Unser Ziel ist es, Brücken zu bauen in diese andere Gesellschaft“, sagt der Vorsitzende.
Abgesehen von diesem Projekt will das Team 31 an seinem neuen Standort Fachwissen in der Integrationshilfe zusammenführen. Da ist zum einen die Expertise der Ehrenamtlichen selbst: „In den vergangenen Jahren haben wir uns wahnsinnig viele Kompetenzen angeeignet“, sagt Fischer. Helfer des Vereins hätten sich über die Jahre zum Beispiel in die Beratung in Sachen Jobcenter eingearbeitet. „Wir machen Arbeit, die hauptamtliches Personal in dem Umfang gar nicht leisten könnte.“ In den Vereinsräumen ist auch der Integrationsfachdienst des Frankenthaler Zentrums für Arbeit und Bildung (ZAB) untergebracht, der Migranten bei Fragen zu ihren Asylverfahren berät. „Alle Angebote für Geflüchtete, die nicht zum Pflichtprogramm der Stadtverwaltung gehören, werden somit hier gebündelt“, erklärt Fischer.
In den Räumen sollen auch Sprachkurse, Infoabende und Diskussionsrunden stattfinden. Auch die Treffen zwischen Geflüchteten und Paten des Vereins sollen einen festen Platz bekommen, anstelle von Privatwohnungen oder öffentlichen Orten. Nach der Pandemie und der Zeit ohne eigene Räume soll jetzt wieder der normale Betrieb losgehen.