Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel First Responder seit Juni in Böhl-Iggelheim im Einsatz

Der Einsatzwagen ist gebraucht. Er gehörte vorher dem First Reponder von Dannstadt-Schauernheim. Nun wird er bei Notfalleinsätze
Der Einsatzwagen ist gebraucht. Er gehörte vorher dem First Reponder von Dannstadt-Schauernheim. Nun wird er bei Notfalleinsätzen in Böhl-Iggelheim gefahren. Foto: Sascha Epple/frei

Wenn der Pieper losgeht, heißt es schnell sein. Rein ins Auto, ab zum Einsatzort. Die First Responder sollen vor Rettungswagen und Notarzt da sein – um in den überlebenswichtigen ersten Minuten zu helfen. In Böhl-Iggelheim übernimmt diese Arbeit jetzt eine neue Abteilung der Feuerwehr. Und die hat im Rhein-Pfalz-Kreis ein Alleinstellungsmerkmal.

Matthias Meder hat Job und Ehrenamt kombiniert. Hauptberuflich arbeitet der 36-Jährige als Notfallsanitäter in Haßloch. Und auch in seiner Freizeit rettet der Böhl-Iggelheimer Leben. Meder leitet die neue First-Responder-Gruppe der Gemeinde, fährt zu Einsätzen und koordiniert mit seinem Stellvertreter Markus Eitzer (42) das Team. „Wir sind in drei bis vier Minuten vor Ort“, sagt Meder mit Blick auf die Statistik der vergangenen Monate.

Und genau das ist das Ziel der Notfallgruppe: Schneller vor Ort sein als Rettungswagen und Notarzt. Als Ergänzung wohlgemerkt, nicht als Ersatz. „Wir werden von der Integrierten Leitstelle Ludwigshafen alarmiert, wenn Menschen vital bedroht sind“, erklärt der Notfallsanitäter. „Bei Kindernotfällen, Verkehrsunfällen, Herzinfarkten, Schlaganfällen ...“ Es sind Einsätze, bei denen es um jede Minute geht.

Auch bei Wehreinsätzen dabei

Der reguläre Rettungsdienst muss spätestens nach 15 Minuten da sein – so schreibt es der Gesetzgeber vor. Da für Notfälle in Böhl-Iggelheim die Rettungsdienste der Haßlocher oder Schifferstadter Wache ausrücken, können durchschnittlich zwölf bis 13 Minuten vergehen, bis sie vor Ort sind. „Wir überbrücken die therapiefreie Zeit“, sagt Thomas Remle (56), Leiter der Böhl-Iggelheimer Freiwilligen Feuerwehr und First Responder. Und erhöhen so die Chance der Notfallpatienten auf Genesung.

Die First Responder sind eine neue medizinische Sondereinheit der örtlichen Wehr, die bei Feuerwehreinsätzen auch als Sanitätsdienst fungiert. „So brauchen wir für die Sicherheit unserer Leute nicht extra einen Arzt zu bestellen“, sagt Remle. In den Verbandsgemeinden Maxdorf und Dannstadt-Schauernheim sowie in Schifferstadt sind sie dem Deutschen Roten Kreuz angegliedert. Aber das ist nicht der einzige Unterschied. „Wir sind kein Ein-Mann-Betrieb“, betont Remle. „Wir haben uns ganz bewusst für eine Gruppe entschieden.“ Gut 20 Personen haben sich für den ehrenamtlichen Dienst gemeldet und arbeiten unentgeltlich mit. Teils kommen sie aus der Branche, die anderen haben im April eine 60-stündige Sanitätsausbildung absolviert.

Eine 24/7-Abdeckung

„Ende Mai hatten wir die ersten Einsätze im Probebetrieb“, erzählt Markus Eitzer, hauptberuflich Rechtsanwalt, nebenbei Rettungssanitäter in Mannheim – und seit Neuestem auch First Responder. Offiziell an den Start ging die Gruppe zum 1. Juni. Gut 70 Einsätze wurden bisher gefahren. „Wir haben online einen Dienstplan, in den sich jeder eintragen kann“, erklärt Matthias Meder. „Wir haben eine 24/7-Abdeckung.“ Dabei soll die Gruppe, deren Einsatzbereich sich auf Böhl-Iggelheim beschränkt, vorrangig die Randzeiten, sprich: Nächte, das Wochenende und Feiertage, abdecken. „Aber wir haben auch Leute, die tagsüber können“, sagt Markus Eitzer. So kommt es auch, dass 30 bis 40 Prozent der Einsätze in einer Zeit gefahren wurden, in der eigentlich keine Abdeckung geplant war.

Rund 16.000 Euro habe die Gemeinde bisher für die Lebensretter investiert, sagt Thomas Remle. Es wurden ein Gebrauchtwagen, Kleidung und die nötige Ausrüstung angeschafft. Die besteht aus je zwei Rucksäcken für Atem- und Kreislauf-Notfälle bei Erwachsenen und Kindern. Hinzu kommt ein Defibrillator, der auch bei Kleinkindern genutzt werden kann. Für das kommende Jahr ist eine eigene Kostenstelle im Gemeindehaushalt vorgesehen. Zudem ist die Gruppe auf Spenden angewiesen. „Die First Responder sind eine sinnvolle und heilsbringende Einrichtung“, sagt Bürgermeister Peter Christ (CDU). „Es läuft richtig gut.“

Binnen zwei Minuten ausgerückt

Markus Eitzer ist es wichtig, dass die Arbeit der Sondereinheit stetig verbessert wird. „Wir wollen uns so professionell wie möglich aufstellen.“ Eine Baustelle ist derzeit ein besseres Planungssystem. Aktuell läuft der Dienstplan über eine Excel-Tabelle. Ziel ist, ein Alarmierungsdienstplansystem einzurichten, an das auch die Wehr selbst angeschlossen ist. „Das ermöglicht die Planung und die Dokumentation“, sagt der 42-Jährige. Aber auch mit der aktuellen Arbeitstabelle läuft es. „Das Fahrzeug steht immer bei dem, der Dienst hat“, sagt Thomas Remle. „Oft bei mir.“ Denn seine Familie engagiert sich komplett im Team. Wer sich für einen Einsatz einträgt, kann seinem Alltag im Ort nachgehen, sollte aber keine Erledigungen außerhalb erledigen. Schließlich sei das Ziel, binnen ein bis zwei Minuten ausgerückt zu sein.

Einmal im Monat Besprechung

Bei frisch ausgebildeten Kollegen klinken sich Matthias Meder oder Markus Eitzer auch mal beim Einsatz ein. „Als Rückendeckung – damit die Leute sich nicht verloren vorkommen“, sagt Markus Eitzer. Bis die Einsätze eben zur Routine werden. Jeden letzten Mittwoch im Monat trifft sich das Team, tauscht sich aus und lässt die Einsätze Revue passieren.

Die Leiter der First Responder sind nach den ersten Monaten zufrieden. Ihr Team sei richtig gut. Und auch das Feedback aus den Reihen des Rettungsdiensts und die Akzeptanz im Ort seien gut, sagt Markus Eitzer. „Das war auch das Ziel der Ausbildung“, fügt Matthias Meder an. „Wir sollen draußen funktionieren – und wir funktionieren auch.“

Noch Fragen?

Die Leitung ist per E-Mail an fr.ffw.bi@gmx.de zu erreichen. Die gemeinsamen Treffen finden am letzten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Böhl-Iggelheim statt. Spendenkonto: Sparkasse Vorderpfalz, Verwendungszweck First Responder, DE 25 5455 0010 0000 500173.

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