Altrip
First-Responder-Projekt: Für die ersten wichtigen Minuten
Ein Unfall, ein Herzversagen, ein allergischer Schock – es gibt viele Notfälle, bei denen die ersten Minuten der Versorgung entscheidend sind. Oft kann es zu spät sein, bis der Rettungswagen kommt. „Geistig war das First-Responder-Projekt bei mir schon vor 15 Jahren am Start“, berichtet Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos). Damals war er ehrenamtlich bei der Feuerwehr tätig und weiß, dass es mitunter dauern kann, bis auf dem Land der Rettungsdienst nach einem Notfall eintrifft. Es sollten allerdings noch einige Jahre vergehen, bis seine Pläne konkret werden durften: „Zu meiner Wahl als Bürgermeister hatte ich mir das auf die Fahnen geschrieben, und im Laufe des Jahres 2020 begann die Planung genauer zu werden: Der Ortsgemeindebeirat wurde einbezogen, ebenso die Verbandsgemeinde, und einen Trägerverein brauchten wir auch.“
Durch eine glückliche Fügung war es die Johanniter Unfallhilfe, die am Campingplatz Auf der Au zwischen Waldsee und Altrip die Sanitätswache besetzt, und alle dort waren sofort dabei. Einen starken Mitstreiter fand Mansky auch in Patrick Haag. Der erfahrene Notfallsanitäter erlebte selbst vor drei Jahren einen Notfall im Bekanntenkreis, „und hätte ich nicht sofort helfen können, wäre es übel ausgegangen, denn der Rettungswagen kam erst 17 Minuten später“, erinnert sich der 25-Jährige.
Zu wenig Leute bei den Rettungsdiensten
Patrick Haag weiß, wovon er spricht; in seinen Jahren beim Deutschen Roten Kreuz und inzwischen bei der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen, kennt er die Probleme, die ein rasches Eintreffen verhindern. Haag zückt sein Smartphone: „Hier, das sind unsere Einsatzpläne. Sie sehen, dass einige Wagen gar nicht besetzt sind, weil wir zu wenige Leute haben.“ Jonah Löffler (20), Rettungssanitäter bei den Johannitern, nennt weitere Schwierigkeiten: „Es gibt zwar ein vorgeschriebenes Zeitfenster bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Aber was ist, wenn er nicht durch den Verkehr kommt oder kein Einsatzfahrzeug frei ist?“
Mit dem Notfallfahrzeug, den Ehrenamtlichen von den Johannitern, aber auch aus der Bürgerschaft, soll diese Lücke nun geschlossen werden. Am Dienstag wurde der Audi Q 5, der für 25.000 Euro einschließlich der Notfallausrüstung von der Ortsgemeinde angeschafft wurde, am Bürgerhaus Alta Ripa vorgestellt. Barbara Regelein, Mitglied des Altriper Gemeinderats, beugt sich interessiert über die Ausstattung, die von Defibrillator, Beatmungsgerät über medizinisches Verbrauchsmaterial, auch speziell für Kinder, das gesamte Spektrum für eine qualifizierte Erste Hilfe abdeckt: „Ich würde mir nicht zutrauen, an Ort und Stelle zu sein und Schreckliches sehen zu müssen“, bekennt sie. „Aber ich kann anderweitig helfen – durch Zuspruch, Trösten, Beruhigen.“
Trainings stehen an
„Auch das ist wichtig“, bekräftigt Johanniter-Rettungssanitäter Adrian Tomaszweski. „Wir sehen immer wieder schlimme Sachen, und man kann es eben oder man kann es nicht.“ Volker Mansky ist optimistisch, dass „bis Mitte Juni alle Komponenten wie Funk oder Einsatzrufmelder verfügbar sein werden; gleichzeitig soll auch die Ausbildung der ehrenamtlichen Helfer, die keine medizinischen Kenntnisse haben, beginnen.“ Sie wird gemeinsam von den Johannitern und der Verbandsgemeinde finanziert und findet in der Dienststelle des Johanniter-Ortsverbandes Ludwigshafen-Ruchheim statt. „Diese Ausbildung ist hochwertig, umfasst 84 Stunden, das sind etwa zehn Tage, und enthält das Erste-Hilfe-Training, die Sanitätshelferausbildung, ein Trauma-Training und im Anschluss eine begleitete Praxisphase“, erklärt Sören Dieter von der Johanniter Unfallhilfe und Leiter des First-Responder-Projekts.
Andreas Grimm aus Altrip interessiert sich für eine ehrenamtliche Mitarbeit: „Ich bin gerne bereit, zu helfen, und finde das Vor-Ort-Projekt enorm sinnvoll“, sagt er. Als Rettungstaucher bei der DLRG in Neuhofen besitzt er den SAN-A-Schein, ist also Sanitätshelfer, und bringt damit bereits eine wichtige Grundqualifikation mit. Auch Nahla Schneider hat sich einen Zettel zum Ausfüllen gegriffen: „Medizinische Themen interessieren mich. In meiner Familie gibt es Asthmatiker und Diabetiker“, berichtet sie. „Das heißt, ich kann Blutzucker messen und spritzen und erschrecke nicht!“ Hinzulernen wolle sie und dann als First Responderin die Zeit nutzen, bis der Notarzt komme.
Noch Ehrenamtliche gesucht
Jonah Löffler erklärt den Ablauf eines Einsatzes anhand eines Beispiels: „Stellen Sie sich einen unglücklichen Sturz bei einem Fahrradunfall im Wald vor, im Winter, wenn die Sanitätsstationen an den Badeseen nicht besetzt sind. Wer gerade Dienst hat, bekommt eine Meldung über seinen Pieper und erfährt, worum es sich handelt. Gleichzeitig sind zwar auch schon Notarzt und/oder der Rettungsdienst alarmiert. Doch aufgrund der räumlichen Nähe wird unser Altriper Helfer deutlich schneller am Unfallort sein und kann handeln.“ „Der Aktionsradius erstreckt sich übrigens über die gesamte Verbandsgemeinde Rheinauen, und unter den Ehrenamtlichen sind es die 14 Johanniter von der Au sowie bereits zehn Altriper Bürger, die mitmachen“, freut sich Volker Mansky. „Alle, die sich ebenfalls engagieren wollen, sind willkommen. Je mehr, desto besser!“
Zur Sache
First Responder sind eine Ergänzung der Rettungskette. Es sind in erweiterter Erster Hilfe und grundlegend sanitäts- oder rettungsdienstlich ausgebildete Personen, die bei Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen eines Rettungswagens mit qualifizierten basismedizinischen Maßnahmen überbrücken können. Wer Teil dieser Rettungskette in Altrip werden möchte, meldet sich unter: info@altrip.de