VG Rheinauen
Feuerwehrmann: „Das war ein Einsatz, der prägt“
Roland Tremmel aus Otterstadt ist seit 45 Jahren bei der Feuerwehr und war damit das langjährigste Mitglied, das geehrt wurde. Der 64-Jährige entschied sich als junger Mann für die Wehr, weil er keinen Dienst bei der Bundeswehr leisten wollte. „Ich habe mich für zehn Jahre verpflichtet und bin dabei geblieben. Da ist eine Kameradschaft entstanden, die man nicht aufgibt“, sagte Tremmel, der von 1990 bis 2008 Otterstadts Wehrführer war und von 1997 bis 2008 als stellvertretender Wehrleiter der damaligen Verbandsgemeinde Waldsee amtierte. Selbst anzupacken und nicht zu delegieren, sei ihm immer wichtig gewesen, sagte der 64-Jährige.
Sein Kamerad Claus Ackermann ist seit 40 Jahren bei der Feuerwehr in Waldsee und gilt dort als dienstältester Feuerwehrmann und „Ruhepol, der immer einen Witz auf Lager hat“. Er schätzt die Gesellschaft, die Kameradschaft und den Spaß, der bei der Feuerwehr gelebt werde. Den 17 jungen Menschen, die am Sonntag für ihren Dienst in der Feuerwehr verpflichtet wurden, rät er mit einem Schmunzeln: „Gelassen bleiben, so wie ich“.
Drei junge Frauen berichten von Erfahrungen
Nina Schotthöfer (23), Lea Kramer (18) und Lena Stett (18) sind drei Kameradinnen, die ihre Grundausbildung abgeschlossen haben und in den aktiven Dienst übergetreten sind. Sie haben entweder einen Feuerwehrhintergrund, weil Familienmitglieder dort bereits engagiert sind, oder sind wie Lea Kramer durch die Jugendfeuerwehr zu ihrem Ehrenamt gekommen. Die 18-Jährige spricht von „Adrenalin pur“, wenn der Melder angeht, der die Wehrleute zum Einsatz ruft.
Lea Kramer durfte im Sommer nach einem Starkregenereignis helfen, einen Keller in Waldsee auszupumpen. Lena Stett wurde schon zu einem Einsatz in Neuhofen gerufen, was sich letztlich jedoch als Fehlalarm einer Brandmeldeanlage herausstellte. Und Nina Schotthöfer durfte an der Schlicht mit im Einsatz sein, als zwei Betrunkene nicht mehr vom Gelände der dortigen Kiesfirma wegkamen.
Unvergleichbarer Einsatz
Die Schilderungen der drei Nachwuchsfeuerwehrfrauen stellen das Einsatzspektrum der Wehrleute dar. Nicht alltäglich waren dagegen die Einsätze von Mitgliedern der Feuerwehr, des DRK und der DLRG im Flutkatastrophengebiet. Frank Markgraf berichtete für die DLRG-Strömungsretter von 18-Stunden-Einsätzen am Stück, davon 14 Stunden im Wasser, was psychisch und physisch sehr kräftezehrend gewesen sei. Das Erlebte beschäftigt die Retter noch heute. Markgraf erzählte von einem Mann, der sein Haus und viel schlimmer noch seine Frau und seine zwei Kinder in den Fluten verloren habe.
Auch das DRK aus Neuhofen war im Katastrophengebiet und baute nach Angaben von Sebastian Hisgen unter anderem Behandlungsplätze auf. Dem stellvertretenden Altriper Wehrführer Oliver Laible ist vor allem noch präsent, „wie brutal das Wasser die Infrastruktur zerstört hat“. „Man sieht erst, wenn man wieder zu Hause ist, was man alles verlieren kann“, sagte der Feuerwehrmann, der wie einige Kameraden aus anderen Wehren aus der Verbandsgemeinde im Ahrtal war. „Das war ein Einsatz, der prägt“, machte Laible deutlich.
2021: Bisher rund 200 Einsätze
In der Verbandsgemeinde Rheinauen hatten die vier Wehreinheiten Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee nach Angaben von Wehrleiter Michael Jaspers in diesem Jahr bisher rund 200 Einsätze, was dem Durchschnitt entspreche. Derzeit gebe es 163 aktive Feuerwehrleute und rund 30 Mitglieder in den Jugendwehren. Da der Corona-Impfstatus mit über 90 Prozent sehr gut sei, rechnet Jaspers nicht mehr damit, dass der Übungsbetrieb wieder eingestellt werden muss. Abgänge durch die pandemiebedingte lange Übungspause habe es nicht gegeben, sagte der Wehrleiter. Ihm zufolge ist die technische Ausstattung der Feuerwehr in einem guten Zustand, allerdings nehmen Lieferzeiten und Herstellungsverzögerungen immer weiter zu. Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) zeigte sich „tief beeindruckt“ vom Engagement der ehrenamtlichen Wehrleute. „Ihr müsst immer damit leben, dass euer Piepser angeht. Ihr steht immer parat und das ist aller Ehre wert“, sagte der Bürgermeister. Er lobte die Politiker im Verbandsgemeinderat, dass sie sich kritisch mit den Wünschen der Feuerwehr beschäftigten, aber sie letztlich einstimmig befürworteten. „Das kommt der Schlagkraft der Feuerwehr und damit auch den Bürgern zugute“, sagte Fassott.
Ehrungen & Neue Aktive
- 25 Jahre: Steffen Kraushaar, Thorsten Hacker, Stefan Loebel-Hoffelder (alle Altrip), Thomas Berthold, Andreas Schneeweiß, Bernd Strebel (alle Otterstadt), Peter Klauß, Marco Schotthöfer (beide Waldsee)
- 30 Jahre: Martin Dyckhoff (Altrip), Günter Biedermann, Thomas Klamm (beide Neuhofen)
- 35 Jahre: Thomas Straßer, Rainer Berger (beide Otterstadt)
- 40 Jahre: Claus Ackermann (Waldsee)
- 45 Jahre: Roland Tremmel (Otterstadt).
- Neuverpflichtungen: Tim Müller, Janick Siegel (beide Altrip), Andreas Karl, Marvin Klamm, Nicola Kottwitz, Markus Lindner, Marvin Müller (alle Neuhofen), Kim Elzer, Paul Gärtner, Marcel König, Musaj Krasniqi (alle Otterstadt), Tim Knörr, Lea Kramer, Marlon Reuther, Nina Schotthöfer, Elias Spindler, Lena Stett, Janne Ullrich, Philipp Wittmer, Daniel Walther (alle Waldsee).