Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehr-Übung in Mutterstadter Schule: Weil Brom ausgelaufen ist

Ein Aufgebot an Rettungskräften vor der Integrierten Gesamtschule, sorgt bei den Nachbarn für Unruhe: Ist wirklich etwas passier
Ein Aufgebot an Rettungskräften vor der Integrierten Gesamtschule, sorgt bei den Nachbarn für Unruhe: Ist wirklich etwas passiert? Foto: KUNZ

Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, müssen Feuerwehrleute regelmäßig üben. Die Mutterstadter Wehr hat mit den Johannitern und vielen Statisten am Wochenende die Integrierte Gesamtschule Mutterstadt zum Zentrum eines fiktiven Einsatzes auserkoren – und dabei ganz schön viel Nebel gemacht.

Dichter Rauch wabert durch den Klassensaal. Obwohl der Raum nicht besonders groß ist, ist es unmöglich, an das andere Ende zu sehen. Wer sich kurz in dem Raum aufhält, ist froh, ihn wieder verlassen zu können, denn das Atmen fällt hier schwer. Zum Glück haben sich Schüler und Lehrer bereits über die Feuerleiterleiter auf dem Dach der Schule in Sicherheit gebracht. Die Flammen sind bereits gelöscht. Feuerwehrschläuche zeugen von dem Einsatz. Sie ziehen sich über das gesamte Treppenhaus der Schule bis in den Klassensaal.

Unten im Chemiesaal herrscht ein ähnlich chaotisches Bild. An der Tafel steht noch der Schnitt der letzten Klausur, den die Lehrerin angeschrieben hat – keine Eins, einige Zweien und ein Gesamtschnitt von 3,9. Eine schwierige Arbeit für die Schüler. Ein schwieriger Einsatz für die Feuerwehr. Auf dem Boden liegt nämlich ein umgestürztes Reagenzglas. Und das ist nicht ohne.

Brom geht schnell in die Lunge – und ist gefährlich

„Hier ist in unserem Übungsszenario Brom ausgelaufen“, erklärt Sascha Jülly, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Mutterstadt und Einsatzleiter bei dieser Übung. Auch der Rauch in den Klassensälen ist selbstverständlich nur Nebel, der aus aufgestellten Nebelmaschinen strömt. „Brom tritt schnell in die Lunge ein. Im Zuge der notwendigen Evakuierung ist es im dritten Stock unter den Schülern zu einer Panik gekommen, bei der eine Kerze umgestoßen wurde“, erläutert Jülly das fiktive Szenario.

Die Freiwillige Feuerwehr hat sich in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe kümmert sich um den Chemieunfall, die andere um den Brand. Zunächst müssen jedoch die Menschen aus dem Gebäude gebracht und anschließend auf dem Sportplatz neben der Schule von den Johannitern versorgt werden. Auch einen Toten, selbstverständlich nur einen Dummy, also eine Puppe, hat es bei dem Unfall im Chemielabor gegeben. Die Puppe liegt vor dem Schulgebäude auf dem Boden und Mitglieder der Feuerwehr wechseln sich mit Herzdruckmassagen ab. „Wir müssen versuchen, die Betroffenen wiederzubeleben, bis uns der Notarzt das Stoppsignal gibt“, erläutert Jülly.

Viele verschiedene Situationen werden traininert

Egal, ob blutverschmierte Kinder, panische Menschen, die aus dem Feuer gerettet werden müssen oder ohnmächtige Personen – bei dieser Übung an der Integrierten Gesamtschule Mutterstadt werden die Ehrenamtlichen auf viele verschiedene Situationen vorbereitet. Gegen Ende der Übung, die zwei Stunden dauert, wird noch ein AGT-Unfall geprobt. „AGT bedeutet Atemgeräte-Träger und meint den Trupp, der als erstes in einen brennenden Raum geht“, erklärt Jülly. Wenn einem der beiden Wehrleute, die diesen Trupp bilden, etwas passiert, ihn beispielsweise ein brennender Balken trifft, muss ein zweiter Trupp nachkommen. Auch dieser Trupp wird wieder aus zwei Personen gebildet.

Übungen dieser Größenordnung finden etwa einmal im Jahr statt, berichtet Jülly. Rund 100 Leute, darunter Statisten, Johanniter und Mitglieder der Feuerwehr nehmen an der Übung teil. Die Feuerwehrautos und Krankenwagen auf dem Schulgelände erwecken viel Aufmerksamkeit und einige Bewohner der umliegenden Häuser sowie Spaziergänger kommen vorbei. Teils besorgt, teils interessiert, erkundigen sie sich über die Vorgänge auf dem Pausenhof.

Die Freiwillige Feuerwehr übt den Ernstfall. Verletzte müssen nach draußen getragen und sofort versorgt werden.
Die Freiwillige Feuerwehr übt den Ernstfall. Verletzte müssen nach draußen getragen und sofort versorgt werden. Foto: KUNZ
Statisten der Jugendfeuerwehr mimen verletzte Schüler.
Statisten der Jugendfeuerwehr mimen verletzte Schüler. Foto: KUNZ
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