Rhein-Pfalz Kreis Feuer unterm eigenen Dach
«Dannstadt-Schauernheim.» Ein Bier. Vielleicht ist es genau das, was Stefan Veth (CDU) jetzt braucht. Gestern Abend sitzt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim im Mannschaftsraum des örtlichen Feuerwehrgerätehauses. Um ihn herum am Tisch zwölf Feuerwehrkameraden. Es sind die, die noch da sind – vier sind verhindert, im Urlaub zum Beispiel. Veth ist gefasst, die Stimmung ist dennoch gedrückt, manche haben den Kopf gesenkt, es wird nicht viel gesprochen. Es scheint, als müssten alle noch ein bisschen verarbeiten, was gerade passiert ist. 15 der 31 Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Dannstadt-Schauernheim, inklusive Wehrführer und anderem Führungspersonal, haben kurz zuvor ihren Dienst quittiert (wir berichteten in der Ausgabe vom Freitag). Veth hat ihnen die Entpflichtungsurkunde überreicht. Sie haben ihre Schlüssel abgegeben. Ein kurzer, formaler Verwaltungsakt. Schluss. Das war’s. Draußen auf dem Hof verteilt ein Mann ein Flugblatt. Darauf ist von einem „Paukenschlag“ die Rede, von einem „im Land aufsehenerregenden Schritt“. Der Mann ist einer derer, die die Wehr verlassen haben. Er sagt nichts, zumindest nicht öffentlich. „Wir versuchen seit 2011, mit ihm zu sprechen“, „Das interessiert die überhaupt nicht“, murmeln andere. Es fallen auch weniger freundliche Worte, sie sind alle gegen Bürgermeister Veth und die Verwaltung gerichtet. Auch der nun ehemalige Wehrführer Uwe Burkhardt sagt nicht viel, das habe ihnen ihr Anwalt Hans-Erich Sobiesinsky geraten. Über ihn laufe auch künftig die Kommunikation. In ihrer Mitteilung nennen die Feuerwehrleute ein „zerrüttetes Vertrauensverhältnis“ zwischen der Wehr und der Wehrleitung der Verbandsgemeinde, Christopher Diehl und seinem Stellvertreter Mathias Müller, sowie Bürgermeister Veth als Grund für ihren Rückzug. Sie werfen dem Bürgermeister „Untätigkeit“ vor. Ein seit Jahren immer wieder aufkeimender Konflikt habe sich jüngst zugespitzt. Im Kern ihrer Kritik steht ein Mitglied der Wehr, dessen Verhalten „in mehrfacher Hinsicht einfach unakzeptabel für die meisten Aktiven gewesen“ war. „Das Vertrauen war nicht mehr vorhanden, es musste gehandelt werden“, heißt es. Es ist alles sehr vage, Namen werden nicht genannt. Anwalt Sobiesinsky wird zumindest ein wenig konkreter: Es geht um tätliche Übergriffe, um Beleidigungen, um Bloßstellungen. Die Dannstadt-Schauernheimer Wehrführung wollte laut Anwalt die Entpflichtung dieses Mitglieds aussprechen, sodass es die Wehr verlassen muss. Die Verwaltung entsprach diesem Vorhaben jedoch nicht. Veth bestätigt das gegenüber der RHEINPFALZ. Schon am Freitagvormittag ist Veth angespannt. Es ist ihm nicht recht, dass die ganze Sache an die Öffentlichkeit kam. „Personalangelegenheiten sollte man intern regeln“, sagt er, „sonst wird immer jemand beschädigt.“ Am Donnerstag hat er nur die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und FDP des Verbandsgemeinderates über den anstehenden Eklat informiert. „Streng vertraulich“, sei die E-Mail gewesen. Nun sitzt er mit Wehrleiter Diehl in seinem Büro, bereit dazu, Stellung zu beziehen. Eine Frist, die ihm die Ausgetretenen gesetzt haben, hat er verstreichen lassen. Donnerstag, 23.59 Uhr – bis dahin hätte die Wehrleitung der Verbandsgemeinde aus dem Amt scheiden müssen, um den Austritt der halben Mannschaft zu verhindern – egal wie. „Die oder wir“. Der Wehrleiter und sein Stellvertreter hätten zurücktreten oder Veth sie entlassen können. Beides geschah nicht. Eine Ablösung sei für ihn nie ein Thema gewesen, sagt Veth. Man könnte auch sagen: Er lässt sich nicht erpressen. „Schon seit längerer Zeit gibt es Schwierigkeiten“, sagt Veth. Diese hätten bereits vor seiner Zeit als Bürgermeister der Verbandsgemeinde bestanden. Veth ist seit 2010 im Amt. Am 24. September stellt er sich erneut zur Wahl, er ist der einzige Bewerber. Es gibt keinen guten Moment für solch eine Geschichte, sagt Veth. Aber es könnte freilich bessere geben. Drei von vier Wehren der Verbandsgemeinde verstehen sich untereinander sehr gut, befindet Veth. Namentlich sind das die Wehren von Hochdorf-Assenheim sowie Rödersheim und Gronau. Und auch in Dannstadt-Schauernheim sei es nur ein Teil der Mannschaft, der Probleme macht. Veth spricht von der „Unkameradschaftlichkeit eines gewissen Personenkreises“. Zu Kameradschaftsabenden mit Ehrungen etwa seien alle Wehrleute der Verbandsgemeinde erschienen. „Das ist selbstverständlich“, sagt Veth. Nur die Ortswehr Dannstadt-Schauernheim sei den Veranstaltungen geschlossen fern geblieben. „Das ist schade“, sagt Diehl. Diese Probleme, über die kaum einer reden möchte, gipfelten 2014 in einer Mediationsrunde, Frank Hachemer als Vertreter des Landesfeuerwehrverbands Rheinland-Pfalz trat als Vermittler auf. „Es waren viele, lange Gespräche“, sagt Veth. Danach schien alles besser zu werden, der Frieden hielt jedoch nur kurz. Gestern hat er eine neue Stufe der Eskalation erreicht. „Ich sehe es mit Bedauern, was passiert“, sagt Veth am Freitagabend, nach dem Austausch mit den verbliebenen Kameraden. „Aber wir schaffen einen Neuanfang.“