Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Feiern an der Rialtobrücke: Was beim Gondelfest alles geboten ist

Feiern am Altrhein: Das Gondelfest aus der Luft betrachtet.
Feiern am Altrhein: Das Gondelfest aus der Luft betrachtet.

Das „Venedig am Altrhein“ bleibt eine große Hausnummer, das hat sich auch beim 72. Gondelfest in Bobenheim-Roxheim gezeigt. Mit auf dem Programm stand eine besondere Ehrung. Und es hat sich noch nicht ausgefeiert. Ein Festtag ist noch drin.

Am Altrhein ist gut feiern. Das wusste bereits die Gruppe von Roxheimern, die 1951 das Gondelfest aus der Taufe hob. Das „Venedig am Altrhein“, wie man es später mit Verweis auf die angekauften, original venezianischen Gondeln und die eigens errichtete Rialtobrücke nannte. Sieben Jahrzehnte später ist das Gondelfest noch immer eine große Hausnummer, wie sich auch diesmal wieder zeigt. Allerdings tröpfelten die Besucher diesmal erst nach und nach auf dem Festplatz ein, was beim Auftakt am Freitag vor allem dem Fußball geschuldet war. Am Samstagabend herrschte sofort Hochbetrieb. Durch die Eröffnungszeremonie mit Fassbieranstich führten Bürgermeister Michael Müller (SPD) und sein Erster Beigeordneter Frank Peter (CDU).

Den Originalvertrag von vor 70 Jahren

Höhepunkt des Eröffnungsakts war eine sehr außergewöhnliche Ehrung. Seit 70 Jahren steht die Schaustellerfamilie Schneider aus Bürstadt-Riedrode mit ihren Fahrgeschäften und kulinarischen Angeboten auf dem Gondelfestplatz. Der überraschte Markus Schneider, den man dazu unverhofft auf die Bühne holte, war sichtlich gerührt. Schneider hat am Kassenhäuschen seines Karussells sogar den Originalvertrag mit der Gemeinde Roxheim plakatiert. Ausgestellt vor 70 Jahren vom damaligen Roxheimer Bürgermeister Meinrad Graber, gültig für die Aufstellung einer „Reitschul“ und einer Schiffschaukel. Die Platzgebühr wurde damals noch vom Geschäftsverlauf abhängig gemacht.

Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Hinter den Schaustellern liegt eine harte Zeit. Viele haben die Corona-Jahre mit ihren Totalausfällen im Veranstaltungssektor wirtschaftlich nicht überlebt. Andere brauchten sämtliche Rücklagen auf und überlebten durch familiären Zusammenhalt und gesellschaftliche Solidarität. So auch Markus Schneider und sein Team. „Mittlerweile ist wieder Normalität eingekehrt, aber die Volksfeste müssen auch noch volkstümlich bleiben – vor allem bei den Preisen“, konstatierte Schneider im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Man dürfe die Besucher jetzt nicht durch Überteuerung vergraulen. Schneider hat zum Gondelfest eine ganz besondere Beziehung. Hier hat er vor 31 Jahren seine Frau Silke – „e Dergemer Mädsche“ – kennengelernt.

Kritik und Begeisterung für das Bühnenprogramm

Seinen Abschied als zuständiger Kulturdezernent nimmt heuer der Erste Beigeordneter Frank Peter. Ein Jahrzehnt trug er für das Gondelfest Verantwortung. Eine bewegte Zeit mit viel Auf und Ab, wie er betonte. „Ich denke, dass das Gondelfest auch weiterhin Zukunft hat, wenngleich wir uns mittlerweile an der Budget-Grenze bewegen“, sagte er. Die Finanzausstattung der öffentlichen Haushalte werde immer dünner und die Sparschraube immer kräftiger gedreht. „Ungeachtet dessen hat es mir immer viel Spaß gemacht.“ Ein großes Lob zollte Peter auch Mike Lemke, dem zuständigen Organisator im Rathaus. Lemke war wieder in seinem Element und alles lief wie am Schnürchen. „Hier agiert ein eingespieltes Team, und das merkt man auch“, sagte Lemke selbst.

Für die Bewirtung auf dem Fest sind die örtlichen Vereine zuständig. Hochbetrieb herrschte beim Sportclub, bei den Karnevalisten und beim Würfelclub. Auch wenn es in den sozialen Netzwerken der Gemeinde vereinzelt kritische Stimmen gab: Das Bühnenprogramm kam bei den Besuchern gut an. Mit den „Hot Wine Punchers“ hatte man zum Auftakt ein pfälzisches Kult-Trio verpflichtet, das mittlerweile vom Andechser Bierfest in Haßloch bis zur Kleinkarlbacher Kerwe eine große Fangemeinde hat. Auch in Bobenheim-Roxheim war es Garant für Spaß und Musikgenuss. Einen ganz anderen Hintergrund hat die „Astor Club Band“, die am Samstagabend die Bühne betrat. Eine gereifte Band, die bereits seit 27 Jahren erfolgreich unterwegs ist und ihre Anfänge in der legendären Frankfurter Szene-Bar Astor nahm. Ein Höhepunkt war auch der Auftritt der „Anonyme Giddarischde“, die am Sonntag ein Heimspiel hatten.

Nur spärlich besucht war der sonntägliche Frühschoppen. Dem folgten das Fischerstechen und der Kindernachmittag. Eine gute Resonanz verzeichnete der Gondelfest-Spendenlauf des Sportclubs. Die Teilnehmer konnten dabei zwischen drei Laufstrecken wählen. Der Erlös geht an die Stefan-Morsch-Stiftung zur Unterstützung von Blutkrebs-Patienten. Das 72. Roxheimer Gondelfest geht am Montag in seine letzte Runde. Von 14 bis 18 Uhr gibt es auf dem Festplatz einen Familiennachmittag mit vergünstigten Preisen. Ab 18.30 Uhr folgt Live-Musik mit der Band „MEP“. Für 22.30 Uhr ist das große Feuerwerk über dem Altrhein geplant.

Die vielen Biertische auf dem Gondelfestplatz waren stets gut besetzt
Die vielen Biertische auf dem Gondelfestplatz waren stets gut besetzt
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