Mutterstadt Fasnachtsumzug in Mutterstadt: Ohne Ziege rollt er nicht

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Es sieht anfangs gar nicht gut aus für die Fasnachter in Mutterstadt. Mit Handtüchern müssen am Fasnachtsdienstag Regentropfen von bemalten Gesichtern getupft werden. Doch mit viel Rums und Täterä werden die Wolken letztlich vertrieben. Ahoi, der Zug rollt, wenn schon keine Straßenbahn bis Mutterstadt fährt.

Von Stefanie Brunner

Nass ist es, als sich die 19 Zugnummern des Mutterstadter Umzugs in der Bohligstraße aufstellen – da hilft nur antreibende Musik und warmtanzen. „Es wird aufhören zu regnen“, prophezeit Heribert Magin, Vorsitzender der Mutterstadter Geeßtreiwer. Und er soll recht behalten. Wenige Minuten vor dem Start regnet es schon weniger. Mit drei donnernden „Ahoi!“ wird der Trupp auf die Fasnacht eingeschworen, bevor der Umzug sich mit einem Countdown um 14.11 Uhr in Bewegung setzt.

Mit Rums gehen die Guggemusiker von den Mannheimer Newwelfezza in schwarz-violetten Piratengewändern voran. Ein Marienkäfer, der augenscheinlich gerade erst laufen gelernt hat, tapst auf die Straße, bis seine Cowboy-Mama ihn bei der Hand nimmt. Gerade noch rechtzeitig, denn schon ziehen rote Flugzeuge ihre närrischen Kreise: Bei der SPD „dreht sich alles um Mutterstadt“ – dafür gibt es später bei der Prämierung Platz zwei bei den Fußgruppen. Die CDU fragt sich unter dem Titel „Elias 2.0“, wann es endlich eine Straßenbahn nach Mutterstadt geben wird, das wird mit Platz zwei bei den Wagen prämiert. „2035...2045...oder bleibt es eine Geisterbahn?“ Zumindest auf ihrem Wagen lenkt eine Tram in Richtung Mutterstadter Wasserturm.

Die letzten Regentropfen werden mit dem Handtuch abgetupft

Es fliegen Konfetti, Popcorn und bunte Bälle durch die Luft. Pippi Langstrumpf, ihr Äffchen und ihr Pferd laufen in mehrfacher Ausführung bei der Kita 1 der Protestantischen Kirchengemeinde mit. „Super macht ihr das“, lobt eine erwachsene Pippi die ersten Kamellen-Wurfversuche der kleinsten Mitläufer. Das bringt ihnen Platz eins bei den Fußgruppen ein.

Manche Einfahrt lädt mit Stehtischen zur geselligen Runde ein. An einem solchen Tisch wischt sich eine Dame im Muskeloutfit mit platinblonder Perücke und passendem Schnauzer die letzten Regentropfen mit ihrem Handtuch vom Gesicht. Spätestens als die Karnevalisten vom KV Rheinschanze in mittelalterlichen Gewänden mit ihrer Festung anrollen und Süßes von den Burgmauern werfen, ist das ungünstige Wetter vergessen. „Wir sind die Ritter der Fasnachtsrunde!“, ruft ein besonders bärtiger Edelmann vom Wagen. Kleine Pandas, Raupen, Nachwuchs-Polizisten und Prinzessinnen sammeln die süßen Schätze von der Straße.

Die Marlachfrösche aus Meckenheim warten mit einer Nebelmaschine auf, die ihre Prinzessin Lara I. gut in Szene setzt. Die Tanzschule Nagel macht zu ihrem 30-jährigen Bestehen den Umzugswagen zum Tanzparkett, auf dem zwei Paare gekonnt umherwirbeln – dafür bekommen sie Platz drei bei den Wagenprämierungen. Die Spukgeister aus der Pro Seniore Residenz müssen sich vermutlich in Acht nehmen, denn die Jungs der Jugendfeuerwehr Mutterstadt sind in diesem Jahr als „Ghostbuster“ dabei.

Fair gehandelte Bananen verteilen Lauchstangen

Der Name ist Programm bei der Fairtrade-Gemeinde, fair gehandelte Bananen verteilen unter anderem Lauchstangen an die Zuschauer – und werden mit Platz drei der Fußgruppen geehrt. Platz eins bei den Wagen geht an das „Hexehaisl“ des Pfälzerwald-Vereins, wo neben den Wanderern auch Rotkäppchens Großmutter und der böse Wolf aus dem Fenster schauen. Mit Feten-Hits wie „Humba Täterä“ von Tim Toupet und „Wahnsinn“ von Wolfgang Petry heizen die Geeßtreiwer den Mutterstadtern als Schlussnummer kräftig ein, sie tanzen und singen aus vollem Hals mit. „Die Geeßtreiwer kummen!“, schallt es wie ein Versprechen für gute Laune vom Wagen mit der riesigen Ziege herunter.

„Für die Größe des Orts ist der Umzug wirklich in Ordnung“, sagt eine Anwohnerin, die dem Spektakel regelmäßig beiwohnt. Kaum ist der Zug vorbeigezogen, dreht sie mit ihrer Familie zum Hermann-Belzner-Platz ab, um sich mit Bratwurst, Waffeln und Glühwein zu stärken. Derweil rollen schon die Straßenkehrer an, um die Umzugsstrecke vom Konfetti-Kleid zu befreien – am Aschermittwoch ist schließlich alles vorbei.

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