Mutterstadt
Fasnachtsumzug: Etwa 5000 Narren feiern „uff de Gass’“
„Zickezacke, Zickezacke“, riefen die Geeßtreiwer ihrem närrischen Volk entgegen, und das brüllte willig „Hoi, hoi, hoi“ zurück. Die Fußgruppe des Mutterstadter Karnevalvereins war der Abschluss eines etwas geschrumpften, aber dafür stimmungsmäßig umso fulminanteren Umzugs durch Mutterstadts Hauptstraßen.
Noch vor Beginn um 14.11 Uhr deutete es sich an, die Narren strömten in Scharen in den Ort. Sie schienen ausgehungert zu sein nach dreifachen Ahois, Guggemusik, Ballermann-Hits und Gutsel, denn zwei Jahre hintereinander fiel der traditionelle Umzug der Geeßtreiwer aus. Corona „sei Dank“ (die lasse me nimmie nei) und strengeren Auflagen. „Die sind schuld, dass dieses Jahr keine Kita-Gruppen mitgelaufen sind“, sagte Geeßtreiwer-Chefin Monika Poignée vor dem Umzug, da war ihr die Nervosität noch anzumerken. Doch nach dem Umzug fiel ihr ein Stein vom Herzen: „Wir schätzen, gut 5000 Besucher waren gekommen – und alle, ob Aktive oder Zuschauer, waren so gut drauf und haben toll mitgemacht“, schwärmte sie.
„Die Huddeschnuddler“ quälten ihre Trommeln
Von ihrem Verein waren gut 30 Aktive dabei, insgesamt heizten etwa 100 Karnevalisten mit ihren Kostümen, Tanzeinlagen, närrischen Schlachtrufen und ihrer Musik den Straßenfasnachtern ein. Und auch Petrus meinte es gut mit den Narren, kaum hatte die erste von insgesamt 18 Zugnummern – es waren die Ludwigshafener Guggemusiker „Die Huddeschnuddler“ – die Ortsmitte erreicht, grüßte die Sonne und blieb auch für eine Weile. „Die Huddeschnuddler“ hauten ordentlich auf ihre Trommeln und bliesen kräftig durchs Blech ihrer Trompeten.
Die Ludwigshafener Stadtgarde ließ sich zur Polonaise hinreißen und närrische Hoheiten aus den Nachbargemeinden ließen in ihren märchenhaften Roben Kinder- und so manche Männerherzen höherschlagen. Die Kinder liebten sie aber vor allem wegen des üppigen Gutselregens, den die Damen aus ihren „Kutschen“ niedergehen ließen. Dabei waren unter anderem Jana I. von den Lambsheimer Schlossnarren, Katharina III. vom 1. Karnevalverein Limburgerhof und Patricia I. von den Ruchheimer Schlosshogger. Letztere hatte einen Party-Anhänger dabei, von dem Hits wie „Cordula Grün“ oder das „Rote Pferd“ wummerten.
Straßenfasnacht auf dem rappelvollen Messplatz
Überhaupt hatten alle Prinzessinnen einen beeindruckenden Garde-Staat im Schlepptau. Aber auch die kleinen Wagen hatte ihre Fans, etwa der Jugendfeuerwehr Mutterstadt oder die Rikscha des Rikscha-Services der Bürgerstiftung Mutterstadt, deren Motto war: „Hogge un gugge! Wan du net laafe kanscht!“ Und natürlich dufte der Mutterstadter Lothar Distler nicht fehlen.
Er hatte dieses Jahr schwer zu ziehen: Der Muttertstadter Wasserturm und der neue Bürgermeister Thorsten Leva (dargestellt ganz locker, mit offenem Hemd) hatte er auf seinen Wagen geladen, darauf der Spruch: „Isch bin de Thorsten unn regier’, heit gibt’s kää Wasser, sondern Bier!“ Damit holte er auch Platz eins beim Wettbewerb der schönsten Wagen. Die beste Fußgruppe stellte der Pfälzerwald-Verein – verkleidet waren die Mitglieder als das, was es so im Wald gibt – vom Früchtchen bis zum Zwerg.
Ziel des närrischen Lindwurms waren der Platz vor dem Palatinum und der angrenzende Messplatz. Das Areal füllte sich schnell mit Tausenden von Narren, die noch bis in den Abend Straßenfastnacht feierten. Dort konnten sie sich an etlichen Buden stärken und ihren Durst löschen. Und die kleinen Marienkäfer, Dinos, Engelchen oder Spidermans drehten derweil im Karussell ihre Runden.