Waldsee / Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Fasnachtsumzüge: Medersche ist zurück, Waldsee bleibt dran

Umzug in Waldsee: Der Karnevalverein wagte das Comeback nach Corona trotz strenger gewordener Auflagen schon 2023.
Umzug in Waldsee: Der Karnevalverein wagte das Comeback nach Corona trotz strenger gewordener Auflagen schon 2023.

Dieses Jahr haben Fasnachter im Speyerer Umland am Dienstag die Auswahl. Nicht nur in Waldsee, auch in Mechtersheim gibt es einen Umzug.

45 Zugnummern kündigt André Netter, Kopf des Umzugs- und Bühnenbauausschusses des KV Uno Waldsee, an – weniger als im vergangenen Jahr. „Das liegt daran, dass es damals nicht so viele Umzüge gab“, erklärt er. 2023 wurden bekanntlich viele Fasnachtsumzüge vor allem wegen der strengen Sicherheitsauflagen abgesagt. Mittlerweile haben sich die Veranstalter zwar besser darauf eingestellt, aber manches wird anders sein: „Die einzigen außer uns, die noch einen Wagen bauen, sind die aktiven Handballer“, berichtet Netter. Der Grund: Die Bestimmungen wurden für 2024 noch mal verschärft. Ausschussmitglied Matthias Erbach dröselt auf: „Jeder Anhänger braucht eine Betriebserlaubnis. Das gleiche gilt für alle Fahrzeuge. Unser Dilemma in diesem Jahr war, dass wir alles nachrüsten mussten.“

Im Oktober fingen die Ehrenamtlichen damit an, sich in Richtung Vollgutachten vom Tüv vorzuarbeiten. Narrenschiff, Kassenrolle, Prinzessinnenwagen – überall gab’s Bedarf. Auch fürs Brauchtumsgutachten, das ebenfalls nötig ist. 100 Euro musste die Uno dafür jeweils hinlegen. Der Schein müsse jährlich erneuert werden, sagt Erbach. Dann kostet er „nur“ noch die Hälfte. Ein Vollgutachten wird mit 200 Euro berechnet.

Glück für die Uno: Ein Merkblatt, auf dem die wichtigsten Komponenten für einen sicheren Umzug zusammengestellt sind, gibt’s bereits seit 15 Jahren. „Das hat uns viel erspart, weil wir bisher schon von selbst auf etliches geachtet haben“, betont Erbach. So wird es vom Verein wieder die drei Motivwagen geben, kündigt Netter an. Die „Generation Z“, die Ampelregierung und Altrip stehen im Fokus.

Nachdem die Saal-Deko für die Prunksitzungen erledigt war, machte sich ein gut 20-köpfiges Team im Januar an den Wagenbau in der Narrhalla. „Dieses Jahr waren wir sehr gut im Zeitplan“, stellt Netter fest. Die Anmeldungen zum Umzug ließen nicht lange auf sich warten. „Viele fragen sogar schon etliche Wochen früher an, ab wann die Bewerbung möglich ist“, freut sich Netter über gleichbleibend gute Resonanz.

Obgleich das Gros der Mitwirkenden aus der Verbandsgemeinde Rheinauen stammt – beispielsweise die TG, der MGV Eintracht, der ASV oder die Segelgemeinschaft – gibt es auch Mitlaufende von außerhalb. Mit dem CV Rheinfunken, dem KC Otterstadt und der KG Schlotte sind befreundeter Karnevalvereine aus dem Rhein-Pfalz-Kreis dabei. Eine weitere Anreise haben die Bargener Krappen, eine Hexengruppierung aus Baden. „Ich bin froh, dass sie zum zweiten Mal dabei sind. Die typische Verkleidung mit Holzmasken fand ich schon immer gut“, sagt Netter. Die örtliche Guggemusik „Waldsemer Gasserassler“ findet in den Wildsaufetzern aus dem Donnersbergkreis eine Ergänzung. Ausgeschieden sei die TG1, die Gruppe der „alten Handballer“.

Drei Versorgungsstationen wird entlang der Strecke durch Ludwig- und Kanalstraße geben: am Schwanenplatz, am Alten Rathaus und am Partnerschaftsplatz. Die Neuhofener Straße wird zur Aufstellung am Dienstag ab 11 Uhr gesperrt, die Ortsdurchfahrt zwischen 12.30 und zirka 19 Uhr. Um 13.33 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. An der Kulturhalle löst er sich auf. Im Anschluss ist Party in der Kulturhalle statt.

Umzug in Mechtersheim: Ein Bild von 2020. Damals fand die traditionsreiche Veranstaltung zum bislang letzten Mal statt.
Umzug in Mechtersheim: Ein Bild von 2020. Damals fand die traditionsreiche Veranstaltung zum bislang letzten Mal statt.

Neuer Anlauf gelingt

Nah am Kollaps war der Vorsitzende des Ortskartells Mechtersheim, Markus Weis, wegen des Pflichtprogramms, das nötig war, um grünes Licht für den Umzug zu bekommen. „Es war verdammt schwierig“, sagt er, „vor allem für die Umzugsteilnehmer.“ Nach drei Jahren Pause – zweimal wegen Corona, einmal wegen nicht leistbarer Vorgaben – gab es 2024 einen neuen Anlauf.

Das Vollgutachten des Tüv traf auch die „Mederscher“ Beteiligten. „Nur, um einmal im Jahr beim Umzug mitzulaufen, ist das gerade kleineren Vereinen zu viel“, sagt der OK-Chef. Lange habe er selbst nicht gewusst, wo das Ganze hinläuft. Wichtig ist Weis, verkünden zu können: „Wir kriegen einen Umzug zusammen.“ Bei 25 bis 30 Zugnummern pendelte sich die Sache irgendwann ein. „Spontane Nachmeldungen werden angenommen“, sagt Weis. Weiterer Anreiz: Zum ersten Mal soll die schönste Fußgruppe prämiert werden. Die Unterstützung der Altbewährten ist da: Die Speyerer Karnevalgesellschaft als Patenverein und die Fasnachtsfreunde aus Lustadt sind dabei. „Die Besucher dürfen sich auf einen stimmungsvollen und unterhaltsamen Umzug freuen“, ist Weis sicher.

Durch Schwegenheimer und Mechtersheimer Straße, Sand- und Friedensstraße sowie die Holzgasse schlängelt sich der Lindwurm. Ab 13 Uhr ist die Ortsdurchfahrt gesperrt. Aufstellung des Zuges ist im Schwarzwaldweg. Der Startschuss fällt am Dienstag um 14.11 Uhr. Wenn der Umzug zweimal seine Runde durchs Dorf gedreht hat und die kostümierten Menschen die Vereinsheime zum Weiterfeiern aufsuchen, wird der Druck der vergangenen Wochen ebenso vergessen sein wie der große Arbeitsaufwand: das Stellen von über 200 Straßenschildern und des Überfahrschutzes durch den Bauhof oder das Werben um den Kauf von Umzugsbuttons.

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