Rhein-Pfalz Kreis Farbenprächtiger Schnellflieger

Scheinen gern für Fotografen zu posieren: drei Bienenfresser aus der Sandgrube Leidig zwischen Lambsheim und Gerolsheim.
Scheinen gern für Fotografen zu posieren: drei Bienenfresser aus der Sandgrube Leidig zwischen Lambsheim und Gerolsheim.

«Lambsheim.» Braun, gelb, orange und türkis leuchtet das Gefieder des Bienenfressers, der zu den farbenprächtigsten Zugvögeln Europas zählt. Wo er brütet, lockt er Schaulustige in Scharen an. So wie an der Brutwand bei Lambsheim, welche zur Heimat der vermutlich zweitgrößten Bienenfresserkolonie in Rheinland-Pfalz geworden ist.

Die amselgroßen Schnellflieger, die so bunt sind wie Papageien, haben einen Ornithologen-Tourismus ausgelöst. Zwischen Lambsheim, Gerolsheim und Heßheim liegt das Grubengebiet von Erdbau Leidig, in dem der Naturschutzbund (Nabu) einen Beobachtungsstand gebaut hat. Die Wegbeschreibung steht im Internet auf der Seite nabu-frankenthal.de. „Wir könnten dort glatt einen Nummernautomaten aufstellen, so viele Schaulustige kommen her“, berichtet der Pressesprecher der Frankenthaler Nabu-Gruppe, Jörn Weiß. Im Vorjahr hatte dort die mit 63 Brutpaaren größte Bienenfresserkolonie des Landes gebrütet. „Die Leute sind kreuz und quer herumgelaufen und haben die Tiere gestört“, erinnert sich Weiß. Mit dem Beobachtungsstand habe man den Tourismus kanalisiert und für die Besucher eine besondere Möglichkeit geboten, den Exoten nahe zu kommen. Für ein Naturerlebnis, das sich mit den Bienenfressern verträgt, hatte der Nabu im März Teile eines Sandwalls abgetragen und an dieser Stelle ein Holzhäuschen in die Landschaft integriert. Die Nordwand fehlt, sie ist der Eingang. An der Südwand befinden sich Sehschlitze, durch die man die nahe Grubenwand sieht und fotografieren kann. Im Mai kehrten die Exoten von ihrem Winterquartier nach Deutschland zurück. Hier ist es seit einigen Jahren recht warm, weshalb die bunten Vögel aus der Familie der Spinte bundesweit auf dem Vormarsch sind. Eigentlich sind sie im südöstlichen Europa, in Spanien und im nördlichen Afrika sowie im westlichen Asien bis zum Altaigebirge zu Hause. Lediglich mit Hilfe von Schnabel und Krallen haben die Vögel eineinhalb Meter tiefe Brutröhren mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern in die Gerolsheimer Sandwand gegraben. Die Jungvögel – fünf bis sieben kleine Piepser pro Röhre – sind mittlerweile geschlüpft und werden von den Eltern fleißig gefüttert. „Der Name Bienenfresser ist nicht Programm“, sagt Jörn Weiß, der im Nabu Frankenthal die Arbeitsgruppe Bienenfresser leitet. Auf dem Speiseplan der Vögel stünden in erster Linie Libellen, Wespen und Hummeln, „erst danach kommen die Bienen“. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass Bienenfresser ihre Beute mit dem kräftigen langen Schnabel durchkneten, um die Giftdrüsen der Stachel zu entleeren, bevor sie sie verzehren. Auch Weiß hat das beobachtet. Doch anscheinend nehmen Bienenfresser gelegentlich mit den Insekten auch deren Gift auf, sagt er, denn: „Jüngere wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass dieser Vogel im Vergleich mit anderen Vögeln auffallend parasitenarm ist – vermutlich wegen der Insektengifte.“ Seit fast zwei Jahrzehnten interessiert sich Weiß besonders für die Bienenfresser. „Obwohl sie so bunt sind, verschmelzen sie mit der Umgebung, wenn sie auf Bäumen sitzen“, sagt er fasziniert. „Man hört sie, bevor man sie sieht.“ Beeindruckt ist er vom sozialen Verhalten: „Sie stehen füreinander ein. Altvögel ohne Partner oder Paare ohne erfolgreiche Brut betreuen den Nachwuchs in den anderen Röhren mit.“ „Ich schätze die Kolonie aktuell auf 35 Brutpaare, die Kolonie in Ingelheim bei der Firma Boehringer wird etwas größer sein“, meint Weiß. Bei den jährlichen Rankings gehe es aber nicht um Wettbewerbe. „Den Leuten soll bewusst sein, dass sie etwas Besonderes vor der Haustür haben, das man schützen sollte.“ Bei Dirmstein gebe es eine ganz neue Kolonie mit Bienenfressern, sagt Weiß. Mehr will er dazu nicht sagen, denn es seien vorerst nur drei Paare. „So eine kleine Kolonie ist sehr störungsanfällig, man kann sie schnell vertreiben.“ Serie In unserer Serie „Hergezwitschert“ stellen wir interessante Vogelarten vor, die man mit Glück und Geduld in der Region antreffen kann.

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