Rhein-Pfalz Kreis Fairer Handel gegen Klimawandel

Schifferstadt. Ein indisch-schifferstädtisches Lied auf der Campanula und Fair-Trade-Chips hat es zur Eröffnung der fairen Wochen am Montag im Schifferstadter Rathaus gegeben. Mit auf den Weg gab es von den Veranstaltern eine dringende Warnung vor den Folgen des Klimawandels. Außerdem wurde das Pfarrfest von St. Jakobus für seine Nachhaltigkeit und für Fair Trade ausgezeichnet.
Im Mai erhielt Schifferstadt die Auszeichnung als „Fair-Trade-Stadt“. Dass sie diesen Titel zurecht trägt, sollen jetzt die fairen Wochen zeigen. Das Motto: „Ich bin fairer Handel“. Dazu gibt es im Rathausfoyer eine Ausstellung. Jeder Einzelne könne durch sein Konsumverhalten zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit beitragen, sagte Ann-Marie Schlutz, Fachpromoterin für Umwelt und Entwicklung vom Entwicklungspolitischen Netzwerk Rheinland-Pfalz. „Was braucht man wirklich? Wo kommen die Sachen her? Wie werden sie produziert?“, nannte sie Denkanstöße – auch für Kommunen. Die Zahlen, die sie vortrug, machten nachdenklich. Die OECD-Länder, zu denen auch Deutschland gehört, machen 18 Prozent der Weltbevölkerung aus und produzieren zehn Tonnen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß pro Kopf und Jahr. „Verkraftbar wären zwei Tonnen.“ Asien dagegen (53 Prozent der Weltbevölkerung) bringe es auf 1,5 Tonnen pro Kopf und Jahr – ausgenommen China. Afrika (18 Prozent der Weltbevölkerung) auf 0,9 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Deutschland liegt mit insgesamt 47 Megatonnen im Jahr 2011 weltweit an der Spitze. Der Klimawandel ist längst angekommen, vor allem in den ärmeren Regionen der Welt, die von anhaltender Dürre, Überschwemmungen und Erosionen geplagt werden, sagte Schlutz. Wenn das Zwei-Grad-Ziel, also nicht mehr als zwei Grad Celsius Temperaturanstieg, nicht erreicht werde, schmelze das permanente Eis, steige der Meeresspiegel bis zu sieben Metern an. Damit versinke viel Land im Meer. Land, das man dringend für die Landwirtschaft bräuchte – das machten die Veranstalter der Ausstellung deutlich. Und sie wollen den Besuchern noch mehr mitteilen: Nur 30 Prozent Land weise die Erdoberfläche auf. Davon könne nur ein Drittel landwirtschaftlich genutzt werden. 80 Prozent dieses Drittels werde bereits für die Landwirtschaft verwendet. Von den 2,5 Millionen Tonnen Getreide, das produziert werde, gingen aber nur 46 Prozent an die Lebensmittelherstellung, 34 Prozent würden für Tierfutter gebraucht, 20 Prozent für Agrartreibstoffe. Mit Blick auf die Weltbevölkerung stelle das ein Verteilungsproblem dar. Was tun? Weniger Fleischkonsum würde sich beispielsweise auf die gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel auswirken, außerdem Treibstoffe einsparen und die regionale Wirtschaft fördern. Für ihr Pfarrfest als Aktion der Kampagne „Gutes Leben für alle“, die Nachhaltigkeit und Fair Trade schon lange hochhält, ist die katholische Pfarrei St. Jakobus ausgezeichnet worden. „Vom Bistum gab es einen Kriterienkatalog. Wir stellten fest: 80 bis 90 Prozent erfüllen wir schon“, sagt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Roman Sturm. „Unsere Frauengemeinschaft hat den fair gehandelten Kaffee schon früh angeboten.“ (udn)