WALDSEE RHEINPFALZ Plus Artikel Fünf Tipps gegen Pandemie-Stress

FFP2-Maske: Die Pandemie belastet viele Menschen auch psychisch.
FFP2-Maske: Die Pandemie belastet viele Menschen auch psychisch.
Julia Grenz
Julia Grenz

Das Coronavirus dominiert die Berichterstattung in den Medien. Einer Medizinerin aus Waldsee kommt zu kurz, was die Menschen in dieser psychisch belastenden Zeit eigentlich für ihre Gesundheit tun können. In der RHEINPFALZ gibt sie einige Tipps.

Julia Grenz ist eigentlich Tierärztin, hat aber ihr Behandlungsspektrum vor einigen Jahren erweitert und arbeitet nun zusätzlich als Heilpraktikerin und Coach. Ihr Schwerpunkt sind die Stressmedizin und Erschöpfungssyndrome sowie allgemein im Alltag belastende Themen. „Bei Angst schaltet der Körper in den Kampf- oder Flucht-Modus“, erklärt sie, wie Emotionen, die uns in der Pandemie begleiten und das Denken beeinflussen. Schwarz-weiß-Denken, erhöhter Aggressivität, Kompromisslosigkeit und Empathielosigkeit träten an die Stelle harmonischen Miteinanders.

Grenz’ erster Tipp deshalb: „Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ihre Mitmenschen vielleicht so ganz anders reagieren, wie Sie es sonst von ihnen kennen.“ Es laufe einfach „ein anderes Programm“ als sonst, das wiederum stark von Erfahrungen, die der Mensch in jungem Lebensalter gemacht hat, beeinflusst wird. „Spüren Sie also in sich hinein – was ist es genau, das Sie aktuell belastet und versuchen Sie, dies so sachlich und genau zu kommunizieren. Und durch Selbstreflexion und Bewusstwerdung vielleicht überschießenden eigenen Verhaltensweisen gegenzusteuern“, rät die Waldseerin. Um seine eigene emotionale Lage zu verbessern, hat sie einige konkrete Tipps, die wir hier wiedergeben:

Kommunikation verbessern: Bei „gewaltfreier“ Kommunikation geht es darum, dass die zwischenmenschliche Beziehung nicht durch verletzende Kommentare negativ beeinflusst wird. Basis dafür bildet das objektive Schildern einer Situation und die sachliche Kommunikation der eigenen Bedürfnisse. Ein Beispiel für die Pandemie wäre: Anstatt „Nie trägst du eine Maske, du bist ignorant, ich habe keine Lust auf Leute, die sich so unsozial benehmen“ könnte das dann so klingen: „Mir ist aufgefallen, dass du keine Maske trägst und du auch wenig Abstand hältst, wenn wir uns treffen. Mich stresst und ängstigt das, da ich mir Gedanken um eine eventuelle Ansteckung mache. Vielleicht sind wir da unterschiedlicher Meinung, was okay ist, doch da mir unsere Treffen wichtig sind, wäre es schön, wenn wir da einen Weg finden, der uns beiden gerecht wird.“ Auch Fremden gegenüber – zum Beispiel an der Kasse – kann ein zusätzliches nettes Wort, ein Scherz oder ein Kompliment nicht nur beim Empfänger, sondern auch beim Sender ein positives Gefühl erzeugen.

Auf Körperhaltung achten: Wie wir uns innerlich fühlen, zeigt sich häufig in der Körperhaltung, in unseren Bewegungen, unserer Stimme. Dies kann man sich auch umgekehrt zunutze machen, um neue Gefühlszustände zu „erlernen“. Probieren Sie es selbst: Denken Sie an eine Situation, die Sie stresst. Welche Körperhaltung passt dazu? Ist der Körper zusammengesunken, gebeugt, oder groß und aufgerichtet? Sprechen Sie dabei das aus, was sie beschäftigt. „Ich habe Angst, mich bei der Arbeit wieder zu streiten wegen Corona“. Nun gehen Sie genau in die gegenteilige Körperhaltung als zuvor. In dieser neuen Haltung können Sie nun das, was Sie anstreben, formulieren. Zum Beispiel: „Ich kann gelassen und ruhig meinen Standpunkt vertreten, ich spüre meine Mitte und erlaube mir, sachlich Grenzen zu setzen.“

Versuchen, das Gute zu sehen: Im Leben geschehen immer wieder Dinge, die uns so gar nicht passen. Doch ist es nicht manchmal so, dass Situationen, die zuerst sehr nachteilig und ärgerlich erscheinen, im Nachhinein doch etwas Gutes haben? Es geht bei diesem Perspektivwechsel nicht darum, schlimme Dinge schönzureden. Doch wir können die Situation sowieso nicht mehr ändern. Höchstens das Beste daraus machen. Daher – vielleicht gelingt es dennoch, einen Aspekt zu entdecken, der sich anderweitig nicht aufgetan hätte. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, sich beruflich umzuorientieren? Nun im Lockdown mehr Zeit mit der Familie zu verbringen? Manche Menschen schildern, dass ihnen der etwas weniger gefüllte Freizeitkalender eine Ruhe bietet, die sie sich nie als angenehm hätten vorstellen können.

Eine Aufgabe finden, Neues ausprobieren: Es ist in vielen Studien bewiesen, dass Menschen glücklicher sind und werden, wenn sie eine Aufgabe haben – im Idealfall eine allgemeinnützige. Helfen und allgemeines Miteinander verbindet und macht glücklich. Viele Leute haben zu Beginn der Pandemie für ältere Mitmenschen das Einkaufen übernommen, jetzt engagieren sich viele in Testzentren. Seien sie offen auch für ganz neue Dinge, die sie noch nie getan haben, sie werden sehen – das fühlt sich gut an. Neue Dinge tun und erleben erweitert unseren Horizont, unser Erfahrungsspektrum, unsere Komfortzone und macht uns generell flexibler. Gesundheit ist etwas, das wir durch Lebensstil und Geisteshaltung sehr beeinflussen können.

Adressieren von persönlichen Themen und Traumata: Oft begleiten uns bestimmte Themen und wiederkehrende Situationen für eine lange Zeit. Grundlage dafür sind Erfahrungen aus unserer Kindheit, die unsrer Verhalten und unsere Sicht auf die Welt prägen. Einige Themen sind mit Schmerz und Angst verbunden, weshalb wir sie verdrängen. Vielleicht ist aktuell eine gute Zeit, sich eigenen Themen zuzuwenden. Dabei ist es sinnvoll, sich Hilfe zu holen. Dies ist keine Schwäche, sondern ein Schritt, der die eigene Lebensqualität enorm verbessern kann.

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