Rhein-Pfalz Kreis Exoten im Wald

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Ludwigshafen

. Thomas Dolich kennt fast jeden Ziegenmelker im Rhein-Pfalz-Kreis – zwar nicht mit Namen, aber er weiß, wo sie wohnen. Wir stehen im Wald, doch Dolich hat den Plan. Auf einer Karte hat er die Standorte der Ziegenmelker vermerkt. Hier, nahe Dudenhofen, gibt es einige. Der seltene Vogel wird von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz beobachtet. Dolich gehört zum Arbeitskreis Ziegenmelker und sieht im Rhein-Pfalz-Kreis nach dem Vogel mit dem seltsamen Namen. Plinius der Ältere, ein römischer Gelehrter des ersten Jahrhunderts, nannte den Vogel so in seinem Werk zur Naturgeschichte. Er berichtet auch, der Vogel setze sich nachts unter die Euter der Ziegen und zutzle sich daran satt. „Die spinnen, die Römer“, meint Förster Driedger. Doch Dolich hat eine Erklärung: Über zusätzliche Kiefergelenke könne der Ziegenmelker unglaublich die Klappe aufreißen. Das hilft ihm, des Nachts fliegende Insekten wie mit einem Kescher zu fangen. Selten geworden ist der Vogel also nicht, weil es zu wenige Ziegen gibt. „Paradoxerweise ist es der naturnahe Waldbau, der dem Vogel den Lebensraum nimmt“, erklärt der Förster. Und Dolich ergänzt: „Der Ziegenmelker liebt trockene Kiefernwälder, deren Boden möglichst wenig Vegetation, aber viel Licht hat.“ Etwa vier Quadratmeter freie Fläche braucht der Bodenbrüter um sein Nest herum. Doch zum Leidwesen des Vogels sind Kiefern-Monokulturen völlig aus der Mode gekommen. Angesagt ist Mischwald, der sich von selbst verjüngt und deshalb viel Unterholz hat. Kahlschläge und Schneisen sind verpönt. Doch im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es noch Stellen, wo man nach dem Krieg Kiefern gepflanzt hat und Flächen mit breiten Wegen und sandigen Böden. Nördlich von Dudenhofen im Waldstück Kuhbrunnen leben einige Ziegenmelker. Geortet werden sie mit den Ohren. Vogelschützer wie Dolich schleichen in der Abenddämmerung durch die Reviere und lauschen. Der Ziegenmelker zwitschert allerdings keine Opernarien. Mit seinem monotonen Schnurren klingt er eher wie eine brummelige Heuschrecke. Vielleicht liegt es daran, dass er die Nächte durchmacht und Fluginsekten jagt. Ziegenmelker gibt es auch in den Wäldern von Böhl-Iggelheim, Maxdorf und Birkenheide. Im Europäischen Vogelschutzgebiet zwischen Speyer und Neustadt haben die Vogelschützer 94 Paare gezählt. Mit statistischen 1,6 Paaren pro Quadratkilometer sei das ein guter Bestand, sagt Dolich. Landesweit gebe es 250 bis 300 Paare. Weiter geht die Expedition ins Tierreich im Schifferstadter Wald, wo in einem Tümpel die Gelbbauchunke lebt. Naturschützer haben hier in den 90er-Jahren einen alten Bombentrichter zum Amphibientümpel ausgebaut. Wird die Gelbbauchunke angegriffen, rollt sie sich auf den Rücken und hofft, dass der Angreifer ihre knallgelbe Unterseite so geschmacklos findet, dass er sie in Ruhe lässt. Eingereist ist die Unke vermutlich als blinder Passagier am Fahrgestell von Reiher Air, also als Laich an den Füßen von Reihern und anderen wasserfreundlichen Vögeln. „Die Gelbbauchunke ist ein Verlierer der Rheinbegradigung“, erklärt Driedger. Vor diesem Eingriff in die Landschaft habe der Rhein regelmäßig Wiesen und Felder überschwemmt. Die zurückbleibenden Pfützen und Tümpel blieben frei von Fischen und wurden schnell in der Sonne warm – diese Bedingungen braucht die Unke, um sich dort zu entwickeln. Heute ist sie weitgehend heimatlos. Am ehesten findet man sie noch in alten Spuren, die Traktoren auf nassen Wiesen und Äckern hinterlassen und in denen Wasser stehenbleibt. Sie hat keine Schallblasen, und man hört nur ein dezentes „uh-uh-uh“, mit dem die Männchen zur Paarung rufen. Die Gelbbauchunke steht in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf der Roten Liste bedrohter Arten und gilt als stark gefährdet. Der Heldbock kommt wenig rum im Leben. Er ist – der Name könnte in die Irre führen – ein Käfer. Ein großer Käfer. Einer der größten im Land. Mit seinen oft über fünf Zentimetern Körperlänge kann er nicht gut fliegen. Gut zu Fuß ist er auch nicht, trotz seiner sechs Beine. Also bleibt er meist zu Hause – und das sind in seinem Fall vor allem alte Eichen. Der Heldbock ist kein Dünnbrettbohrer: Nachdem aus den Eiern unter der Rinde Larven geschlüpft sind, fressen sie sich nach und nach immer tiefer in den Stamm, wo sie nach drei Jahren bis ins Kernholz vorgedrungen sind, wo sie noch zwei Jahre bleiben. Diese Lebensweise führte in der Vergangenheit zu erheblichen Missverständnissen mit Förstern. „Der Heldbock wurde als Schädling angesehen, der Bäume kaputt macht“, erklärt Förster Driedger. Tatsächlich lebt der Heldbock aber oft über viele Generationen an derselben Eiche. Er ist eher Mitesser als Mörder, auch wenn langfristig der Baum auf dem absteigenden Ast ist. Ganz gesunde Bäume können sich übrigens verteidigen: „Der Baum lässt so viel Saft fließen, dass ein Eindringling buchstäblich ersäuft“, erklärt Driedger. Nur zwei Monate lebt der Heldbock als Käfer, er paart sich und legt Eier ab, meist auf demselben Baum. Heldböcke brauchen Stieleichen, und die werden für ihn ab einem Alter von etwa 100 Jahren interessant. Und die Bäume müssen auch genug Sonne bekommen. Bei der früheren Mittelwald-Wirtschaft konnten sich Eichen gut entwickeln, weil das Unterholz regelmäßig entfernt wurde und das Oberholz aus Lichtbäumen sich gut entwickeln konnte. Die naturnahe Waldwirtschaft macht es für Eichen sehr schwer, sich zu entfalten. Deshalb ist der Lebensraum des Heldbocks sehr knapp geworden. Aber es gibt ihn noch: im Neuhofener und Rheingönheimer Wald sowie im Heyl’schen Wäldchen bei Bobenheim-Roxheim.

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