Rhein-Pfalz Kreis „Es ist noch keiner abhanden gekommen“

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SCHIFFERSTADT. Wo sonst Formel-Eins-Wagen rasen, rennen beim BASF Firmencup eine Menge Menschen auf Schusters Rappen: Gut 17.000 Läufer aus 780 Firmen der Region werden heute im Hockenheimer Motodrom erwartet. Dabei sind sieben Gefangene aus der Jugendstrafanstalt (JSA) Schifferstadt, die sich durch gute Führung ausgezeichnet haben. Sie haben hart trainiert und bilden mit vier Betreuern ein Team. Bevor der Startschuss fällt, haben wir uns mit dem Leiter der JSA-Sportabteilung, Simon Kaiser, über „schwere Jungs“, Haftziele und das Ausbüxen unterhalten.

Herr Kaiser, stimmt es, dass in der JSA Schifferstadt richtig „schwere Jungs“ sitzen?

So pauschal kann man das nicht sagen. Richtig ist, dass jugendliche Ersttäter nicht gleich ins Gefängnis kommen, solange sie kein schweres Verbrechen begangen haben. Meist müssen solche Täter Sozialstunden leisten, oder werden mit Jugendarrest bestraft. Kommen aber mehrfach Taten zusammen, oder verstoßen die Jugendlichen gegen Auflagen, kann sich das so aufsummieren, dass sie in die Jugendstrafanstalt müssen. Haben Sie nicht Angst, dass Ihnen Gefangene einfach davonrennen, wenn die bei einem Wettlauf mitmachen? Das sind alles Gefangene, die sich durch besonders gute Führung bewährt haben und die schon Vollzugslockerungen haben. Und das wollen die Jungs auch nicht aufs Spiel setzen. Wenn das im Zweifel stünde, dürften sie auch nicht raus. Was bedeutet „besonders gute Führung“? Das heißt, die Gefangenen haben sich bisher an alle Auflagen und Regeln gehalten und mit den Betreuern, Lehrern und Therapeuten in unserer Anstalt gut zusammengearbeitet. So entsteht ein Vertrauensverhältnis, aus dem schrittweise Vollzugslockerungen folgen. Die Entscheidung trifft in jedem einzelnen Fall das Team der JSA in einer gemeinsamen Konferenz. Warum gibt es diese Hafterleichterungen? Das oberste Ziel des Vollzugs ist es, die Gefangenen so auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten, dass sie keine Straftaten mehr begehen. Würde man die jungen Leute einfach nur einsperren, hätten sie keine Chance, sich zum Positiven zu verändern. Deshalb bietet die JSA viele Möglichkeiten, Bildung und Ausbildung nachzuholen, sozialen Umgang und gewaltfreie Konfliktlösungen zu lernen. Zum Lernen gehört auch, schrittweise mehr Freiheiten zu bekommen und dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Zu diesem Angebot gehört auch Sport? Sport ist da ein ganz wichtiger Teil und wir haben ein großes Angebot. Das reicht von Mannschaftssportarten wie Fußball und Volleyball bis hin zum Individualsport, wie Leichtathletik. Und wir sind womöglich die einzige Jugendstrafanstalt, die Fußball-Golf anbietet. Was ist das? Die Regeln sind wie beim Golf, nur wird eben ein Fußball gekickt. Und die Löcher sind größer. Die Jungs haben da viel Spaß. Nehmen die Gefangenen öfter an Sportereignissen teil? Wenn sie die Voraussetzungen erfüllen, sich bewährt haben und in der entsprechenden Disziplin fit sind, können sie teilnehmen. Bringt sie das dem Vollzugsziel näher? Ja, denn ihre sozialen Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein werden dadurch gestärkt. Und sie lernen, dass es Spaß macht, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Sind Ihnen schon Gefangene ausgebüxt? In Schifferstadt bin ich seit einem Jahr und da ist keiner abhanden gekommen. In Wiesbaden, wo ich vorher drei Jahre gearbeitet habe, auch nicht.

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