Rhein-Pfalz Kreis „Es darf auch utopisch werden“

Noch ein Altenheim? Ein Seniorentreff? Oder lieber etwas ganz anderes? Was brauchen die Limburgerhofer Senioren in zehn, 20 Jahren? Dieser Frage sollen die Bürger bei einer Veranstaltung im Kultursaal mit dem Titel „Gut leben im Alter – Was brauchen wir dafür in Limburgerhof?“ nachgehen. Im Interview erklärt die zuständige Beigeordnete Rosemarie Patzelt (FWG), wo sie ansetzen will und wann die Veranstaltung ein Erfolg wäre.
(lacht) Stimmt, es ist schon viel da. Aber es geht ja nicht nur darum, was die Senioren im Moment haben. Wir müssen auch an die Zukunft denken. Die Bedürfnisse der Senioren in zehn bis 20 Jahren werden andere sein als heutzutage. Man soll die Veranstaltung auch nicht nur mit dem Thema Pflege verbinden. Was fehlt denn zum Beispiel noch? Ich denke da etwa an einen Hol- und Bringservice, vielleicht einen Bürgerbus wie in Maxdorf oder Böhl-Iggelheim, oder Barrierefreiheit. Treffpunkte im kulturellen Bereich sind wichtig. Eine Zusammenarbeit mit der Gemeindebücherei. Auch das Thema Demenz wird uns in Zukunft vermehrt beschäftigen. Da geht es um entsprechende Wohngruppen, aber auch darum, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. An wen richtet sich die Veranstaltung? Die Zielgruppe? Alle, die sich dafür interessieren, wie ein selbstbestimmtes Leben im Alter aussehen kann. Aber auch junge Familien, die wissen wollen, welche Hilfen es vor Ort gibt, wenn die Eltern Unterstützung brauchen. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Wo wollen Sie ansetzen? Das soll bei dem Workshop erarbeitet werden. Dieser ist in drei Phasen gegliedert. Wir machen zuerst eine Bestandsaufnahme. Was läuft gut? Wo sind Defizite? Danach tragen wir die Wünsche zusammen. Da darf’s gerne auch utopisch werden. Danach geht’s um die Verwirklichung, um konkrete Projektvorschläge. Und dann sollen die Teilnehmer auch zur Realisierung beitragen. Dabei helfen soll ein Arbeitskreis Demografie, der sich aus der Veranstaltung heraus entwickeln soll. Den wollen wir langfristig etablieren. Der Referent, den Sie engagiert haben, kommt von der Servicestelle für Kommunale Pflegestrukturplanung und Sozialraumentwicklung in Mainz. Da könnte man auf die Idee kommen, dass noch ein Altenheim im Ort entstehen soll. Stimmt, klingt so, ist aber nicht so. Die Servicestelle hat viele Facetten. Und Referent Thomas Pfundstein kennt den Kreis und die Menschen. Er kann zum Beispiel helfen, wenn es um Zuschüsse bei bestimmten Projekten geht. Es geht auch um die Entwicklung einer kommunalen Infrastruktur für Senioren. Neuhofen und Mutterstadt liegen ja in direkter Nachbarschaft. Können Sie sich auch eine Kooperation mit anderen Gemeinden vorstellen? Vielleicht beim Thema Bürgerbus? Möglich ist natürlich alles. Aber wir wollen erst mal unsere eigenen Hausaufgaben machen. Danach sehen wir weiter. Wir haben ja auch andere Strukturen als etwa Neuhofen. Ihnen schwebt schon ein konkretes Projekt vor? Ja, beim Thema Mobilität ... Aber ich will da nicht vorgreifen. Die Veranstaltung soll komplett ergebnisoffen sein. Was passiert mit den Ideen, die bei dem Workshop gesammelt werden? Wir müssen schauen, welche Vorschläge realistisch sind. Was kann umgesetzt werden? Bekommen wir Zuschüsse? Oder gibt es irgendwoher Unterstützung? Wir wollen ja nicht das Rad neu erfinden. Wir wollen von den Bürgern wissen, was sie wollen und dann die entsprechenden Bedingungen erarbeiten. Und wie lange dauert’s dann bis zur Umsetzung? Das kommt auf das Projekt an, das wir anpacken. Wenn’s in den Baubereich reingeht, kann das natürlich schon etwas dauern. Anderes geht womöglich schneller. Und wann wäre der Workshop für Sie ein Erfolg? In dem Moment, wenn viele Leute kommen und das Angebot annehmen. Wir wollen die Leute erreichen, an die wir sonst nicht rankommen. Es soll unvoreingenommen diskutiert werden. Für die Teilnehmer ist es die Chance, sich selbst um die Gestaltung der Zukunft zu kümmern. Wir können nicht alle Wünsche erfüllen, aber einen Anfang können wir machen.