Rhein-Pfalz Kreis „Es darf auch mal geheimnisvoll sein“
Dannstadt-Schauernheim. Das Jubiläum 1250 Jahre Dannstadt-Schauernheim soll den Menschen im Ort in Erinnerung bleiben. Aber wie? Das haben sich Verbandsbürgermeister Stefan Veth (CDU), der Arbeitskreis Kultur und der Kultur- und Heimatkreis auch gefragt. Dann ist Veth auf Matchbox gestoßen. Nein, nicht auf die kleinen Autos. Ein Kulturprojekt der Metropolregion Rhein-Neckar heißt genauso. Um Traktoren könnte es aber gehen. Was die mit dem Dorf zu tun haben? „Na, wo leben wir denn? Genau: im Gemüsekreis“, sagt Veth, der im Interview über das Projekt, Landwirtschaft und Identität spricht.
Ja ...?! Sie fragen sich, worauf ich hinaus will? Schon ein bisschen. Ich könnte mir aber denken, Sie spielen auf meine Aussage an, dass von der 1250-Jahr-Feier in Dannstadt-Schauernheim für die Zukunft mehr übrig bleiben soll, als Feiern. Richtig. In diesem Zusammenhang ist der Begriff nachhaltig gefallen. Ja. Nachhaltig in dem Sinne eben, dass nach dem Fest etwas bleibt. Es soll ein Impuls ausgehen von diesem Jubiläumsjahr für die kommenden Jahre. Es soll etwas hängen bleiben. Etwas, was Identität stiftet. Und unterschiedliche Interessen zusammenbringt. Sie denken da an etwas Bestimmtes, oder? Ja, an die Landwirtschaft. Wir leben mitten im Gemüsegarten, aber der Bezug ist beim Großteil der Bevölkerung verloren gegangen. Oder besser gesagt die Verbindung: Die einen produzieren. Die anderen kaufen das Gemüse im Supermarkt. Hofläden sind vielleicht das letzte Bindeglied. Das letzte positive zumindest. Ansonsten kracht es ja eher mal zwischen den Parteien. Stichwort: verdreckte Feldwege. Oder Hundekot auf Äckern. Und da soll nun das Projekt Matchbox helfen, zwischen den Dannstadt-Schauernheimern so etwas wie ein Wir-Gefühl zu stiften? Richtig. Es war eine glückliche Fügung, dass ich bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung, zu der Landrat Körner regelmäßig einlädt, Vertreter des Kulturbüros der Metropolregion Rhein-Neckar getroffen habe. Sie haben Matchbox vorgestellt. Ich war beeindruckt. Wenn mir das Vorhaben auch zunächst sehr abstrakt erschien. Jedenfalls habe ich mich wieder daran erinnert, als es an die Planungen für die 1250-Jahr-Feier ging. Und ich habe mich bei den Matchbox-Machern gemeldet. Nach zwei bis drei Treffen waren wir uns einig, was wir machen wollen. Ein Denkmal schaffen! (lacht) Tatsächlich haben wir vom Kultur- und Heimatkreis, dessen Vorsitzender ich ja auch bin, schon darüber nachgedacht, ein Bildhauersymposium zu veranstalten. Aber was wäre dabei herausgekommen? Wieder ein Stein, der irgendwo herumsteht und den irgendwann keiner mehr beachtet. Und was passiert jetzt? Es gibt Fotos. Fotos, die Heimatgefühle erzeugen. Und Fotos, die Geschichten erzählen über die Menschen hier bei uns im Ort, über Menschen auf dem Feld. Über Landwirte und Erntehelfer. Über Integration und Wir-Gefühl. Die Künstlerin Irina Ruppert wird sich im Jubiläumsjahr intensiv mit der Geschichte und Gegenwart unserer vorderpfälzischen Heimat auseinandersetzen. Und ihre Fotos erzeugen nachhaltig Identität? Ich hoffe es. Wir wissen ja noch nicht, was genau am Ende herauskommt. Ob es eine Ausstellung gibt. Oder ein Buch. Oder vielleicht große Plakate, die wir aufstellen. Das klingt schon alles noch ein bisschen geheimnisvoll. Aber darf es das nicht auch mal sein? Wo es doch im Google-Zeitalter fast gar keine Geheimnisse mehr gibt ... Ich hoffe, die Menschen im Ort lassen sich auf das Projekt ein. Der Kultur- und Heimatkreis hat nämlich nicht nur Herzblut, sondern auch Geld in die Sache gesteckt. Das heißt? Dass das Kulturbüro der Metropolregion Rhein-Neckar so viel Geld dazu schießt, wie wir selbst bereit sind zu geben. Nach den drei gemeinsamen Treffen sind wir überein gekommen, dass wir schon 20.000 Euro brauchen. Davon übernimmt der Kultur- und Heimatkreis dem Deal zufolge also die Hälfte. Wir hoffen jetzt, Sponsoren zu finden, die uns unterstützen. Ich bin gerade dabei, entsprechende Anschreiben fertig zu machen. Sie brauchen aber auch die Unterstützung der Dannstadt-Schauernheimer, was die inhaltliche Umsetzung des Projekts anbelangt. Absolut. Wir hoffen deshalb, dass zur Auftaktveranstaltung am 17. März viele Bürger kommen und sich anhören, was wir machen wollen. Irina Ruppert sucht für das Projekt übrigens auch Landschaftsaufnahmen von Dannstadt-Schauernheim, die vor 1990 entstanden sind. Da kann jeder zu Hause schauen, was er so hat. Irina Ruppert kommt aus Hamburg in den Pfälzer Gemüsekreis. Wird sie es verstehen, in Dannstadt-Schauernheim Identität zu stiften und ein Wir-Gefühl zu erzeugen? Ich bin mir sicher, dass sie das schafft, die Leute mitzunehmen. Wir haben sie aus vier Bewerbern ausgesucht, weil sie eine sehr menschliche Art hat. Sie wird während des Projekts auch teilweise in Dannstadt-Schauernheim wohnen. Und arbeiten. Sie wird selbst auf dem Feld stehen oder auf dem Traktor sitzen. Zwei Landwirte haben schon zugesagt, dass sie mitmachen. Und was hat es mit dem Laden in der Hauptstraße auf sich. Er wird Irina Rupperts Atelier. Da macht sie Fotos und führt Interviews. Der Laden ist Anlaufpunkt für alle, die sich für unser Projekt interessieren. Und ich hoffe, dass er nächste Woche zum ersten Mal voll wird.