Rhein-Pfalz Kreis „Erziehermarkt ist abgegrast“
Nicht nur auf Bundesebene ist der Fachkräftemangel seit Langem ein Thema. Auch in den Kommunalverwaltungen im Frankenthaler Umland gestaltet sich die Suche nach geeignetem Personal für Kitas, den Bauhof oder andere Einrichtungen zunehmend schwierig. Darauf deutet eine kleine Umfrage der RHEINPFALZ hin. Die Berufsgruppe der Erzieher scheint dabei besonders umworben zu sein.
Die verbandsfreie Gemeinde Bobenheim-Roxheim sucht aktuell einen Erzieher oder eine Erzieherin als Leitung für ihre neue Kita und hatte kürzlich zwei weitere Erzieherstelle für die Integrative Kindertagesstätte und für das Jugendzentrum ausgeschrieben. „Gut ausgebildete Erzieher sind auf dem Markt Mangelware, ebenso Bautechniker und Bauingenieure sowie Verwaltungsfachleute“, sagt die geschäftsführende Beamtin, Angelika Köhler. Die Gemeinde versuche daher, ihr Jobangebot attraktiv zu machen: „Bei der Bezahlung können wir nichts tun, die ist im Tarifvertrag vorgegeben und ähnlich wie bei anderen Stellen“, sagt Köhler. „Was wir aber ändern können, ist das Angebot um die Arbeitsstelle herum.“ Die Atmosphäre im Haus, die „Willkommenskultur“ im Unternehmen hält Angelika Köhler für entscheidend, um neue Mitarbeiter zu locken. Jungen Müttern versuche man mit einem Kindergartenplatz für den Nachwuchs behilflich zu sein, und auch bei den Themen Fortbildung und Dienstfahrzeug mache die Gemeinde Angebote. „Wir nehmen da ordentlich Geld in die Hand und versuchen, auf individuelle Wünsche einzugehen“, sagt die Büroleiterin. Sie hat häufig genug erleben müssen, dass Mitarbeiter in andere Kommunen wechseln, weil irgendetwas dort für sie günstiger ist. Bei bisherigen Bewerbungen sei das Kriterium des Arbeitswegs zur Überraschung der Verwaltung nicht so bedeutsam gewesen. „Die Entfernung zur Arbeit ist für die jungen Leute nicht so wichtig“, glaubt Köhler. In Bobenheim-Roxheim hätten sich schon Erzieher aus dem rund 20 Kilometer entfernten Lampertheim beworben. Im kommenden Jahr wird die Gemeinde wieder Stellen ausschreiben und nach Erziehern, Hauswirtschaftern und Reinigungskräften für die neue Kindertagesstätte suchen. „Hoffentlich finden wir dann wieder gutes Personal“, so Köhler. Auch in Lambsheim wird die Verwaltung im nächsten Jahr Personal für die Kita suchen, wie Dorfchef Herbert Knoll (CDU) auf Anfrage erklärt. Zwar sei die Suche nach einem geeigneten Kandidaten bisher nie ein Problem gewesen – „wir hatten immer mehr Bewerbungen als freie Stellen“, sagt Knoll. Dennoch beunruhige ihn die aktuelle Situation. „Man bekommt schon mit, dass es besonders im Kita-Bereich immer schwieriger wird“, sagt er. Deshalb sei er froh, dass zumindest aktuell alle Stellen in der Kindertagesstätte und im Bauhof besetzt seien. Ähnlich ist die Situation in einigen Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Leiningerland. Auf Anfrage erklärt der Großkarlbacher Ortsbürgermeister Ralf-Peter Riegel (SPD): „Wir sind voll besetzt.“ Alle zweieinhalb Stellen in der Gemeinde und die 17 Stellen im Kita-Zweckverband Laumersheim-Großkarlbach seien vergeben. Dennoch sieht auch er eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt: „Bei den Erziehern ist es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden“, sagt Riegel. „Früher hatten wir 50 bis 80 Bewerbungen auf eine Stelle. Bei der letzten waren es gerade noch drei.“ Als Ursache für die fehlenden Fachkräfte nennt Riegel die Tatsache, dass Kitas heute auch Kleinkinder unter zwei Jahren aufnehmen, die besonderer Betreuung bedürfen. „Der Markt für gute Erzieher ist einfach weitgehend abgegrast“, glaubt er. Da könne die Gemeinde nur schwer gegensteuern – mit unbefristeten Stellen zum Beispiel. Keine größeren Probleme bei der Besetzung von Stellen hatte dagegen bisher die Ortsgemeinde Heßheim. „Auch nicht in der Kita, da bekommen wir immer wieder Initiativbewerbungen“, sagt Ortsbürgermeister Holger Korn (SPD). Das liege nicht zuletzt am guten Ruf der Einrichtung. Und auf die Ausschreibung für eine Stelle als Gemeindemitarbeiter hätten sich überraschenderweise im vergangenen Jahr ebenfalls viele beworben. „In Heßheim stimmen die Rahmenbedingungen“, glaubt Korn. Das scheint auch in Heuchelheim der Fall zu sein. Ortsbürgermeister Frank Klingel (FWG): „Wir haben keine Probleme mit dem Fachkräftemangel, und das wird vermutlich auch noch fünf bis zehn Jahre so bleiben.“ Bis dahin werde planmäßig kein Mitarbeiter in Rente gehen. In der gesamten Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim scheint es im Moment zu gut wie keine Vakanzen zu geben. Auf der Homepage der VG ist nur eine Ausschreibung zu finden: für eine Sachbearbeiterstelle im Fachbereich Bürgerdienste.