Dudenhofen Erstes Spargelfest vor 100 Jahren: „Spargel der Zukunft“ präsentiert
Am Sonntag, dem 28. Juni 1925, wurde Dudenhofen Schauplatz eines denkwürdigen Ereignisses, das nicht nur einen festen Platz in der Geschichte der Gemeinde einnimmt, sondern zugleich auch den ausgeprägten Gemeinschaftssinn der Dudenhofener Vereine symbolisiert: Das erste Spargelfest, das Jung und Alt gleichermaßen begeisterte, wurde gefeiert. Gerade einmal vier Wochen zuvor hatten 40 Dudenhofener Spargelpflanzer im neu eröffneten Ebertpark in Ludwigshafen bei der großen Süddeutschen Gartenbauausstellung (SÜGA) beziehungsweise der Pfälzischen Landwirtschaftsausstellung stolze 80 Pfund Spargel präsentiert, dabei mehrere Auszeichnungen gewonnen und somit dem örtlichen Spargelanbau auch überregional zu großer Anerkennung verholfen.
In Dudenhofen reifte der Gedanke, die örtliche Spargelzucht mit einem besonderen Fest zu feiern – „damit dem Dudenhofener Spargel jener Platz unter den Gemüsen eingeräumt bleibt, der ihm auf Grund seiner Güte und seines Wohlgeschmackes zukommt“, wie es hieß. Das Spargelfest sollte zugleich auch ein Protest gegen jenen Handel sein, der „minderwertigen Spargel aus anderen spargelbaubetreibenden Gegenden als Dudenhofener Erzeugnis gegen hohe Preise absetzt“. Zunächst schien es angesichts wirtschaftlichen und sozialen Elends Vorbehalte gegen ein solches Fest in der Bevölkerung gegeben zu haben. Doch insbesondere die auf dem „Spargelmarkt fühlbar gewordene Konkurrenz“ beflügelte schließlich dann doch, „alle Volksschichten für das Fest zu gewinnen“.
Und so wurde schließlich auf Initiative des Radfahrer-Vereins ein solches Fest auch auf die Beine gestellt: Insgesamt 13 Vereine beteiligten sich daran, unterstützt von einem Ehrenausschuss aus 23 angesehenen Persönlichkeiten aus der Gemeinde, aus Speyer und der näheren Umgebung. Die Presse berichtete von einem „Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes, wie es schöner nicht hätte sein können. Was hier geboten wurde, war einfach mustergültig“.
Prächtiger Festzug
Schon am Vormittag sorgte die Standmusik der Speyerer Stadtkapelle für festliche Klänge und verlieh dem sonst so beschaulichen Dorf eine besondere Atmosphäre. Der Höhepunkt des Festes war zweifellos ein prächtiger Festzug, der sich am Nachmittag durch die festlich geschmückten Straßen bewegte. Angeführt wurde er von einer einheitlich gekleideten Reiterabteilung. Es folgten eine Radfahrergruppe des festgebenden Radfahrer-Vereins 08, danach die erste Musikkapelle. Eine Abordnung weißgekleideter Mädchen mit einem Spargelbündel als Symbol des Festes schritt vor dem Festausschuss einher, und diesem folgte das Feuerwehrkommando zu Wagen.
Dahinter reihten sich die Festwagen und Gruppen der örtlichen Vereine: Der Geflügelzuchtverein präsentierte einen indischen Geflügelhof mit Kostümen und den dazu passenden Tieren, der Arbeiter-Gesangverein „Liedertafel“ bot Gesang und der Cäcilien-Verein führte auf einem Wagen die Spargelernte vor. Der katholische Arbeiterverein demonstrierte die Verarbeitung und Verwertung des Spargels, während andere Wagen – etwa vom Kegelklub, Kriegsbeschädigtenbund, Turnverein und den Spargelhändlern – weitere Facetten des Spargelanbaus und -handels darstellten. Die Turner marschierten mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, der Athletenverein präsentierte sich in flotter Aufmachung, und der Mandolinenklub sorgte für musikalische Unterhaltung. Besonders viel Beifall erhielt die „Kleppergarde“, barfuß und ihre Krawatten durch Zündholzschachteln gezogen.
Zu den Höhepunkten zählten drei Themenwagen, die teils mit vier Meter langen Riesenspargeln bestückt waren: Diese Wagen nahmen auf humoristische Weise Bezug auf das gerade bei der BASF mit der industriellen Synthese von Harnstoff angebrochene Düngemittelzeitalter und spielten somit auch anschaulich auf die damit verbundenen „Wunderwirkungen“ an, von denen man sich den „Spargel der Zukunft“ erhoffte.
Der Festzug, der durch einen reichlich mit Schmuck versehenen schönen Torbogen am sogenannten „Zinken“ – heute Ecke St. Klarastraße/Rottstraße – führte, endete schließlich auf dem Festplatz im Innenraum der Radrennbahn, wo ein abwechslungsreiches Programm geboten wurde. Ein besonderer Höhepunkt waren die Kunstfahrvorführungen der deutschen Meister Weller und Bechtel, deren Darbietungen stürmischen Applaus ernteten. Das Fest klang mit Hippodromreiten, Preisverleihungen an die Teilnehmer des Festzugs und einer fröhlichen Volksbelustigung am Montagabend aus – mit Wurstschnappen, Sacklaufen und Schubkarrenrennen.
8000 Leute beim zweiten Fest
Das Spargelfest war von nun an nicht nur ein gelungener Abschluss der Spargelsaison, sondern zugleich auch Beginn einer Tradition. Bereits ein Jahr später – diesmal trat die Gemeinde als „Festgeber“ auf – ist überliefert, dass sich zum zweiten Spargelfest am 20. Juni 1926 gar ungefähr 8000 Menschen einfanden. Sie säumten wieder die Straßen, um den präsentierten Festzug und die vielfältigen Veranstaltungen in der Radrennbahn zu erleben. Schon damals beliebt: das große Spargelessen in der Turnhalle.
Das dritte Spargelfest ist dann laut Ortschronik vier Jahre später am 22. Juni 1930 verzeichnet und war wohl das letzte vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten und vor Ausbruch des Krieges. Nach dem Krieg blühte der Festgedanke wieder auf: Aus dem einstigen Frühlingsfest vom 1. Mai entwickelte sich wieder das Spargelfest, das im Juni gefeiert wurde. Im Jahr 1951 fand dieses Fest erstmals wieder statt – und zwar unter den Linden vor der Radrennbahn. Das im Jahre 1952 gegründete Ortskartell, bündelte von nun an die Kräfte, organisierte und vermarktete das jährliche Fest. Gefeiert wurde im Laufe der Jahre dann an ganz unterschiedlichen Orten: anfangs an der Radrennbahn, am Sportplatz/Waldfestplatz, später auch an der Turnhalle. Ab 1970 fanden die Feierlichkeiten im großen Zelt auf dem Festplatz statt. Ab 1983 entfiel der Festumzug und die Festivitäten wurden in gemütliche Hofschänken rund ums „Kersche-Eck“, die „Spahiti-Bar“ oder das „Adlernest“ mitten in den Ortskern verlegt. Im Jahr 2006 kehrte die Veranstaltung schließlich an ihren historischen Ursprung zurück und wurde wieder am Waldfestplatz vor der Radrennbahn gefeiert. Ab 2011 dann in Kombination mit der „Spargelspitze“, einer zweitägigen kulinarischen Spargelwanderung.
Nach den coronabedingten Ausfällen konnten sich die Spargelfestaktivitäten noch nicht ganz zu alter, neuer Blüte entfalten. 100 Jahre nach dem ersten Fest bleibt indes aber festzustellen, dass vom Dudenhofener „Nationalfest“ nach wie vor eine starke Symbolkraft ausgeht und sich Dudenhofen über all die Jahre hinweg – trotz Wandel und Veränderungen in der Festausrichtung – seine Feierlaune rund um das königliche Gemüse bewahren konnte.
Der Autor
Clemens Keller, Vorstandsmitglied des Vereins für Heimatgeschichte und -kultur Dudenhofen, hat die 100-jährige Geschichte des Dudenhofener Spargelfestes anhand zeitgenössischer Presseberichte und der damaligen Programmhefte nachgezeichnet. Zudem hat er aus dem von ihm digitalisierten und katalogisierten Fotofundus des verstorbenen Vereinsmitglieds Rudi Leibig und weiterer Quellen verschiedene Etappen des ersten Spargelfestumzugs recherchiert und systematisiert. Weitere Fotos vom ersten Spargelfest unter www.vhgd.de/fotogalerien.