Dudenhofen
Erst mal wie gelähmt: Ein Einbruchsopfer berichtet
Es sei ein ganz normaler Freitag gewesen, berichtet Susanne Häberle-Pflanz. Mit ihrem Mann habe sie geplant gehabt, nach Kallstadt zum Abendessen zu fahren und dort – um sich dazu ein Glas Wein gönnen zu können – im Wohnmobil zu übernachten. „Wir haben alles verriegelt, Rollläden runter gemacht im Wintergarten, das Licht im Büro angelassen und die Hunde eingepackt“, berichtet die Dudenhofenerin. Am nächsten morgen sei sie mit ihrem Mann noch in der Winzergenossenschaft vor Ort vorbeigegangen. Im Verkaufsraum habe helle Aufregung geherrscht, weil eingebrochen worden war. „Die nette Dame am Empfang war ganz aufgeregt. Da ich als Psychotherapeutin weiß, wie man sich da fühlt, haben wir ihr noch eine ganze Zeit unser Ohr geschenkt“, erzählt Häberle-Pflanz. „Im Auto meinte mein Mann noch zu mir, für ihn wäre das Schlimmste der seelische Schock, dass Fremde die eigenen Sachen durchwühlen.“
Zu diesem Zeitpunkt wussten die beiden Dudenhofener noch nicht, dass sie kurz darauf genau dieses Gefühl selbst durchleben würden. Sie hätten noch Brötchen und Wurst im Heimatort gekauft, um anschließend zu Hause gemütlich zu frühstücken. „Mein Mann schloss Haus- und Wohnungstür auf. Sofort schlug uns die Kälte entgegen“, erinnert sich Susanne Häberle-Pflanz. „Die Terrassentür stand sperrangelweit auf und hatte das schönste ,Spider-Muster’. Tausende kleiner Glassplitter waren durch die ganze untere Etage verteilt. Schlagartig war uns klar: Jetzt hat es uns auch getroffen: Einbruch“, berichtet sie. Die Kälte des Raumes sei ihr in den Körper, ja regelrecht in die Seele gekrochen, beschreibt sie die Situation. „Irgendwie war ich sofort wie ein Roboter, emotionslos. Jegliches Gefühl abgeschnitten. Wir sind durchs Haus und verschafften uns einen Überblick“, sagt die Dudenhofenerin. Nur im Obergeschoss im Privatbereich des Paars sei alles durchwühlt gewesen: Büros, Bad, Schlafzimmer. Der antike Schmuckschrank sei aufgebrochen worden und alles Höherwertige habe gefehlt: Perlen, Gold, Steine und Uhren.
Polizei kommt schnell
Was also tun? „Man hat genug Filme gesehen, um zu wissen: nichts anfassen, Polizei anrufen“, sagt Häberle-Pflanz. Diese sei auch innerhalb von 15 Minuten gekommen. „Wir waren völlig neben uns stehend. Irgendwie versucht man etwas zu tun was es irgendwie besser macht“, erzählt sie. Spuren zu sichern oder den Schadensumfang zu ermitteln, sei ihr in den Sinn gekommen. „Wohin mit diesem Gefühl, diesem Zustand der Betäubung, den Druck im Kopf. Der Verstand realisiert, versucht zu funktionieren, das betäubte Gefühl legt sich wie eine Lähmung über alles“, beschreibt sie die Gefühlslage. „Das Resultat ist ein langsamer Zombie, der sich vorwärtsbewegt, unkonzentriert ineffektiv. Schrecklich.“ Ihr Mann habe zur Ablenkung dem Schreiner geholfen, die Tür notdürftig zu reparieren.
Am nächsten Tag habe die Babyparty für die älteste Tochter von Susanne Häberle-Pflanz stattfinden sollen. Zunächst habe sie voller Aktionismus Nähzeug gerichtet für Babylätzchen, Brot gebacken, Käsecreme hergestellt, Gemüse geschnitten, Blumengestecke hergerichtet und Tischdecken gebügelt. „Gott sei dank kam dann eine liebe Freundin und nahm mich erst mal in den Arm. Jetzt konnten auch mal Tränen fließen“, berichtet das Einbruchsopfer. Dabei sei der materielle Verlust nicht das Schlimmste gewesen. „Sicher, es geht um viel Geld, aber das war gar nicht der Fokus. Am schlimmsten ist wirklich, dass ich jetzt meinen Kindern nichts vererben kann, nichts von den Dingen, die ihr verstorbener Papa mir mal gekauft hat“, bedauert Häberle-Pflanz.
An Schlaf nicht zu denken
Dass Schlafzimmer und Rückzugsort nicht mehr sicher seien, dass fremde Hände die privaten Sachen durchwühlt hätten, sei eine grauenvolle Vorstellung. „Die erste Nacht war eine Katastrophe, an Schlaf nicht zu denken. Sobald mir die Augen zufielen wieder der Schreck, Panik. Immer wenn ich wieder eingeschlafen war, riss mich sofort das geringste Geräusch wieder aus dem Schlaf“, berichtet die Dudenhofenerin. Jedes dieser Geräusche lasse an einen potenziellen Einbrecher denken, „auch wenn man genau weiß, das war nur die Katze oder der Hund“. Erst nach zwei Tagen habe sie wieder klarer denken können. Globuli hätten ihr geholfen, sagt Häberle-Pflanz, die eine homöopathische Praxis hat.
Schließlich mussten noch Berichte für Polizei und Versicherung verfasst werden. „Dann wurde uns auch bewusst, wie viel Glück wir hatten. Niemand von uns war persönlich verletzt, weder Mensch noch Tier.“ Es sei kein Vandalismus betrieben worden. „Nichts, was man wirklich zum Leben und Glücklichsein braucht, ging uns verloren“, sagt Häberle-Pflanz. „Wenn meine Tochter unserem ersten Enkelkind das Leben schenkt, ist unsere Liebe und Dankbarkeit darüber, dass hoffentlich beide gesund sind, viel wertvoller als ein alter Ring.“
Im Netz
Tipps zum Schutz gegen Einbrecher hat die Polizei im Internet unter www.polizei.rlp.de/de/aufgaben/praevention/kriminalpraevention/einbruchschutz/ gesammelt.