Rhein-Pfalz Kreis Erst als Jugendliche zum Glauben gefunden
DIRMSTEIN/GEROLSHEIM. Jutta Fang ist im Amt der evangelischen Pfarrerin eine Anfängerin. Was nicht heißt, dass sie nicht klare Vorstellungen von ihrer Rolle und Aufgabe in Dirmstein und Gerolsheim hätte. Rasch und nachhaltig will sie vor allem die Konfirmandenarbeit anpacken. Denn sie selbst fand als Jugendliche in dieser Zeit zum Glauben.
Viel gesehen hat sie vom Leiningerland noch nicht. Denn seit 1. März muss Jutta Fang von Oggersheim, wo sie mit Ehemann und zwei Töchtern (sieben und anderthalb Jahre) wohnt, pendeln, bis das Dirmsteiner Pfarrhaus fertig renoviert ist und die junge Familie dort einziehen kann. Aber viele Mitglieder der beiden protestantischen Kirchengemeinden Dirmstein und Gerolsheim hat sie schon kennengelernt. „Ich bin sehr herzlich empfangen worden“, sagt die frisch gebackene Pfarrerin, die von der pfälzischen Kirchenregierung hierher entsandt wurde. Ein Bewerbungsrecht für eine Pfarrstelle hat sie erst nach fünf Jahren. „Deshalb brauchen sich die Dirmsteiner und Gerolsheimer erst mal keine Sorgen zu machen“, sagt Jutta Fang in Anspielung an das kurze Gastspiel des letzten Pfarrers, das die Protestanten in den beiden Dörfern offenbar nachdenklich gemacht hat. Wenn man die zierliche, drahtige junge Pfarrerin so von sich reden hört, kann man sich gut vorstellen, dass die Dirmsteiner und Gerolsheimer mit ihr zufrieden sein werden. Auch wenn sie keine Pfälzerin, sondern Rheinländerin ist. Schubladen wie diese liegen ihr allerdings überhaupt nicht. Unvoreingenommen und beobachtend gehe sie auf Menschen zu, sagt Fang. „In der Überzeugung, dass jeder Mensch seinen Wert hat, auch der, der einem Schwierigkeiten macht.“ Für theologisch Geschulte verwendet sie den Begriff „Gottebenbildlichkeit“, um klarzumachen, warum ihr diese Haltung so wichtig ist. Die 31-Jährige gibt sich im Gespräch zurückhaltend, etwas ernst und in ihren Aussagen klar und bestimmt. Ihr feiner Humor blitzt immer wieder durch. Dass sie, kaum examiniert, in der Rolle der Pfarrerin so souverän wirkt, erstaunt umso mehr, als sie in kirchliches Leben nicht hineingeboren wurde. „Ich wurde erst kurz vor der Konfirmation getauft“, erzählt sie. Dass sie danach den Anschluss nicht verlor, sei ihrer Religionslehrerin in der Schule und zwei Gemeindepfarrern zu verdanken. Sie wurde Presbyterin und bekam so viel Einblick ins Leben der Kirchengemeinde, dass sie sich 2004 für ein Studium der evangelischen Theologie entschied. Vielleicht rührt es daher, dass sie die Konfirmandenarbeit in Dirmstein und Gerolsheim als „größte Baustelle“ bezeichnet. Dafür ein gutes Konzept zu entwickeln, Ideen umzusetzen und den Jugendlichen „etwas zu bieten“, erklärt sie zum vorläufigen Schwerpunkt ihres Wirkens in den beiden Orten. Außerdem will sie ihre Ludwigshafener Erfahrungen mit dem Projekt „Gemeindebeteiligung im Gottesdienst“ fruchtbar machen. Im Hemshof war sie mit dafür zuständig gewesen, Gemeindemitglieder in die Liturgie einzubinden. Als Beispiel nennt sie einen Kasten, in den die Leute Vorschläge für die von Laien gelesenen Fürbitten einwerfen konnten. Traurig ist sie, dass es am evangelischen Teil der Dirmsteiner Kirche baulich nicht möglich ist, Barrierefreiheit zu schaffen. „Wer die Stufen nicht überwinden kann, wird nicht in den Gottesdienst oder ins Gemeindehaus kommen“, sagt die Pfarrerin. Sie will Wege suchen, wie sich diese Menschen trotzdem zugehörig fühlen können. Zum Beispiel mithilfe eines Besuchsdienstes. Sehr deutlich macht die junge Mutter, dass sie in ihrem Beruf mit seinen vielfältigen Aufgaben und Erwartungen der Gemeinde nicht ausbrennen will und darf. Deswegen werde sie immer wieder die Grenzen ihrer Ressourcen sichtbar machen. „Um neue Ideen umzusetzen, brauche ich Unterstützung“, sagt Fang. „Ich bin ein Mensch, der gern im Team arbeitet mit Leuten, die genau das einbringen, was sie gut können.“ (ww) Termin Der Gottesdienst zur Ordination von Jutta Fang wird heute, Samstag, um 14 Uhr in der Dirmsteiner Kirche gefeiert.