Rhein-Pfalz Kreis Erleichterung im Vogelpark

Fütterung im Vogelpark Ende Mai: Die Storcheneltern fressen die Hühnerküken und würgen sie später wieder aus. So zerkleinern sie
Fütterung im Vogelpark Ende Mai: Die Storcheneltern fressen die Hühnerküken und würgen sie später wieder aus. So zerkleinern sie die Nahrung für ihren Nachwuchs.

Das Jahr scheint sich für den Storchennachwuchs in der Bobenheim-Roxheimer Anlage im Kleinerweg besser anzulassen als das vergangene. Während der Eisheiligen 2017 regnete es kräftig. „Im Horst auf der Flamingowiese ertranken drei frisch geschlüpfte Weißstörche“, erinnert sich Vogelwartin Anita Sahm. Wie kann das sein? Storchennester bestehen doch aus Ästen und Zweigen? „Im Zuge der Umweltverschmutzung finden Störche immer mehr Plastik, das sie beim Nestbau verwenden. Bei Starkregen staut sich das Wasser im Gelege“, erklärt Sahm. Ein Storchenjunges vom Gelege der Flamingowiese und drei Geschwister des Paars, das im benachbarten Volierezelt auf dem Boden brütet, konnte Sahm damals retten – in Handaufzucht päppelte sie das gefiederte Quartett auf. Die drei Geschwister wurden in einen Zoo nach England vermittelt. Der Jungstorch von der Flamingowiese ist mit dem Vogelzug nach Süden aufgebrochen, kam aber nicht zurück. Und weshalb können kleine Störche an kalten Frühlingstagen erfrieren, obwohl sie doch von ihren Eltern gewärmt werden? „Beim Brüten haben die Vögel eine Nestwärme von 37,5 Grad“, erklärt der Vorsitzende des Vereins für Vogelschutz und Vogelliebhaber, Rainer Berenz. Da sich die Eltern während der Brut abwechseln, seien die Jungen zwar permanent vom Gefieder eines Elternteils geschützt. Doch wenn ein Paar frühzeitig mit der Aufzucht beginne, seien die Jungen während der Eisheiligen schon so groß, dass das Gelege nicht vollständig abgedeckt werden könne. „Kühlen die Kleinen aus, kann eine Familie den kompletten Nachwuchs innerhalb von ein paar Stunden verlieren.“ Doch in diesem Frühjahr war es nicht so kalt, und auch die Unwetter haben die Kleinen offenbar überstanden. 2017 hatte der Verein, der den Vogelpark seit Anfang der 1970er-Jahre betreibt, 21 Storchenpaare gezählt, die etwa 30 Junge aufzogen. In diesem Frühling sind alle Paare zurückgekommen. „Wir haben 45 Jungstörche in 21 Nestern, davon 20 Jungstörche im Vogelpark, der Rest im Ort und in der Umgebung“, berichtet Berenz. Bei zwei Störchen pro Nest werde der Bestand erhalten. Was man von unten aus und mit der auf dem Dach der Vereinsgaststätte installierten Web-Kamera sehe, ließ schon auf regen Nachwuchs schließen. „Aber wir können nicht in die über zehn Meter hohen Nester hineinschauen.“ Um sich einen genauen Überblick zu verschaffen, wurden die Jungtiere vor einigen Tagen beringt. „Der Zeitraum zum Beringen ist sehr kurz“, berichtet Berenz. „Die Jungstörche dürfen noch nicht flügge oder so weit entwickelt sein, dass sie aus dem Nest herausspringen und sich verletzen.“ Das Beringen übernimmt ein externer Vogelwart mit Lkw und Hubkorb. Die Jungvögel stellen sich meist tot, sodass der Experte den mit einem Buchstaben-Ziffern-Code versehenen Kunststoffring innerhalb von wenigen Sekunden oberhalb des Sprunggelenks befestigen kann. Die Nummerierung wird in zentralen Datenbanken gespeichert. Auf diese Weise gewinnen Ornithologen Erkenntnisse über die Verbreitung und das Verhalten der Vögel. Und die Betreuer des Vogelparks erfahren gelegentlich etwas über das Schicksal ihrer Schützlinge. „Wir wissen zum Beispiel, dass unsere Storchendame Schnuckel, die wir vor 18 Jahren mit der Hand aufgezogen haben, jetzt bei Stralsund lebt. Dort hat man sie mit der Ringnummer A277 gesichtet“, sagt Sahm. Ein Storchenparadies ist Bobenheim-Roxheim laut Statistik der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorchschutz vom Naturschutzbund Rheinland-Pfalz: In der Liste der erfassten Storchenpopulationen in Rheinhessen und der Vorderpfalz von 2017 liegt die Altrheingemeinde mit 21 Nestern nur knapp hinter Mainz-Laubenheim (25 Nester) und damit auf Platz zwei in puncto Storchendichte. Problemlos könnte sich Bobenheim-Roxheim daher mit dem ungeschützten Label „Storchendorf“ schmücken, wie es mittlerweile viele Gemeinden im Internet tun. Doch Rainer Berenz meint: „In unserer Gemeinde gibt es viele Storchenfreunde, die die Ansiedlung unterstützen. Doch es gibt auch Gegner, die das Klappern und der Kot stört.“ Fünf Kilometer weiter westlich liegt Großniedesheim. Dort wartet man seit zwölf Jahren vergeblich auf die Rückkehr der Störche. „Wir haben damals auf dem Dach des Gemeindehauses eine Nisthilfe installiert. Sie wurde von den Weißstörchen noch nie angenommen“, sagt Ortsbürgermeister Michael Walther (SPD). Dabei biete die Gemeinde mit großen zusammenhängenden Wiesenflächen entlang des Eckbachs ein sehr gutes Nahrungsangebot für diese Vögel. Die Hoffnung haben die Großniedesheimer noch nicht aufgegeben: In diesem Frühjahr wurde die Nisthilfe mit Weidenästen ausgelegt.

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