Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Eltern fordern mehr Plätze für Betreuende Grundschule

Viele Kinder bleiben über den Unterricht hinaus über Mittag in der Grundschule.
Viele Kinder bleiben über den Unterricht hinaus über Mittag in der Grundschule.

Eltern sind enttäuscht und verärgert: Die Rheinschule kann nicht mehr als 40 Plätze für die „Betreuende Grundschule“ zur Verfügung stellen. Eine Ausweitung sei weder personell noch räumlich möglich, sagt die Gemeindeverwaltung. Dass der Schulelternbeirat das genauso sieht, hat zu Streit im Dorf geführt. Und manche sehen die Ganztagsschule gefährdet.

Die sogenannte Halbtagsschule stellt viele berufstätige Väter und Mütter vor das Problem, dass sie noch auf der Arbeit sind, wenn der Unterricht für ihren Nachwuchs mittags endet. Oder dass sie schon im Büro sein müssen, bevor der Schulbetrieb beginnt. Die meisten Grundschulen bieten deshalb mittlerweile eine Betreuung über die reinen Unterrichtszeiten hinaus an. Genauer gesagt: In der Regel macht der Schulträger freiwillig den Eltern dieses Angebot. Im Fall der beiden Grundschulen in Bobenheim-Roxheim ist das die Gemeinde.

In der Bobenheimer Pestalozzischule wurde die Anzahl der Betreuungsplätze im vergangenen Schuljahr von 60 auf 80 erhöht. In der Roxheimer Rheinschule wäre eine Ausweitung ebenfalls sinnvoll, denn es haben sich fürs Schuljahr 2022/23 laut Verwaltung weit mehr Eltern dafür interessiert, als es Plätze gibt. „Der überwiegende Teil der schon eingegangenen Anmeldungen künftiger Erstklässler betrifft die Betreuende Grundschule“, sagt Fachbereichsleiter Frank Unvericht. Das heißt, schon circa 40 Eltern wollen für ihre Kinder den Halbstagsunterricht plus Verbleib in der Schule bis maximal 14 Uhr. Von den derzeit angebotenen 40 Plätzen werden im nächsten Sommer aber nur zehn frei.

Elternbeirat: Lieber ehrlich sein

Mehr geht nicht, heißt es im Rathaus, weder personell noch räumlich. Erst wenn die Erweiterung der Rheinschule beendet sei, also vermutlich 2025, könnten die Kapazitäten vergrößert werden. In der Einrichtung gibt es nach Angaben der Schulleitung wegen Platzmangels keine Fachräume mehr, nur noch Klassenzimmer. Für die Betreuende Grundschule würden derzeit ein weiterer Raum und die Bücherei genutzt, damit sei man absolut am Limit.

Das bestätigt der Schulelternbeirat. „Wir hoffen, dass noch eine Lösung gefunden wird“, sagt Schulelternsprecherin Quyen Bayer, „aber ,könnte sein’ hilft niemandem weiter und wäre unehrlich den künftigen Klassen gegenüber.“ Sie hat deshalb kürzlich im Schulträgerausschuss zugestimmt, dass es vorerst bei den 40 Plätzen bleibt. Und hat damit den Zorn anderer Eltern auf sich und ihr Schulgremium gezogen.

Jens Becker, der für die SPD im Ausschuss sitzt, ist der Ansicht, dass die Gemeinde wie auch immer den Wunsch der Eltern erfüllen sollte. „Jede Familie kann selbst am besten entscheiden, welche Schulform zu ihrem Alltag passt“, teilt er auf Anfrage mit. „Eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen wir nur, wenn wir für jeden das passende Angebot bereithalten.“ Ähnlich soll sich Ausschussmitglied und Jugendbeauftragte Pia Maffenbeier von den Grünen geäußert haben. Sie war für die RHEINPFALZ am Montag nicht erreichbar.

Mehrheitlich folgte der Ausschuss aber dem Vorschlag der Verwaltung. Dann wanderte das Thema und mit ihm die Kritik am Schulelternbeirat der Rheinschule in die Sozialen Medien. Von falschen Behauptungen und persönlichen Anfeindungen im Whatsapp-Chat einer Kita-Elterngruppe berichtet der Beirat in einem Brief an Bobenheim-Roxheimer Eltern.

Grünen-Vorstand will Ganztagsschule stärken

Und auch der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen sah sich genötigt, auf seiner Internetseite Stellung zu beziehen, und zwar für die Argumente der Gemeindeverwaltung und gegen die Position ihrer Parteifreundin sowie der SPD, die „eine Schwächung der Ganztagsschule bewusst in Kauf“ nehme, und zwar entgegen der Linie der Bundes- und Landes-SPD.

Es ist nämlich so, dass die Rheinschule auch ein Ganztagsangebot macht. Kinder, die dafür angemeldet sind, werden in einer Klasse zusammengefasst und verbringen den gesamten Schultag bis 16 Uhr miteinander. Lerninhalte und Entspannungsphasen werden montags bis donnerstags auf Vor- und Nachmittag gleichermaßen verteilt. Dieses Konzept befürwortet der Grünen-Vorstand, zu dem Schulelternsprecherin Quyen Bayer gehört.

Gemeinde ändert Abholpraxis

Warum das Ganztagsangebot aktuell so schlecht angenommen wird, dass an der in den Klassenstufen 1 und 2 vierzügigen Rheinschule nach jetzigen Anmeldezahlen nur noch eine Ganztagsklasse zustande kommt, ist unklar und mag verschiedene Gründe haben. Jens Becker meint, für beide Modelle gebe es gute Argumente. Ein teilzeitbeschäftigtes Elternteil wolle vielleicht am Nachmittag Zeit mit seinem Kind verbringen oder ihm vor 16 Uhr Hobbys ermöglichen. „Dann ist das Halbtagsmodell sicher die beste Wahl.“ Niemand sollte genötigt werden, sein Kind an der Ganztagsschule anzumelden.

Offenbar geht es manchen Eltern auch um Flexibilität und das Vermeiden von zeitlichen Verpflichtungen. Darauf deutet eine Praxis hin, der die Gemeindeverwaltung jetzt ein Ende setzt, indem Eltern ihr Kind nur noch um 13 oder um 14 Uhr abholen dürfen und nicht mehr zwischendrin, wie es ihnen gerade passt. Dem Vernehmen nach waren die Betreuer zuletzt fast nur noch damit beschäftigt, die kurzfristig per Whatsapp angekündigten Abholwünsche zu erfüllen.

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