Mutterstadt
Eiserne Hochzeit: Begegnung beim Fahrradfahren
„Wir fahren an unserer Eisenen Hochzeit nach Wertheim am Main zur Hochzeit unserer Enkelin“, erzählt Günter Klehr. Denn sie wollte so gerne am selben Tag heiraten wie ihre Großeltern. Dass er am Hochzeitstag nicht zu Hause war, kam schon mal vor. „An einem Hochzeitstag habe ich Fußball gespielt“, erinnert er sich schmunzelnd. „Und am Tag der Verlobung war ich ebenfalls nicht da. Als ich abends wieder heimkam, waren die Gäste weg.“ Schuld war wieder der Fußball, denn Klehr ist leidenschaftlicher Fußballer. Aber am Tag der Hochzeit selbst war er anwesend – „das Spiel fand erst am Sonntag statt“. Da wurde natürlich gekickt.
Schon als Schüler trat er gern den Ball und brachte es bis zur ersten Mannschaft, danach spielte er als Senior und trainierte später die Jüngeren. „Ich hatte zweimal die Woche Training und am Sonntag Spiele.“ Wenn der ehemalige Aniliner nicht gerade spielte, reiste er mit seiner Frau gern. Die gemeinsamen Urlaube haben sie sehr genossen. „In Europa gibt es nichts, wo wir noch nicht waren.“ Auch in Amerika und den arabischen Staaten seien sie schon gewesen, in Südtirol gewandert und „die Berge hochgeklettert“. Aber in den letzten Jahren macht die Gesundheit nicht mehr so mit. Klehr nimmt es mit Humor. „Statt Seilbahn im Gebirge gibt es jetzt Treppenlift. Wir sind zufrieden, vielen Leuten geht es schlechter.“
Fahrradfahrt für Fahrradfahrt
Kennengelernt hat sich das Paar 1955 Schritt für Schritt oder besser gesagt Fahrradfahrt für Fahrradfahrt. „Ich bin ins Architekturbüro nach Mutterstadt und er nach Dannstadt geradelt“, erinnert sich Gerda Klehr. Jeden Tag seien sie sich begegnet, begrüßten sich, lachten – „dann haben wir angehalten und gebabbelt“. Irgendwann kam eine Einladung ins Kino. „Das hat sich langsam ergeben.“ 1956 folgte die Verlobung, 1957 wurde geheiratet. Die Hochzeit fand am Pfingstsamstag statt und wurde bei den Brauteltern im Familienkreis gefeiert. Die Töchter Brigitte und Margot wurden 1958 und 1959 geboren.
Bezogen wurde dann mit neun Familienmitgliedern ein Einfamilienhaus in Mutterstadt, das die Klehrs auch heute noch bewohnen. Nach der Pflege der Eltern und als die Töchter aus dem Haus waren, fing Gerda Klehr erneut an zu arbeiten, diesmal bei der Firma Pollux. Und wieder war das Fahrrad mit von der Partie. „Sie ist zu Pollux und ich bin zur BASF geradelt“, sagt Günter Klehr. Das ging bis 1992 so. Dann war Schluss. Mit der Arbeit. Nicht mit de Radeln. Und nicht mit den beiden.