Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Einwohnerversammlung: Diskussionsbedarf zu zwei Themen

Standorte für Windräder: Derzeit stimmen sich die Ortsgemeinden diesbezüglich ab.
Standorte für Windräder: Derzeit stimmen sich die Ortsgemeinden diesbezüglich ab.

Die Themen Windenergie, Geothermie, Erdölbohrung und die geplante neue Güterbahntrasse zwischen Mannheim und Karlsruhe beschäftigen die politischen Gremien in Waldsee. Bei einer Einwohnerversammlung hat Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) über den jeweils aktuellen Stand berichtet. Besonders bei zwei Projekten bestand großer Diskussionsbedarf.

Entlang der B9 drehen sich Windräder, ein Geothermiekraftwerk versorgt die Haushalte mit Fernwärme aus der Erde und auf den Gleisen der neuen Trasse rauschen Güterzüge vorbei, um den Lastwagenverkehr auf den Straßen zu reduzieren. So könnte es in Waldsee bald sein. Nur das von einem Firmenkonsortium ins Auge gefasste Ölbohrfeld passt nicht so recht ins Bild der klimafreundlichen Zukunft des Dorfs.

Beim Thema Windenergie und bei der geplanten Güterbahntrasse bestand unter den 40 Zuhörern im Raatssaal großer Diskussionsbedarf, wobei Besucher aus Otterstadt, Neuhofen und Böhl-Iggelheim die meisten Fragen hatten. Zurzeit beschäftigen sich die Ortsgemeinden damit, auf welchen Flächen in ihrer Gemarkung Windkraftanlagen vorstellbar wären. Doch das reicht nicht. Entsprechend dem Windenergie-an-Land-Gesetz müssen bis 2032 in Rheinland-Pfalz mindestens 2,2 Prozent der Landesfläche als Standorte für Windräder ausgewiesen werden.

Entwicklung mitgestalten

Noch sei nicht klar, wie weit diese Angabe auf die einzelnen Gemeinden heruntergebrochen wird, erklärte Klein. Bis 2024 könnten die Gemeinden die Entwicklung mitgestalten, indem sie selbst Flächen ausweisen, auf denen sich künftig Windräder drehen könnten. „Unternehmen wir nichts oder weisen wir zu wenige Flächen aus, fällt die Abstandsgrenze zur Wohnbebauung, die derzeit bei 900 Metern liegt. Dann haben wir auch kein Mitspracherecht mehr, wo die Windräder gebaut werden“, betonte Klein. Derzeit stimmten sich die Ortsgemeinden diesbezüglich ab.

Geeignete Flächen würden an der B9 gesehen. So könnten etwa an der Ausfahrt Waldsee-Nord drei Windkraftanlagen gebaut werden, so Klein. Wobei nur ein kleiner Teil des Geländes auf Waldseer Gemarkung liege. Das zweite geeignete Areal befindet sich südlich der Ausfahrt Waldsee-Süd und erstreckt sich vor allem auf Otterstadter Gemarkung. Weiter südlich könnte Speyer entsprechende Flächen ausweisen. Frustrierend fanden die Zuhörer, dass Waldsee bis auf die Flächenausweisung nicht viel Mitspracherecht hat, auch nicht, was die genaue Anzahl oder exakte Position der Windräder betrifft.

Vorverträge mit Grundstücksbesitzern

Fünf verschiedene Firmen versuchten bereits, Vorverträge mit Grundstücksbesitzern abzuschließen, berichtete Klein. Drei Unternehmen hätten Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen, die anderen beiden lehnten das ab. „Wenn ein Grundstücksbesitzer nicht verpachten will, wird das Windrad eben ein paar Meter weiter gebaut“, sagte Klein. „Enteignungen wird es nicht geben.“ Finanziell profitierten von den Anlagen die Betreibergesellschaft, die Grundstückseigentümer und die Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern. Es gebe auch Überlegungen, Bürgerenergie-Genossenschaften zu bilden.

Kritik gab es von Waldseern, die auf Aussiedlerhöfen wohnen, bei denen die Abstandsregel von 900 Metern nicht gilt. Sie fürchten, dass Lärm und ein Wertverlust ihrer Häuser auf sie zukommen. Andere Zuhörer ärgerten sich darüber, dass Windräder oft nicht liefen, weil die Netze überlastet seien und kein Strom eingespeist werden könne. Auch die Flächenversiegelung wurde angesprochen.

Bis zu 250 Güterzüge täglich

Ein Thema, das polarisiert, ist der geplante Ausbau der Güterbahntrasse von Rotterdam nach Genua. Teil des Projekts ist der Ausbau der Strecke zwischen Mannheim und Karlsruhe. Um zwei weitere Gleise zu errichten, werden derzeit von der Bahn auch linksrheinische Varianten geprüft. Wie Klein erklärte, würde die Trasse nach einer Teiluntertunnelung der Strecke zwischen Mannheim und Ludwigshafen dann bei Waldsee oberirdisch entlang der B9 verlaufen. Zwischen 6 und 22 Uhr sei täglich mit 250 Güterzügen zu rechnen. Besonders betroffen wären auch hier die Aussiedlerhöfe. Zusammen mit Otterstadt und der Stadt Speyer habe Waldsee ein Büro beauftragt, das Gründe sammele, warum die Trasse nicht hier verlaufen könne. Die Windräder nahe der Trasse könnten das Projekt nicht verhindern, entkräftete Klein einen Vorschlag der Zuhörer.

„Falls wir es nicht verhindern können, wollen wir das bestmögliche für uns herausholen“, betonte Ortsbürgermeisterin Claudia Klein. So wünschten sich die Zuhörer, dass die Strecke an Waldsee vorbei in einem Tunnel oder wenigstens in einem Trog verlaufen sollte, um den Lärm abzuschirmen. Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen, merkte an, dass die VG bei Klagen kein Anfänger sei.

Klage angestrebt

Was das Erdölprojekt betrifft, bei dem ein aus den Firmen Neptune Energy und Palatina GeoCon bestehendes Konsortium auf einem Acker nahe der Sandgrube Heberger nach Erdöl suchen will, streben die VG und die Ortsgemeinde Otterstadt bereits Klage gegen die Genehmigung des Hauptbetriebsplanes an. Die Ortsgemeinde Waldsee unterstützt das finanziell, weil sie höchstwahrscheinlich nicht als Klägerin zugelassen wird. Fragen zu diesem Thema gab es in der Einwohnerversammlung nicht.

Ganz am Anfang stehe man beim Thema Geothermie, befand Claudia Klein. Seismische Daten müssten noch ausgewertet werden. Wenn sich daraus ein geeigneter Standort ergebe, könnte ein Geothermiekraftwerk 2026 gebaut werden. Dessen vorrangiges Ziel wäre die Wärmeversorgung. Informationen ob, wo und wie viele Kraftwerke gebaut werden könnten, lägen noch nicht vor.

Könnte oberirdisch entlang der B9 verlaufen: die geplante Güterbahntrasse.
Könnte oberirdisch entlang der B9 verlaufen: die geplante Güterbahntrasse.
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