VG Rheinauen / Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Einsatzkräfte üben für Jahrhunderthochwasser

Wäre bei einem Jahrhunderthochwasser am Rhein besonders gefährdet: die rund 8000-Einwohner-Ortsgemeinde Altrip. Das Foto zeigt d
Wäre bei einem Jahrhunderthochwasser am Rhein besonders gefährdet: die rund 8000-Einwohner-Ortsgemeinde Altrip. Das Foto zeigt das Dorf im Jahr 2012 aus der Luft, im Hintergrund ist der Rhein zu sehen.

Die Verbandsgemeinde Rheinauen und der Rhein-Pfalz-Kreis proben am Wochenende gemeinsam den Katastrophenfall. Daran werden rund 300 Einsatzkräfte beteiligt sein. Simuliert wird ein Rhein-Hochwasser von mehr als neun Metern – dann könnte der Deich überspült und Altrip überflutet werden.

In Altrip gibt es seit Jahrzehnten den Wunsch nach einer Katastrophenschutz- und Evakuierungsübung. Grund ist, dass die rund 8000 Einwohner zählende Ortsgemeinde in einer Rheinschleife und im Tiefgestade liegt. Hinzu kommt, dass ein etwa 1,5 Kilometer langes Deichstück zwischen Waldsee und Altrip noch nicht für ein extremes Hochwasser ertüchtigt ist und die Gefahr besteht, dass das Schutzbauwerk bei einem statistisch gesehen alle 200 Jahre auftretenden Hochwasser überspült wird und dabei auch brechen kann. Dann würde Altrip innerhalb weniger Stunden überflutet werden. Der Feuerwehr sei diese Gefahr schon immer bewusst, sagt Patrick Fassott (SPD).

Der Altriper ist seit drei Jahren Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen und damit Chef der Freiwilligen Feuerwehr. Im Ernstfall wäre er bis zu einem gewissen Zeitpunkt Leiter des Einsatzes und möchte sich daher gemeinsam mit seinem Team mit der Übung auf den Katastrophenfall vorbereiten. An seiner Seite steht Michael Jaspers, er leitet ehrenamtlich die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Rheinauen. Der Wehrleiter hat das Szenario für die Großübung realistisch erarbeitet und mit der Deichmeisterei der SGD Süd abgestimmt, die am Wochenende ebenfalls eingebunden ist.

Krisenstäbe auf zwei Ebenen

Das Szenario sieht laut Jaspers wie folgt aus: Innerhalb dieser Woche wird für den Rhein ein steigender Pegel prognostiziert. Am Freitag wird der rheinland-pfälzische Hochwassermeldedienst einen Wasserstand von deutlich mehr als neun Metern innerhalb der nächsten drei Tage voraussagen. Aufgrund der Prognose wird am Freitag ab 13 Uhr ein örtlicher Krisenstab in der Verbandsgemeindeverwaltung in Waldsee einberufen. An der Spitze dieses Stabs stehen grundsätzlich Bürgermeister Fassott, der letztlich die Entscheidungen trifft, sowie Wehrleiter Jaspers und dessen Stellvertreter Ralf Schnabel, die den Bürgermeister beraten. Im Fall der Übung wird Jaspers die Einsatzleitung jedoch an eine andere Führungskraft der Feuerwehr abgeben, weil er die Übung konzipiert hat. Dem Stab gehören laut Fassott außerdem sein Stellvertreter, der Beigeordnete Toni Krüger (Grüne), der Leitende Beamte Detlef Schneider sowie weitere Führungskräfte, deren Stellvertreter und Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt, der Meldebehörde, den Gemeindewerken sowie aus dem Personal- und Kommunikationsbereich der Verbandsgemeindeverwaltung an.

Gleichzeitig kommt im Katastrophenschutzzentrum in Schifferstadt der Krisenstab des Rhein-Pfalz-Kreises zusammen, an deren Spitze Landrat Clemens Körner (CDU), der ehrenamtliche Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Rainer Schädlich als sein Berater, dessen Stellvertreter Axel Fischer sowie die Leitende staatliche Beamtin des Kreises, Christiane Blum-Magin, stehen. Genau wie eine Ebene tiefer in der Verbandsgemeinde Rheinauen gehören auch weitere Mitarbeiter aus Fachbereichen der Kreisverwaltung zum Verwaltungsstab.

Da ein solches Rheinhochwasser nicht nur die Verbandsgemeinde Rheinauen betreffen würde, sondern im Rhein-Pfalz-Kreis auch die Rheinanlieger Bobenheim-Roxheim im Norden und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen im Süden, laufen im Krisenstab des Kreises die Fäden zusammen. „Wir simulieren in der Theorie, was dann in Bobenheim-Roxheim und in Römerberg-Dudenhofen passieren würde und üben praktisch in der Verbandsgemeinde Rheinauen“, fasst Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Rainer Schädlich zusammen.

Deichabschnitt gesperrt

Diese Praxis sieht nach Planung von Rheinauens Wehrleiter Michael Jaspers mehrere Szenarien vor. Ihnen müssen sich die Einsatzkräfte von Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreis, dem Rettungsdienst, der DLRG aus Neuhofen, des Technischen Hilfswerks aus Ludwigshafen, der Bundeswehr und der Polizei am Samstag stellen. Auf dem Gelände der Firma Rohr an der Schlicht zwischen Neuhofen und Waldsee kommt erstmals das Sandsackfüllgerät der Verbandsgemeinde unter voller Auslastung zum Einsatz. Die dort gefüllten Sandsäcke werden an das Deichstück zwischen Waldsee und Altrip transportiert und auf dem Deich verbaut. Dadurch soll das Schutzbauwerk, dem für ein extremes Hochwasser eine Höhenreserve von 80 Zentimetern fehlt, erhöht werden. Des Weiteren wird in der Maxschule in Altrip mit 25 Statisten die Evakuierung eines Altenheims geübt.

Wegen der Übung werden in der Verbandsgemeinde Rheinauen mehr als 50 Einsatzfahrzeuge unterwegs sein. Der Deichabschnitt zwischen dem Restaurant Rheinblick bei Waldsee und der Straße Am Horren in Altrip sei am Samstag für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Jaspers betont aber auch, dass am gesamten Deich in der Verbandsgemeinde etwas passieren könne, was die Einsatzleitung und die Kräfte vor Ort jetzt noch nicht wissen und auf das sie reagieren müssen.

Sowohl Landrat Clemens Körner und Rheinauens Bürgermeister Patrick Fassott als auch BKI Rainer Schädlich und Wehrleiter Michael Jaspers sprechen von einem Stresstest für die Verwaltungsstäbe und Einsatzkräfte. Bürgermeister Fassott möchte vor allem Erfahrungen sammeln und ist gespannt auf die Zusammenarbeit mit dem Kreis. Denn während der Übung wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Lage so groß wird, dass der Kreis die Einsatzleitung übernimmt. Landrat Körner geht davon aus, dass nicht alles reibungslos laufen wird. Er sieht darin aber Vorteile: „Man lernt mehr daraus, als wenn alles gut läuft.“ BKI Schädlich will die Erfahrungen aus der Übung ebenfalls nutzen, um den Katastrophenschutz im Kreis weiterzuentwickeln.

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