Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Anschaffung mit Folgen – Eine Hundeexpertin klärt auf

Nicht nur die Kosten, sondern auch die Zeit und Fürsorge für einen Hund werden häufig unterschätzt, sagt Hundetrainerin Jennifer
Nicht nur die Kosten, sondern auch die Zeit und Fürsorge für einen Hund werden häufig unterschätzt, sagt Hundetrainerin Jennifer König.

Viele Hunde landeten nach Corona im Tierheim. Jennifer König aus Neuhofen will das vermeiden – und plädiert im Interview sogar für verpflichtende Kurse vor der Anschaffung.

Frau König, was löst bei Ihnen das Wort „Corona-Hund“ aus?
Es macht mich traurig, weil es zeigt, wie viele Hunde unüberlegt angeschafft wurden, nur weil es in der Situation gerade passte. Leider leben viele dieser Hunde jetzt in Tierheimen, weil die Menschen mit der Verantwortung überfordert sind.

Sich einen Hund anzuschaffen, ist eine lebensverändernde Entscheidung. Was sind für Sie gute Gründe dafür?
Viele, die sich einen Hund anschaffen wollen, wollen das oft schon seit ihrer Kindheit. Und dann ist der passende Zeitpunkt im Leben da. Andere suchen einen Begleiter, der sie motiviert, mehr Zeit draußen zu verbringen. Beides sind gute Gründe, reichen aber alleine nicht aus.

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Und was sind keine guten Gründe?
Es unüberlegt zu tun, weil es im Moment scheinbar passt oder gerade Mode ist. Oder wenn sich Elternteile von ihren Kindern überrumpeln lassen, einen Hund anzuschaffen, sie es aber gar nicht wollen oder eben nicht in der Lage dazu sind.

Was unterschätzen angehende Hundehalter am meisten?
Die Kosten und den Zeitaufwand. Die Anschaffungskosten sind die geringsten. Der Hund muss geimpft werden, wird mal krank, braucht Essen, vielleicht auch Urlaubsbetreuung. Dann sind da noch die Hundesteuer, Versicherungen und so weiter. Auch die Zeit, die das Tier erfordert, wird oft nicht bedacht. Ein Hund braucht täglich Auslauf, auch bei schlechtem Wetter oder wenn man mal unmotiviert ist. Auch muss Zeit für die Erziehung und für Zuwendung eingeplant werden. Und woran oft überhaupt nicht gedacht wird, ist eine Regelung für den Fall, dass Paare sich trennen oder der Halter krank wird. Viele traurige Hundeschicksale wären vermeidbar, wenn man sich früher Gedanken über all das machen würde.

Genau da setzt Ihr Kurs „Erst der Kurs, dann der Hund“ an, den Sie auch schon vor der Corona-Pandemie gehalten haben. War das eine Herzensangelegenheit von Ihnen?
Ja, auf jeden Fall. Ich möchte den Menschen bewusst machen, was es bedeutet, einen Hund zu halten. Und das, bevor sie sich dieses Lebewesen anschaffen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten und die Zeit, sondern auch um die Frage, ob man dem Hund ein artgerechtes Leben bieten kann.

Konnten Sie dadurch schon so manches traurige Hundeschicksal vermeiden?
Ich denke schon, denn einige Teilnehmer haben nach dem Kurs entschieden, sich keinen Hund oder eine andere Rasse anzuschaffen – und das ist für mich schon ein Erfolg. Lieber so, als dass ein Hund später im Tierheim landet.

Da wäre es doch sinnvoll, wenn solche Kurse verpflichtend für jeden wären, der sich einen Hund anschaffen möchte, oder?
Absolut. Solche Kurse könnten helfen, viele Probleme zu vermeiden, weil sie Menschen frühzeitig auf die Herausforderungen vorbereiten. In meiner Hundeschule biete ich auch eine Beratung vor dem Hundekauf an. Aber das wird leider selten genutzt.

Gibt es typische Fehler, die neue Hundebesitzer machen?
Ein häufiger Fehler ist, dass sie sich für eine Rasse entscheiden, die nicht zu ihrem Lebensstil passt. Und sich dann darüber wundern, dass der Jagdhund jagen gehen möchte und sich der Herdenschutzhund nicht über Besuch freut. Auch werden Modehunde wie beispielsweise die Französische Bulldogge oft unüberlegt gekauft, obwohl diese Rasse aufgrund der Überzüchtung unter gesundheitlichen Problemen leidet. Es ist für unerfahrene Hundehalter auch nicht immer ratsam, sich einen Welpen anzuschaffen. Es sollte die Alternative eines erwachsenen Hundes, etwa aus dem Tierheim, in Betracht gezogen werden. Einen Welpen aufzuziehen, ist fast genauso aufwendig wie ein kleines Kind. Der Hund ist erst nach etwa drei bis vier Jahren erwachsen, davor kommt die Pubertät. Das hat schon so manchen Halter an seine Grenzen gebracht – wie überhaupt auch die Erziehungsarbeit. Ich empfehle auf jeden Fall, mit jedem Hund eine Hundeschule zu besuchen.

Der Hund ist schon ein faszinierendes Wesen. Es gibt auch viele Mythen und Geschichten, die vielleicht gar nicht stimmen: Stimmt es zum Beispiel, dass Hunde es riechen können, wenn man Angst vor ihnen hat?
Hunde haben eine erstaunliche Fähigkeit, unsere Körpersprache und Emotionen zu lesen. Sie reagieren sensibel auf unsere Gefühle und können spüren, wenn wir gestresst oder ängstlich sind. Sie können auch Veränderungen in unserem Geruch wahrnehmen – etwa wenn jemand schwitzt oder unter Stress steht. Was wiederum von Angstgefühlen ausgelöst werden kann. Und ja, dann können sie riechen, dass ein Mensch Angst hat. Ein Hund kann auch die Schwangerschaft seiner Besitzerin bemerken, bevor sie es weiß, denn aufgrund der Hormonumstellung riecht sie anders.

Und wie ist es mit der Aussage: Der Hund muss wissen, dass er im Rudel, also seiner menschlichen Familie, ganz unten in der Hierarchie steht?
Also erst einmal ist die Familie nicht sein Rudel. In einem Rudel sind nur artverwandte Lebewesen. Wir Menschen bilden eine soziale Gruppe mit dem Tier. Und in dieser muss der Hund schon wissen, wo sein Platz ist. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich immer zuerst durch die Tür gehe oder dass der Hund nicht auf die Couch darf. Es ist wichtig, dem Hund in der Erziehung Grenzen zu setzen, ihm klarzumachen, was erlaubt ist und was nicht. Als Hundebesitzer habe ich die Verantwortung und muss die Führung übernehmen. Und dadurch, dass der Hundebesitzer den Hund erzieht, wird dem Tier auch seine Stellung in der sozialen Gruppe bewusst. Der Besitzer ist sein Bezugspunkt.

Noch eine persönliche Frage: Was macht für Sie die Beziehung zu einem Hund so besonders?
Hunde sind für mich Sozialpartner. Sie schenken bedingungslose Zuneigung und Freude. Draußen in der Natur unterwegs zu sein, gibt mir Ruhe und Kraft. Und auch das Kuscheln mit Hunden hat etwas sehr Verbindendes – es fördert die Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten Bindungshormon. Sie bereichern das Leben enorm.

Noch Fragen?

Der Kurs „Erst der Kurs, dann der Hund“ ist ein Einführungskurs zur Hundehaltung und soll künftige Hundehalter vorbereiten und vor allem die Entscheidung für oder gegen einen Hund erleichtern und den passenden Hund zu finden. Der Kurs findet an vier Montagen statt: 27. Oktober, 3. November, 17. November und 24. November 2025, jeweils von 18.30 bis 20 Uhr in der Realschule Limburgerhof (Neuhofener Straße 81d).

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