Dudenhofen
Eine Amerikanerin in Dudenhofen
Die 17-jährige Morgan Speicher kommt aus der rund 20.000-Einwohner-Kleinstadt North Ogden im durch weite Wüstenlandschaften geprägten US-Bundesstaat Utah. Der 17-Jährigen sind deshalb in Deutschland gleich die vielen Bäume positiv aufgefallen. „Es regnet viel“, fügt Speicher noch hinzu, die bereits etwas Deutsch spricht. Die Sprache hat sie in der Highschool gelernt. In Speyer besucht sie während ihres Deutschlandaufenthalts die elfte Klasse des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums. Die Schüler und die Lehrer seien sehr nett. Sie habe schnell Freunde gefunden, die ihr helfen. Schwer falle ihr dagegen, den Unterricht zu verstehen. Denn die Aussprache sei manchmal unverständlich und durch Dialekt geprägt sowie die Handschrift manchmal schwer zu entziffern, sagt die 17-Jährige und lacht.
Ihren Highschool-Abschluss in Amerika hat sie bereits in der Tasche, einen Collegeplatz ebenfalls schon sicher. Was sie studieren werde, stehe allerdings noch nicht fest. Sie wollte mal Ärztin werden, aber das sei doch nichts für sie, sagt die junge Frau. Nun könnte sie sich als Ingenieurin oder in einem Beruf mit Tieren vorstellen. Die 17-Jährige hat selbst eine Katze zu Hause. Das College sei in Amerika aber sehr teuer, deshalb hofft Morgan Speicher auf ein Stipendium.
Der Deutschland-Aufenthalt ist Teil eines Förderprogramms von US-Congress und Deutschem Bundestag. Ihr Lehrer habe ihr vor etwas mehr als einem Jahr empfohlen, sich für das Programm zu bewerben. Die 17-Jährige wollte neue Erfahrungen sammeln, einen anderen Lebensstil kennenlernen und ihre Deutschkenntnisse verbessern, deshalb hat sie sich im August 2020 angemeldet und im Mai dieses Jahres die Zusage erhalten. Sie sei so glücklich gewesen, als sie den Brief in der Hand gehalten habe. Ihre Schwester und ihre Eltern hätten sich sehr gefreut. Heimweh habe sie nicht, sagt Morgan Speicher. Nur ihre Katze, ihre Mutter und ihre Schwester, zu denen sie eine sehr enge Verbindung habe, vermisse sie manchmal.
Mit Kindern Vokabeln lernen
Zu ihrer Dudenhofener Gastfamilie – die Familie Beck – hat Morgan Speicher direkt einen Draht gefunden. Gastvater Christian Beck war vor mehr als 30 Jahren selbst für sechs Wochen als Austauschschüler in Amerika. An den Aufenthalt in Nebraska hat der 53-Jährige jedoch eher negative Erinnerungen. „Es war ein Horror-Trip. Es war am Ende der Welt, überall nur Kornfelder und stinklangweilig“, sagt Beck. Vom Besuch der Amerikanerin erhofft er sich nun, dass sein elfjähriger Sohn und seine 14-jährige Tochter ihre englische Aussprache verbessern und ihren Wortschatz erweitern.
Christian Beck will der 17-jährigen Amerikanerin aber auch etwas bieten. „Bei uns wird es ihr nicht langweilig“, sagt der Dudenhofener. Bisher standen bereits Besuche in Speyer, im Dom und der Krypta an, geplant sind noch Ausflüge ins Technikmuseum, in den Europapark sowie in den Pfälzerwald. Christian Beck hat auch daran gedacht, mit Morgan Speicher beim FV Dudenhofen vorbeizuschauen, und wünscht sich, dass sie auch mal pfälzische Spezialitäten wie Mettbrötchen probiert. Da lacht Morgan Speicher, denn so ganz überzeugt ist sie nicht. Die Konsistenz sei etwas seltsam, sagt die 17-Jährige. An Schnitzel, Spätzle und Flammkuchen hat sie dagegen Gefallen gefunden. Und das Brot sei auch viel besser als in ihrer Heimat. Hier gebe es viel mehr Bäckereien, sagt die Amerikanerin, die anschließend über die etwas gewöhnungsbedürftigen Essgewohnheiten ihrer Landsleute berichtet, die viele verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen. Sie berichtet zum Beispiel von Käse aus der Tube.
Was in ihrer Heimat ebenfalls üblich ist, sei überall mit dem Auto hinzufahren. Es wäre aber auch sehr weit, alles mit dem Fahrrad zu fahren - und sehr anstrengend, weil es hügeliger ist, sagt Morgan Speicher und lacht. Der 17-Jährigen macht das allerdings nichts aus, denn sie war Teil einer Mountainbike-Mannschaft ihrer Highschool und freut sich, auch in Deutschland mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können.
Während ihres Aufenthalts wird Morgan Speicher noch Köln und die Hauptstadt Berlin besuchen. Mit Politik hat sie nicht so viel am Hut. Interessiert hat sie sich jedoch den Stimmzettel zur deutschen Bundestagswahl mit den 47 Parteien angeschaut. In Amerika gebe es lediglich die Wahl zwischen zwei großen Parteien – Demokraten oder Republikaner, sagt die 17-Jährige. Zur amerikanischen Gesellschaft hat sie eine klare Meinung. Sie sei sehr gespalten, sagt die junge Frau. Die Corona-Pandemie habe verstärkt, dass die Menschen nicht mehr fair miteinander umgehen, sondern sehr hart diskutieren, bei ihrer Meinung bleiben und die Meinung des anderen gar nicht mehr hören wollten. In ihrem Heimatstaat Utah, der republikanisch und von den Mormonen geprägt sei, seien viele Menschen mit Vorurteilen aufgewachsen. „Es gibt viel zu reparieren. Ich weiß nicht, ob das zu schaffen ist“, sagt die 17-Jährige.