Rhein-Pfalz Kreis Ein neuer Impulsgeber

«Fussgönheim.» Loslassen kann schwierig sein. Und so nutzt Marie-Luise Klein (SPD) an diesem Abend noch einmal die Gelegenheit, ihre 20 Jahre als Fußgönheimer Ortsbürgermeisterin Revue passieren zu lassen. Schließlich sei sie seit Anfang Juni noch geschäftsführend im Amt – und sei damit zu Beginn der ersten Sitzung des neuen Ortsgemeinderats im Bürgerhaus noch dessen Vorsitzende. Ihren Abschied kostet sie aus. Und zelebriert ihn. Ein bisschen mehr als eine halbe Stunde lang verbindet Klein die Verabschiedung ausscheidender Ratsmitglieder, die Verpflichtung der neuen und die Vereidigung ihres Nachfolgers Jochen Schubert (FWG) in erster Linie mit ihrem ganz persönlichen Rückblick. Meistens sei es doch eine konstruktive Zusammenarbeit gewesen, sagt Klein, die 1999 zur Ortsbürgermeisterin gewählt wurde und seit 30 Jahren im Rat sitzt. Man sei „stets bemüht gewesen, ordentlich zu wirtschaften“. Bei kontroversen Diskussionen in den Gremien hätten sich die unterschiedlichsten Mehrheiten herausgebildet. Ihre Versprechen aus zwei Jahrzehnten habe sie „weitgehend eingelöst“. Davon ist Klein überzeugt. „Heute profitieren wir von steigenden Gewerbesteuereinnahmen“, sagt Klein, die erkannt hat, dass ein langer Atem nötig ist, vor allem um Verkehrsprobleme anzugehen – Stichwort Radewege und Pfalzmarktweg. Eine Sache jedoch nagt an ihr: das Ende des gemeindeeigenen E-Werks. Mit dessen endgültiger Auflösung habe sich Fußgönheim einer Möglichkeit beraubt, auf kommunaler Ebene Möglichkeiten gegen den Klimawandel zu erarbeiten. Klein erinnert sich an einen Satz, der ihr zum Amtsantritt gesagt wurde: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Diesen Satz gibt sie nun an Schubert weiter. Ihren Nachfolger nennt sie den neuen „Impulsgeber der Gemeinde“. Der verzichtet auf die ganz große Antrittsrede. „So. Jetzt geht es weiter mit dem Bürgermeister Jochen Schubert“, sagt er, „die Nervosität ist da.“ Und die ist ihm in seiner ersten Sitzung auch ein wenig anzumerken. Bloß keine Fehler machen, lautet der Plan. Aber die Lockerheit wird kommen. Zehn Tage nach seinem Sieg in der Stichwahl ist Jochen Schubert nun im Amt angekommen. Zumindest offiziell. Denn für eine komplette Übergabe war die Zeit doch sehr knapp. Klein habe ihn „über die wichtigsten Dinge in Kenntnis gesetzt“, sagt sie – und ihm viele E-Mails weitergeleitet. Mehr als 20 Vorgänge seien derzeit am Laufen. „Ich glaube, der Sommerurlaub ist gestrichen“, sagt Klein. Bei ihr selbst ist das nun anders. Sie hat wieder mehr Zeit – der Job der Ortsbürgermeisterin sei zu viel Aufwand, weshalb sie nicht mehr kandidiert habe. „Das kann ich nicht mehr leisten“, sagt sie, „denn ich habe eine Familie, die mich mehr denn je braucht.“ Aber loslassen ist eben so eine Sache. Die ehemalige Ortsbürgermeisterin bleibt weiterhin im Rat. Und ist nun die stellvertretende Sprecherin ihrer SPD-Fraktion.