Neuhofen
Ein Burger-Macher
Ossama Jakabli ist ein Macher. Und Schaffer. Kurz vor der Spätschicht, oder wenn er von der Frühschicht kommt – er arbeitet im Wörther Mercedes-Benz-Werk – führt ihn sein Weg zunächst nach Speyer in die Metzgerei Heiss. Dort begutachtet er das Fleisch für seine Burger: „Ich will, dass die Qualität stimmt. Also schaue ich beim Wolfen und Würzen zu. Jeden Tag.“ Jakabli legt nicht nur Wert auf Qualität, sondern auch auf Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung in der Region.
Den Salat und das Gemüse bezieht er vom Minimarkt gegenüber seines Ladens. Und die Burgerbrötchen kommen vom Speyerer Bäcker Müller. „Sechs Wochen lang haben wir zusammen getüftelt, damit die Konsistenz und der Geschmack stimmen“, erinnert sich der 37-Jährige, der 1985 mit seinen Eltern aus dem Libanon nach Waldsee kam. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin Nadine Fischer in Speyer, zuvor hat er auch vier Jahre in Neuhofen gewohnt.
Keine Frage, Jakabli hat eine Menge Energie. Und Mut. Wer übernimmt schon einen Gastronomiebetrieb in Zeiten von Ausgangssperren und anderen Corona-Einschränkungen, die ein soziales Miteinander erschweren? „Wir hatten Ende 2020 Kurzarbeit in Wörth“, sagt Jakabli. „Da habe ich meinen Kumpel Giuseppe Schumacher gefragt, der die ,Essbar’ von den Vorinhabern übernommen hatte, ob er nicht ein bisschen Hilfe gebrauchen könnte. Ich koche nämlich gerne, und, wie man mir nachsagt, auch gut“, sagt er. Nach und nach verlagerte sich der Schwerpunkt immer mehr weg von den Tagesessen hin zu den Burgern – und aus der Essbar wurde Peppe’s Burger. Weil Giuseppes Spitzname Peppe ist.
Auge für die Umwelt
Im Januar dieses Jahres übernahm Jakabli als alleiniger Inhaber den Laden an Neuhofens belebtester Kreuzung von Jahn-, Rott- und Rehbachstraße. Manchmal kann er es selbst nicht fassen, wie die Nachfrage explodiert ist: „Ein bisschen Bammel hatte ich am Anfang schon“, gibt er zu. Inzwischen beschäftigt Peppe’s Burger neun Fahrer und vier Küchenhilfen. Ossama Jakabli und Nadine Fischer, sie ist im Hauptberuf zahnmedizinische Fachangestellte, packen überall da an, wo gerade eine Hand gebraucht wird.
Vor Kurzem sind die neuen Speisekarten fertig geworden, gedruckt auf recyceltem Papier. Denn auch der Umweltaspekt spielt eine wichtige Rolle in Jakablis Betrieb: So gibt es alle Getränke in Pfand- und bis auf eine Ausnahme in Glasflaschen. Die Verpackungen der Burger bestehen aus Karton, der sich wie ein Teller aufklappen lässt, und auch die Salatboxen sind inzwischen aus Papier. „Die Deckel leider noch nicht. Ich frage mich, warum eigentlich? Aber daran werde ich noch arbeiten. Umweltschutz – das macht man einfach“, sagt Jakabli.
Weitere Filialen geplant
Er sieht sich als den typischen Dorfbewohner, der Kontakte pflegt und mit den Menschen zusammenarbeitet. Sich in die Gemeinschaft einzubringen liegt ihm definitiv am Herzen. Seit Anfang des Jahres gibt es bei Peppe’s Burger die Aktion „Jeder hat eine warme Mahlzeit verdient“. „Mir geht es gut, und das möchte ich mit anderen teilen“, betont Ossama Jakabli. „Zu uns kann jeder kommen, der sich keine warme Mahlzeit am Tag leisten kann. Wir prüfen das nicht nach, das geht auf Vertrauen. Leider sind bisher noch nicht so viele gekommen, wie ich es mir erhofft hatte. Möglicherweise ist bei vielen Menschen, die unverschuldet in wirtschaftliche Not gekommen sind, die Scham groß“, vermutet Jakabli. Zudem will er, wenn es wieder möglich ist, das „School-out-Camp“ in Speyer mit Burgern versorgen. Der Bruder seiner Lebensgefährtin leitet dieses Fußballcamp für Kinder in den Ferien. Auch die Freiwillige Feuerwehr Neuhofen hat er im Auge: „Sie machen großartige Arbeit, das möchte ich mit einem kostenlosen Burgeressen einmal im Monat, wenn sie ihre Übung abhalten, unterstützen“, kündigt Jakabli an.
Pläne, wie sich Peppe’s Burger weiterentwickeln soll, gibt es längst: „Wir möchten unser Burgersortiment ausbauen und die Wünsche unserer Kunden umsetzen. Zum Beispiel vegane Burger. Veggieburger haben wir ja schon. Allerdings sind die Pattys zugekauft.“ Noch. Doch hier will er sich schlau machen, ob er die nicht selber machen kann. In vier Wochen soll es eine eigene App geben, die es allen Burgerfans schnell und einfach ermöglicht, direkt bei ihm zu bestellen. Obendrein soll Peppe’s Burger wachsen: Kumpel Giuseppe „Peppe“ Schumacher arbeitet bereits an der Einrichtung weiterer Filialen in Speyer und Germersheim. Der Region schmeckt also das Konzept. Es sind aber auch die kleinen Gesten, die die Menschen an den Laden binden und wiederkommen lassen. So steht auf jeder Burgertüte „Guten Appetit“ mit dem Namen des Bestellers und ein Smiley. Mit der Hand geschrieben.