DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Bestattungswagen macht denn Anfang für die Bürgerstiftung

Dudenhofen: Mit Mitteln aus der Bürgerstiftung werden Initiativen im Ort gefördert.
Dudenhofen: Mit Mitteln aus der Bürgerstiftung werden Initiativen im Ort gefördert.

Die erste Bürgerstiftung in Deutschland wurde 1996 in Gütersloh gegründet. Heute hat bundesweit etwa die Hälfte der Bevölkerung als Stifter, Spender oder Antragsteller auf Unterstützung Zugang zu einer Bürgerstiftung. In Dudenhofen installierte sie im Mai 2008 der damalige Ortsbürgermeister Clemens Körner (CDU) mit dem Ziel, lokale Aktionen, Projekte, Veranstaltungen zu fördern. Grundstock war das Vermächtnis von Georg Nuss.

In seinem 1921 abgefassten Testament – er verstarb 1932 – vermachte der Dudenhofener Georg Nuss einen Acker der katholischen Kirche und das gesamte übrige Vermögen, in der Hauptsache bewirtschaftete Felder, der Gemeinde. Auflage war, dass Grund und Boden nicht verkauft werden dürfen. Über die Einnahmen aus den Verpachtungen sollte der Fahrer des Leichen-Bestattungswagens bezahlt werden. Diesen hatte 1913 der Fabrikant Walter beim Stellmacher Lenhard in Auftrag gegeben und der Gemeinde gestiftet. Ein an der inzwischen restaurierten Kutsche angebrachtes Messingschild bezeugt ihr Alter.

Lange Zeit bahrte man die Verstorbenen drei Tage zu Hause auf. Am Tag der Beisetzung wurden die Toten mit dem Leichenwagen in Begleitung der Trauergemeinschaft vom Haus zum Friedhof gefahren. Zum letzten Mal im Juni 1960. Die Gemeinde rangierte den Wagen aus, ließ ihn 2010 in 300 Stunden Arbeit wieder herrichten und stellte ihn in der alten Leichenhalle unter.

Aktuell beträgt das Vermögen der Bürgerstiftung aus dem Vermächtnis der Georg-Nuss-Stiftung und einer Spende von Carl Zimmermann rund 30.000 Euro. Wie viel Geld jährlich aus den Zinsen, Pachteinnahmen und Zuwendungen ausgeschüttet wird, konnte Tanja Bachmeier, die zuständige Mitarbeiterin der Verbandsgemeindeverwaltung, nicht sagen: „Es kommt darauf an, ob zusätzliche Spenden eingegangen sind und im Vorjahr der ganze Überschuss verteilt wurde.“

Über die Adressaten und die jeweilige Höhe entscheidet der Stiftungsrat in halbjährlichen Zusammenkünften. Vorsitzender ist Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD). Neun Mitglieder werden für die Dauer von fünf Jahren durch den Ortsgemeinderat berufen. Bei der letzten Wahl waren das Elke Sprau, Gustav Adlhoch (beide Hooks Stellvertreter), Margit Reichelt, Laura Fauß, Emil Münzer, Klaus Klein, Jürgen Traxel, Matthias Röver und Manfred Hook.

Von Sport bis Brauchtum

Anträge auf Bezuschussung können Vereine, Institutionen, aber auch Einzelpersonen im Rathaus bei Mathias Eichberger oder Tanja Bachmeier einreichen. Auf konkrete Beispiele aus den vergangenen Jahren zur Orientierung möglicher Antragsteller wollte sich Bachmeier nicht festlegen: „Zweck der Stiftung ist es, das Gemeinwesen der Ortsgemeinde zu stärken, gemeinsame bürgerliche Verantwortung zu unterstützen und Kräfte der Innovation zu mobilisieren“, sagte sie.

Gefördert werden sollen Initiativen in folgenden Bereichen: Bildung, Erziehung und Sport; Jugend-, Familien- und Altenhilfe; Kultur, Kunst und Denkmalpflege; Umwelt- und Naturschutz sowie Landschaftspflege; Heimatpflege und Brauchtum; mildtätige Zwecke. Die Förderung ist dabei beschränkt auf örtliche Einrichtungen in Dudenhofen.

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