Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Eh-da-Flächen: „Kostengünstiger Naturschutz“

An einer der fünf neuen Infotafeln: (von links) Günther Lupatsch, die Bauhofmitarbeiter Josef Hillenbrand und Markus Neubauer so
An einer der fünf neuen Infotafeln: (von links) Günther Lupatsch, die Bauhofmitarbeiter Josef Hillenbrand und Markus Neubauer sowie Otto Berthold und Christoph Künast, die sich um die Eh-da-Flächen kümmern. Im Hintergrund links sind an der Mannheimer Straße Hecken mit Biotopholz zu sehen – ein Lebensraum für Insekten und Tiere.

Flächen, die „eh da“ sind, zugunsten von Insekten und anderen Tieren ökologisch aufzuwerten, ist das Ziel der bundesweiten Eh-da-Initiative. In Otterstadt hat das Projekt Fahrt aufgenommen. Der Erfinder erklärt, an was sich die Bürger dabei gewöhnen müssen.

Der Startschuss fiel vor rund drei Jahren, nachdem Projekt-Erfinder Christoph Künast, der seit mehr als 30 Jahren in Otterstadt lebt, und der Verein für Heimatpflege und Naturschutz (VHNO) an Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) herangetreten waren und der Rat zugestimmt hatte, ungenutzte Grünflächen an Straßen und Fußwegen in sogenannte Eh-da-Flächen umzuwandeln. Das bedeutet, dass auf Böschungen, Dämmen, Gemeindegrün und unbewirtschafteten Zwickeln in der Landwirtschaft bienen- und insektenfreundliche Blühmischungen ausgebracht, Hecken gepflegt, Bienenhotels errichtet und Kleingewässer erhalten werden. Dadurch entstehe ein Netz von Lebensräumen, das auch zum Biotopverbund mit den bereits vorhandenen artenreichen Lebensräumen wie dem Rheinhauptdeich, dem Naturschutzgebiet Böllenwörth und dem Biotop Oberlache zwischen Otterstadt und Waldsee beitrage.

Schauflächen am Königsplatz

Billiger sei Naturschutz fast nicht möglich, sagt der promovierte Biologe Künast. Und Günther Lupatsch ergänzt, dass das Teuerste die zuletzt aufgestellten fünf Infotafeln gewesen seien, die insgesamt 1500 Euro gekostet hätten. Künast und Lupatsch fungieren mit Otto Berthold, Vorsitzender des VHNO, Beate Satzer und Harald Engert als ehrenamtliche Eh-da-Paten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, geeignete Flächen in Zusammenarbeit mit der RLP AgroScience aus Neustadt zu finden, zu katalogisieren und zu betreuen. Die Pflege übernehmen die Bauhofmitarbeiter Josef Hillenbrand und Markus Neubauer, die in dieser Woche auf einem Teil der insgesamt 6,6 Hektar Saatmischungen mit Wildkräutern und Blühpflanzen ausgebracht haben. „Jetzt fehlt nur noch der Regen, damit die Saat angeht“, sagt Hillenbrand. Im Mai ist vorgesehen, die Rondelle auf dem Königsplatz mit bienenfreundlichen Blumen zu bepflanzen und mit kleinen Schildern zu versehen, um Bürger zu animieren, solche Pflanzen auch in ihren Garten zu setzen.

Unordnung gewollt

Während die Schaubeete am Königsplatz Eh-da-Flächen mit besonderem Anspruch seien, wie Lupatsch sie wegen ihrer Lage mitten im Ort bezeichnet, müssen sich die Menschen daran gewöhnen, dass andere Eh-da-Flächen nicht unbedingt ordentlich aussehen. „Viele Bürger finden Blüten toll. Es braucht aber mehr. Raupen sitzen gerne auf Brennnesseln und die mag keiner. Aber ohne Raupen gibt’s keine Schmetterlinge“, macht Künast deutlich. Zum Schutzkonzept, das zahlreiche weitere Gemeinden wie etwa Altrip anwenden, gehört auch, dass Wiesen erst nach der Blüte gestaffelt, also abschnittsweise zu verschiedenen Zeiten, gemäht werden und abgestorbenes Holz in Hecken liegen bleibt, damit sich Larven darin entwickeln können.

In den kommenden zwei, drei Jahren wollen die Eh-da-Paten und Bauhofmitarbeiter laut Markus Neubauer Erfahrungen sammeln und das Netz an Flächen dann noch erweitern.

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