DUDENHOFEN / MUTTERSTADT Edamame-Pionier: Asiatische Bohne mag Pfälzer Klima
Die „Bohne am Stiel“ ist seit vielen Jahrhunderten ein fester Bestandteil der traditionellen japanischen und chinesischen Küche. Mittlerweile gibt es aber auch in Europa immer mehr Fans der Hülsenfrucht – und Landwirt Thomas Reeb aus Dudenhofen ist einer der ersten, der sie hier anbaut. „Diese Gemüseneuheit schmeckt nussig-süßlich, ist gesund und kann sich – als nachwachsende Fleischalternative aus dem Gemüsegarten Pfalz – künftig auch sehr positiv auf das Klima auswirken“, heißt es in einer Mitteilung der Pfalzmarkt-Erzeugergemeinschaft mit Sitz in Mutterstadt über das neue Produkt eines ihrer Erzeuger.
Um den Vegetationsverlauf sowie den Anbau zu testen und gleichzeitig mit den Partnern im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie ins Gespräch zu kommen, wurden in der laufenden Saison zunächst auf 1,5 Hektar sechs unterschiedliche Sorten angebaut. Die Aussaat erfolgte zeitversetzt und an unterschiedlichen Standorten. „Wir haben sehr viele Erfahrungen für den schrittweisen Markteinstieg in den Folgejahren gesammelt. Persönlich bin ich positiv überrascht, wie reibungslos der Versuchsanbau bislang geklappt hat“, berichtet Thomas Reeb.
Nachfrage dank Vegan-Trend
Edamame gelten laut Pfalzmarkt derzeit als Trendsetter. Aktuell seien die Bohnen aber in Deutschland meist nur tiefgekühlt erhältlich. In der Gastronomie – beispielsweise in Sushi-Restaurants – seien die Hülsenfrüchte nicht mehr wegzudenken. Die steigende Verbrauchernachfrage nach vegetarischen und veganen Grundnahrungsmitteln führe dazu, dass es auch für erntefrische Edamame aus der Pfalz einen vielversprechenden Markt gebe, in den die hiesige Landwirtschaft schrittweise einsteigen will. Für Reinhard Oerther, Vertriebsvorstand bei Pfalzmarkt ist „Edamame ein schönes Beispiel, wie nachhaltig wir uns als Marktführer für selbst erzeugtes Obst und Gemüse mit dem Thema Innovationen beschäftigen“.
Die zu den eiweißreichsten Kulturpflanzen zählende Edamame fänden in der Pfalz nahezu ideale Wachstumsbedingungen vor, teilt der Pfalzmarkt mit. Das Saatgut für das sogenannte „Gartensoja“ komme ab Frühjahr etwa vier bis fünf Zentimeter tief in den Boden. Wichtig seien warme Temperaturen bei der Aussaat. Im weiteren Wachstumsverlauf bildeten sich dann an den Blattachseln kleine Blüten, die sich selbst bestäuben. Während Edamame bis zur Blüte mit relativ wenig Wasser auskomme, benötige die Pflanze danach mehr Nass. Während der Vegetationszeit von rund 100 Tagen entwickle sich Edamame zu buschigen, etwa 80 Zentimeter bis ein Meter hohen Pflanzen. Da die Pflanzen auf den Feldern um Dudenhofen ziemlich gleichmäßig abreifen, kann die erste Ernte im kommenden Jahr, wie Thomas Reeb erklärt, „voraussichtlich innerhalb eines Zeitkorridors von ein bis zwei Wochen und mit mehreren Pflückvorgängen durchgeführt werden“. Je nach Kulturverlauf werden die noch leicht unreifen Hülsen zwischen Mitte August und Anfang Oktober geerntet.
Aus der Schale zuzeln
Für den Verzehr sind laut Pfalzmarkt vor allem spezielle Sorten mit größeren Samen und dem typischen leicht süßlich-nussigem Geschmack gefragt. Traditionell würden nur die grünen Sojabohnen, die sich im Innern der Hülsen befinden, verzehrt. Klassisch seien Edamame in japanischen Restaurants eine Vorspeise: Die Bohnen werden mit Stiel in Salzwasser blanchiert und dann mit den Zähnen aus der Hülsenschale ausgezuzelt.