Hochdorf-Assenheim
Dorfentwicklung: Welche Ideen haben angehende Stadtplaner?
Immer wieder bekommen die Vertreter von CDU, FWG und SPD im Hochdorf-Assenheimer Rat oder seinem Bauausschuss Bauanträge auf den Tisch, in denen Bauherren zum Beispiel am liebsten in zweiter Reihe neue Wohnhäuser errichten oder ehemalige Scheunen in solche umwandeln wollen. Diesen Wünschen würden die Politiker oft gerne nachkommen, damit junge Menschen nicht wegziehen und sich vielleicht auch neue – bevorzugt junge – Familien in der Kommune niederlassen. Das führt wiederholt zu Diskussionen mit den Sachbearbeitern der Verwaltung der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim oder der Kreisverwaltung. Die weisen oft daraufhin, dass der gültige Bebauungsplan das eigentlich nicht erlaubt oder sich solche Vorhaben zu sehr von der Nachbarschaft abheben würden. Denn das Ortsbild werde etwa zur Hauptstraße hin noch immer von der Haus-Hof-Bauweise geprägt.
Diese recht starren Vorschriften möchten die Ratsmitglieder auflockern und zeitgemäße Bauvorhaben ermöglichen. Der Trend geht vor allem zu Wohnungen, die möglichst weit von der Straße entfernt sind – und damit vom Verkehrslärm. Gerade entlang der vielbefahrenen Hauptstraße, der Landesstraße 530, ist das ein nachvollziehbares Anliegen. Deswegen hat der Rat vor Jahren schon die Verwaltung beauftragt, den Ortskern zu überplanen und dafür grob vier Bereiche eingeteilt.
Impulse für den Nachbarort
Im benachbarten Dannstadt-Schauernheim haben die Ratskollegen die Innenentwicklung ebenfalls in Angriff genommen und sich Impulse von Studierenden der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern geben lassen. Der Hochdorf-Assenheimer Ortsbürgermeister Walter Schmitt (FWG) hat das Projekt verfolgt. „Die Idee, das auch in seiner Gemeinde zu machen, wurde nach der Abschlusspräsentation in Dannstadt-Schauernheim geboren“, verrät Professor Holger Schmidt gegenüber der RHEINPFALZ, wie es dazu kam, dass er mit seiner Truppe angehender Stadt- und Regionalplaner jetzt auch Hochdorf-Assenheim genau unter die Lupe nimmt, um Gestaltungsideen zu entwickeln. Der Vorteil für die Kommune ist, dass sie das Ganze nichts kostet. Die Studierenden bekommen im Gegenzug ein spannendes Projekt und praktische Erfahrung. Inzwischen sind sie auch schon im Dorf unterwegs. Denn wie in der Nachbargemeinde sollen sie die beiden Ortsteile Assenheim und Hochdorf persönlich kennenlernen – einschließlich der Menschen, die hier leben, und deren Wünschen.
„Ganz so viele wie damals in Dannstadt-Schauernheim sind es nicht“, erklärt Schmidt. Statt 46 seien diesmal nur 24 am Start. „Am 8. November hat uns der Ortsbürgermeister in Hochdorf-Assenheim empfangen, einige Beigeordnete und Bürger waren auch da. Da haben die Gruppen schon intensiv diskutiert, ihren Fahrplan vorgestellt und viele Hinweise von den Hochdorf-Assenheimern bekommen, was es zu beachten gilt“, erzählt Schmidt. Die Teammitglieder haben sich auch bereits mit zwölf Anwohnern getroffen und sich ausführlich mit ihnen unterhalten, um Hofporträts zu erstellen. So sollten sie verstehen lernen, wie man dort lebt, was die Stärken und Schwächen der Haus-Hof-Bauweise sind. In der Analysephase recherchieren die Vierer-Gruppen nun jeweils zu einem von sechs Themen.
Studierende sollen Ort kennenlernen
Vorgenommen haben sie sich laut Kursbetreuerin Antonia Lenz die Innenentwicklung der beiden Ortsteile, die bauliche Anpassung an den Klimawandel, die Marlach im Zusammenhang mit Wasserresilienz, Landwirtschaft und Verkehr sowie Daseinsvorsorge. „Wichtig ist Ortsbürgermeister Schmitt, dass die Studierenden den Ort sehr gut kennenlernen, ihn verstehen, nicht nur die Häuser sehen, sondern auch die Menschen“, ergänzt Schmidt. Ziel sei, Anregungen und Entwicklungsvorschläge zu erhalten, die auch realistisch sind und für die vielleicht unterschiedliche Varianten denkbar sind.
Noch vor Weihnachten sollen die Gruppen Schmidt, Lenz, dem Lehrbeauftragten Torsten Becker sowie Vertretern der Ortsgemeinde eine erste Zwischenpräsentation vorstellen. Im Januar werden sie die Konzepte ausarbeiten und Planungsvorschläge machen. Zum Schluss werde es eine Dokumentation in Form einer Ausstellung geben. In Dannstadt-Schauernheim sei das 2022 wegen Corona leider nicht möglich gewesen. Die Abschlusspräsentation musste damals online erfolgen, fand aber trotzdem guten Zuspruch. Die Ergebnisse werden dieses Mal bei einer größeren Veranstaltung am 15. Februar in Hochdorf-Assenheim präsentiert.
Wichtiger Lerneffekt
Für die Studierenden bestehe ein wichtiger Lerneffekt darin, die ganze Bandbreite an Themen kennenzulernen, die das Leben im Dorf ausmachen, und die Komplexität zu verstehen, betont Becker. Sie sollten begreifen, dass sie die verschiedenen Aspekte nicht einzeln betrachten, sondern als Teil eines größeren Ganzen. Der Lehrbeauftragte weiß, wovon er spricht: Er hat ein eigenes Planungsbüro in Frankfurt. „Damit bringt er den Praxisblick mit in die Lehre“, fügt Schmidt an. Nun ist das Trio gespannt, was am Ende herauskommt und wie kreativ die Gruppen ihre Themen umsetzen. Eins hat der Professor allerdings schon jetzt festgestellt: „Sie sind alle mit Herzblut dabei.“