Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Dorf will schöner werden: Visionen mit Haardtblick

Ort mit Haardtblick. Schon sehr schön. Aber drinnen, im Dorf, könnte die eine oder andere Ecke optimiert werden.
Ort mit Haardtblick. Schon sehr schön. Aber drinnen, im Dorf, könnte die eine oder andere Ecke optimiert werden.

Zu wenig Wohnraum, zu wenige soziale Treffpunkte, zu wenige Verweilmöglichkeiten: Wie und wo Dannstadt-Schauernheim attraktiver werden könnte, haben Studierende der TU Kaiserslautern recherchiert und daraus Ideen entwickelt. Ein Auszug.

„Das wäre ein Traum, ein echtes Highlight“, kommentiert Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) den Vorschlag einer Vinothek oder eines Schorle-Gartens am westlichen Rand des Ortsteils Dannstadt, neben der Kurpfalzhalle. Ein solches Lokal könnte die gastronomische Lücke in diesem Bereich schließen und Spaziergängern sowie Fahrradfahrern als Einkehrmöglichkeit dienen – garniert durch den Blick über die Felder bis hin zur Haardt. Und besonders bei Sonnenuntergang herrlich. „Wenn wir nur jemanden finden, der uns das bezahlt“, spielt Winkelmann auf die knappe Gemeindekasse als wohl größtes Hindernis für ein derartiges Projekt an.

Die Idee stammt von zwei Bürgern, die diese den Studierenden bei einer der Planungswerkstätten nannten. Die jungen Leute griffen die Anregung auf und entwickelten sie weiter, erstellten unter anderem Skizzen, wie so ein Schorle-Garten aussehen könnte. Mit den Planungswerkstätten haben die 46 Master-Studierenden, die sich in acht Gruppen verschiedenen Schwerpunkten wie eben dem Nordteil des Ortskerns Dannstadt widmeten, den Dannstadt-Schauernheimern Gelegenheit gegeben, sich einzubringen. Durch diese Beteiligung hätten die jungen Leute erfahren, was die Menschen im Ort wirklich bewegt, was sie gut finden, was verbesserungsbedürftig, was wünschenswert ist, erläutern ihr Professor, Holger Schmidt, und seine Assistentin Ragna Körby.

Bei den Leuten nachgefragt

Trotz der Pandemie haben sich die Studierenden zudem auf den Weg in die Kommune gemacht, sich Straßen, Plätze und nicht zuletzt die Architektur wie die prägende Haus-Hof-Bauweise vor Ort genau angeschaut. In Zweier-Teams besuchten sie manche Dannstadt-Schauernheimer sogar zu Hause, um von den Bewohnern, die sich dafür freiwillig gemeldet hatten, mehr zu erfahren über die Geschichte des jeweiligen Anwesens. So kamen 24 detaillierte Porträts zustande, aus denen hervorgeht, wofür die Gebäude einst genutzt wurden und wie sie ursprünglich aussahen, aber auch, wie sich die Häuser mit den Bedürfnissen ihrer Bewohner im Laufe der Zeit wandelten, etwa durch Um- oder Anbauten. „Die Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde war super. Auch die Beteiligung an den Werkstätten war toll, bei der Abschlusspräsentation, die wegen der Pandemie online stattfand, waren mehr als 100 Leute dabei“, berichtet Schmidt von einer regen Teilnahme der Bürger.

Als ein wichtiger Punkt, der offenbar vielen Menschen im Dorf am Herzen liegt, hat sich der Gutenbergplatz im Ortsteil Dannstadt herauskristallisiert. „Er war in drei Gruppen, die unabhängig voneinander zu Werke gingen, ein Thema“, erzählen Schmidt und Körby. „Dieser zentrale Park im Ortskern wird bislang von den Bürgern als unattraktiv empfunden, bietet jedoch großes Entwicklungspotenzial“, schreiben die Studierenden in ihrem 290 Seiten umfassenden Abschlussbericht. Denkbar sei zum Beispiel, das Gelände zu einem einladenden Mehrgenerationenpark umzugestalten.

Blick nach Schauernheim

Den Handlungsbedarf haben die örtlichen Politiker ebenfalls erkannt. Sie wollten den Gutenbergplatz schon längst aufwerten, doch dann musste die Kommune zuerst andere, dringendere Vorhaben umsetzen und wurde zusätzlich vom Coronavirus ausgebremst. Das soll sich nun ändern, kündigt Winkelmann an: „Sobald wir unseren Haushalt genehmigt bekommen, gehen wir das an.“ Vor allem soll der Spielplatz wieder nutzbar gemacht und ansprechend angelegt werden, zusätzlich aber ein Platz der Geschichte entstehen. Hier ließe sich etwa der vor Jahren beim Ausbau der Hauptstraße gefundene Sarkophag schön in Szene setzen, nennt die Ortschefin eine Idee. Einzelheiten sollen im Rat und im Bauausschuss besprochen werden.

Sehr viele Gedanken haben sich die Studierenden daneben über den Ortsteil Schauernheim gemacht, das Problem: Viele der Flächen, auf denen sie Potenzial für moderne Wohnbaugebiete und attraktive Treffpunkte sehen, befinden sich aktuell nicht in öffentlicher Hand. „Aber natürlich steht es privaten Bauherren frei, die schönen Ideen der TU-Studierenden aufzugreifen“, sagt Winkelmann. Genau das sei der Sinn der Aktion gewesen: Vorschläge zu erhalten von jungen kreativen Leuten, die etwas von Städteplanung verstehen. „Viele Bürger meinen jetzt, wir müssten das alles so umsetzen. Das ist nicht so. Es handelt sich um Anregungen, Ideen, Visionen, auf deren Grundlage der Rat weiter diskutieren kann, wenn er das möchte“, stellt sie klar. Die Ortsbürgermeisterin etwa würde gerne den Vorschlag verwirklichen, beide Ortsteile mit einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die A65 zu verbinden. „Aber auch das bleibt ohne großzügige Spende utopisch“, erinnert sie erneut an die Kostenhürde.

Noch Fragen?

Wer sich eingehender mit den Ideen der Studierenden beschäftigen möchte, findet sie im Internet unter https://www.ru.uni-kl.de/stadtumbau/news/neuigkeiten/dsds.

Ein Schorle-Garten könnte dem Dorf Flair und Geselligkeit geben. Die Idee haben Studenten aufgenommen und zu Papier gebracht.
Ein Schorle-Garten könnte dem Dorf Flair und Geselligkeit geben. Die Idee haben Studenten aufgenommen und zu Papier gebracht.
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