Limburgerhof
Doppel-Diamant-Hochzeit: Ein witziges Quartett
Ernst Richter und seine Schwester Hedwig Sorg erinnern sich noch genau, wann Dieter Sorg in ihr Leben trat. „Meine Schwester hat mir erzählt, da ist einer, der ruft ihr immer nach ,Das gibt meine Frau’“, sagt Richter. Damals war er zwölf Jahre alt und seine Schwester zehn. Dem Mädchen gefiel der Spruch so gar nicht, deshalb sollte ihr Bruder den Jungen zur Rede stellen. „Dann kam es zum Streit, und wir haben uns gegenseitig verdroschen“, erzählt der 87-Jährige weiter. „Seitdem und bis heute waren wir die besten Freunde.“
Ihre weitere Kindheit und Jugend verbrachten die drei gemeinsam in ihrem Heimatdorf Dietlingen bei Pforzheim. Die Kinder gingen auf das gleiche Gymnasium, und auch in der Freizeit spielten sie viel miteinander. Von einer Zukunft als Ehepaar wollte Hedwig jedoch noch lange nichts wissen.
Familie Richter zog einige Jahre später nach Mutterstadt, weil der Vater dort eine Essigfabrik und eine Brennerei pachtete. Ernst Richter begann dann ein Ingenieurstudium in Mannheim. Sein Freund Dieter, mit dem er all die Jahre in Kontakt geblieben war, wollte nach seiner Lehre bei Porsche den gleichen Weg einschlagen. Und so riet Ernst ihm, doch auch nach Mannheim zu kommen. Und als Dieter Sorg in Mannheim wohnte, traf sich das Trio wieder regelmäßig. „Erst dann hat es Zoom gemacht“, erinnert sich Ernst Richter.
Von Brüdern bewacht
In dieser Zeit lernte Richter dann auch seine Ursula kennen. „Ich war 17, und wir haben uns auf einem Ball im Rosengarten getroffen“, sagt die heute 80-Jährige. „Zwei Brüder haben auf sie aufgepasst“, schildert ihr Ehemann die Schwierigkeiten beim Kennenlernen und meint dann augenzwinkernd: „Das hat offensichtlich nichts genützt.“
Rund drei Jahre später entschieden sich beide Paare zur gleichen Zeit, dass sie heiraten wollten. Und als sie sich dies gegenseitig erzählten, kam schnell die Idee auf, eine Doppelhochzeit zu feiern. „Wir haben sonst alles zusammen gemacht, warum nicht auch heiraten“, sagt Ernst Richter. Am 15. Juni 1962 gingen die vier gemeinsam aufs Standesamt. Und tags darauf wurde in Limburgerhof, wo die Familie Richter mittlerweile wohnte und eine Fabrik betrieb, kirchlich geheiratet. Beinahe hätte ein Gewitter die Trauung noch platzen lassen. „Wir konnten nicht fort, und die Glocken haben immer weiter geläutet“, sagt Dieter Sorg. Doch zum Glück habe der Regen aufgehört.
Nach dem Ingenieurstudium arbeitete Ernst Richter zunächst bei John Deere in Mannheim. Später wechselte er zu Daimler Benz. Dieter Sorg hätte gerne im Flugzeugbau gearbeitet, kam dann aber über einen Schulfreund zum Kranbau und pendelte schließlich viele Jahre zwischen Trier und Limburgerhof. Aus der Gemeinde wegziehen wollte das Paar nicht. Zumal Hedwig Sorg dort in der elterlichen Firma arbeitete, in die auch die gelernte Buchhalterin Ursula Richter nach der Geburt des ersten Kindes eintrat.
Ibiza und Côte d’Azur
Zwei Töchter und eine Enkelin bekam das Ehepaar Richter, das einen Teil des Jahres in seiner Wohnung auf Ibiza verbringt. Die Sorgs haben zwei Söhne und vier Enkel. Die Kinder waren auch eingebunden in das gemeinsame Hobby der vier: das Skifahren. Hedwig und Dieter Sorg waren lange im Skiclub Ludwigshafen aktiv und haben den Sport erst vor wenigen Jahren aufgegeben. Ein weiterer gemeinsamer Sport war das Radfahren, das nur Ernst Richter nicht immer lag. Wenn die anderen eine mehrtägige Radtour gemacht hätten, sei er oft lieber segeln gegangen, gibt der 87-Jährige zu.
Abgesehen davon lag das Quartett allerdings meist auf einer Linie. Schon vor der Hochzeit hatten die Paare einen gemeinsamen Freundeskreis. Das ist bis heute so geblieben. „Die blaue Sau“ nennen sich die sechs Ehepaare, die einmal wöchentlich zusammen wandern gehen und viele Reisen zusammen unternommen haben. Der Name leite sich von einem blauen Sparschwein ab, in das alle für diese Touren einzahlten, klärt Ernst Richter auf. Noch viele weitere Urlaube haben die Richters und die Sorgs zusammen gemacht. Sie verstehen sich einfach und sind ein eingespieltes Team, die Leben beider Familien sind nach wie vor eng miteinander verwoben – nach nun mehr als 60 Jahren.
Deshalb feiern sie auch ihre Diamant-Hochzeit mit einem gemeinsamen Urlaub an der Côte d’Azur, wo einer der Söhne von Hedwig und Dieter Sorg ein Ferienhaus besitzt. Vor der Abreise herrscht bei allen große Vorfreude. Wobei keiner der vier behaupten möchte, dass bei ihnen immer nur Harmonie herrscht. „Wir haben jetzt 60 Jahre Krieg und Frieden“, beschreibt Ursula Richter das durchaus nicht nur rosarote Eheleben lachend und bekräftigt: „Die Hauptsache ist, wir Frauen haben gewonnen.“ Dem möchte ihr Schwager Dieter auch gar nicht widersprechen, aber ganz ohne scherzhafte Ergänzung geht es dann doch nicht: „Und wir Männer haben unseren Frieden.“