Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne: Vom Schnattern und Schneiden

„Serverprobleme“
»Serverprobleme«

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche bewegt hat. Skurriles, Abseitiges und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Namenlos

Einführungsveranstaltung „Internationale Beziehungen“, die ersten Worte des Politik-Profs an die Studenten: „Sie sind erwachsene Menschen. Bitte legen Sie sich eine ordentliche Mail-Adresse zu. Ich möchte keine Nachrichten von Waldfee83@gmx.de bekommen.“ Solche Sätze prägen – und kommen einem immer wieder in den Sinn, sogar in der digitalen Sitzung des Ortsgemeinderats Fußgönheim. Tatsächlich nehmen auch manche Bürger das Angebot wahr, die Videokonferenzen zu verfolgen. Vor dem Betreten des virtuellen Ratssaals ist es erforderlich, einen Namen anzugeben – um Wortmeldungen zuordnen zu können und einfach, weil es sich gehört. Aber irgendjemand tanzt ja immer aus der Reihe. Und so meldete sich jemand als „Schnatterinchen123“. Viel passender geht es eigentlich nicht in einem Gremium, das oft lange und ausführlich tagt. Für das nächste Mal: Wie wäre es mit: HarmonieSucher000, Crashtestdummy666, Plagegeist0815 oder RoteHexe69? Was der Politik-Prof wohl dazu sagen würde?

Verbindungslos

Wer um Himmels willen ist Schnatterinchen123? Natürlich ließ die Frage im Fußgönheimer Ortsgemeinderat nicht lange auf sich warten. Zur Auflösung des Rätsels kam es allerdings nicht. Punkt 21 Uhr brach die Verbindung der Videositzung zusammen. Das Rathaus in Maxdorf war offline, mal wieder. Es ist nicht das erste Mal, dass das bei Sitzungen von Fußgönheimer Gremien passiert. Könnte ihnen zu denken geben, dass sie regelmäßig sogar das Internet in die Knie zwingen. Ortsbürgermeister Jochen Schubert und Verbandsbürgermeister Paul Poje gelang es nicht, sich neuzuverbinden. Schuld war offenbar ein Problem des Dienstleisters, dessen Server bei Frankfurt stehen. Die übrigen Teilnehmer jedenfalls warteten im digitalen Raum – vergebens. Aber so konnten die wirklich wichtigen Dinge besprochen werden. Jürgen Kuß zu Emil Koob: „Emil, wann kann man eigentlich Obstbäume schneiden?“

Führungslos

Virtuelle Gemeinderatssitzungen haben ihre Tücken. Das zeigte sich auch im Verbandsgemeinderat Rheinauen. Die Haushaltsreden waren beendet, die Anschaffungen für die Feuerwehr ausgeschrieben. Die Digitalisierungsbeauftragte hatte gerade ihren Vortrag über die Fortschritte der Digitalisierungsprozesse im Rathaus Waldsee beendet – ohne Bild, das hat irgendwie nicht geklappt –, die Ratsmitglieder diskutierten etwas kontrovers darüber, ob man nun dem Klimabündnis beitreten solle oder nicht. Just in dem Moment, als darüber abgestimmt werden sollte, war Schicht im Schacht im Rathaus. Der Beigeordnete Toni Krüger, der das Thema moderierte, war weg. Bürgermeister Patrick Fassott war ebenfalls untergetaucht im digitalen Nirwana. Übrig blieben rat- und führungslose Ratsmitglieder. Ob das jetzt so wie in der Schule sei: Wenn der Lehrer nach zehn Minuten nicht da ist, könne man gehen, fragte sich Philipp Jaspers. Neun Minuten später tauchte Toni Krüger wieder auf und wollte die Ratsmitglieder über die Klimabündnissache per Chat abstimmen lassen. Das Ergebnis hat er schon wieder nicht mehr mitbekommen. Was tun? Einfach die Sitzung schließen. Nein, erklärte Wolfgang Kühn, das geht nicht. Der, der die Sitzung eröffnet hat, muss sie auch wieder schließen. Aber der war ja von der digitalen Diskussion selbst ausgeschlossen. Ohne Chef abstimmen? Nein, das geht auch nicht. Also rief Kühn seinen Parteifreund Fassott an, der die Sitzung telefonisch schloss. Ob die Verbandsgemeinde nun dem Klimabündnis beitritt oder nicht, werden wir dieses Jahr nicht mehr erfahren.

Ein schönes Wochenende wünschen Sven Wenzel & Christine Kraus

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