Land und Leute
Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis: Von Institutionen und Videos
Corona-News: Kon-Stant
Es gibt zwei Dinge, die die Gesellschaft zusammenhalten, hat der Lehrer im Sozialkundeleistungskurs mal gesagt, gerade in Krisen: Die Ziehung der Lottozahlen und die Sportschau am Samstag. Nur: Beim 6aus49 sind schon Pannen passiert und die Sportschau ist mit ihrem Geister-Fußball seit Corona auch nicht mehr das, was sie mal war. Bliebe noch die Tagesschau als Institution. Aber jetzt, wo Jan Hofer in Rente ist? Wo sind die Konstanten? Auf nichts ist mehr Verlass! Was heute ist, muss morgen nicht mehr sein. Erleben wir als Zeitungsredaktion gerade selbst. Dabei wollen wir doch für Qualität stehen, ein Fels in der Brandung sein. Doch von den sich ändernden Corona-Regeln werden auch wir immer wieder einge- und vor allem überholt. Siehe Weihnachtsgottesdienste oder Sternsingeraktion. Geschrieben und überprüft, und wenn die Zeitung auf dem Frühstückstisch liegt, ist die Sachlage doch wieder anders. Und wir können nicht einmal was dafür. Das ist ein bisschen nervig. Bald können wir es genauso machen wie die Verantwortlichen der Lottozahlen. Hinter jeden Artikel kommt ein Sternchen. Und das bedeutet: Alle Angaben ohne Gewähr.
Gemeinderat: Ka-Ching
Vielleicht war es Einbildung, aber irgendwie funkelten die Augen von Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) bei Top zwölf der Gemeinderatssitzung wie ein Weihnachtsstern am nächtlichen Himmel. Ja, sogar in seiner Stimme war ein leicht-freudig erregtes Beben zu vernehmen. Und das passiert nicht oft bei den sonst doch eher spannungsfreien, unaufgeregten Ratssitzungen in Mutterstadt. Es ging mal wieder um ein Feuerwehrauto, genauer um ein 35 Jahre altes Löschgruppenfahrzeug. Doch diese Tatsache war es nicht, die das Männerherz höherschlagen ließ, auch wenn man das bei einem solch besonderen Oldtimer vermuten könnte. Es war vielmehr das „Ka-Ching!“, dieses liebliche, münzenklingelnde Geräusch in der so klammen Gemeindekasse. Das alte LF 16-TS hat nämlich tatsächlich ein Herz freudig hüpfen lassen – das eines Firmeninhabers aus Bonn. Über 11.200 Euro hat dieser für den Oldie geboten. Und jetzt kommt das Beste: Zuvor wurde der Verkaufserlös auf maximal 8000 Euro geschätzt. Geschwind hat der Bürgermeister zugeschlagen – per Eilentscheid, denn eigentlich muss bei Verkaufserlösen in dieser Höhe der Gemeinderat zustimmen. Der hat es auch gehört – das „Ka-Ching!“ – und hat es (wahrscheinlich innerlich jubelnd) zur Kenntnis genommen. Möglicherweise ist Hans-Dieter Schneider jetzt auf den Geschmack gekommen. Schon bald zieht ja der Bauhof um, da fällt einem ja oft Einiges in die Hände, was man schon lange nicht mehr gebraucht hat. Vielleicht werden schon bald auf Gebrauchtwarenportale alte Besen, ausrangierte Kehrmaschinen oder alte Feuerwehrstiefel aus Mutterstadt angeboten. Aber bitte nicht die alten Weihnachtsbuden verkaufen, die werden 2021 bestimmt wieder gebraucht – hoffentlich.
Videokonferenzen: Kon-Fus
Gremiensitzungen der Verbandsgemeinde Rheinauen als Video-Konferenzen, da wird einem ganz schwindelig. Nicht von den Diskussionen, sondern vom Beobachten und Zuhören am heimischen Bildschirm. Die Teilnehmer loggen sich nach und nach ein, Bild für Bild ploppt das Konterfei der einzelnen alphabetisch geordnet am Bildschirm auf. Ein verwirrendes Mosaik. Theoretisch würde jetzt jedes Bild an seinem Platz bleiben, und wenn sich jemand zu Wort melden möchte, hebt er die Hand oder schreibt es in den allgemeinen Chat. Wenn er an der Reihe ist, schaltet er das Mikro an. Oft fangen Ratsmitglieder an zu reden, ohne das Mikro anzuschalten. Sieht lustig aus. Oder sie vergessen, es auszuschalten und man hört Flüche über nicht funktionierende Technik. Und dann ist da noch die manchmal suboptimale Internetverbindung, die zu skurrilen Szenen führt. Ständig fliegt jemand aus der Konferenz. Ärgerlich für den Betreffenden, der nichts mehr mitbekommt, schwindelerregend für den Beobachter, denn dann verschwindet das Bild und die Verbleibenden arrangieren sich neu. Im Grunde könnte das Spiel auch heißen: „Finde den Fassott.“ Mal ist der SPD-Bürgermeister rechts außen und dann – zack – wieder in der Mitte. Nur um dann wieder – zack – plötzlich ganz links aufzutauchen. Räumlich gesehen natürlich, nicht politisch.
Ein schönes Wochenende wünschen Doreen Reber, Christine Kraus & Sven Wenzel