Land und Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenendkolumne für den Rhein-Pfalz-Kreis: Von Fluten und Ebben

Uffbasse !
Uffbasse !

Was den Rhein-Pfalz-Kreis in dieser Woche bewegt hat: Skurriles, Abseitiges – und nicht ganz ernst Gemeintes aus den Dörfern.

Diskussion

Jetzt knicken also auch die letzten Verfechter von politischen Präsenz-Sitzungen während der Pandemie ein. Geht wohl nicht anders. Die Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim hat angekündigt, vorerst auf Video-Konferenzen umzustellen. Und auch in Maxdorf gibt es in der kommenden Woche eine Premiere. Haupt- und Finanz- sowie Planungs- und Bauausschuss tagen virtuell. Es geht um Bebauungspläne, eher keine große Sache. Aber auch der Dorf-Etat ist Thema. Stets ein heißes Eisen, das kontroverse Diskussionen verspricht, selbst bei der Vorberatung. Läuft das über Video? Zur Erinnerung: Anfang Dezember ging es im Ortsgemeinderat um die Möglichkeit von Online-Sitzungen. Dabei haben sich zwei Lager gebildet. Auf der einen Seite die „Jungen“, die Video-Konferenzen befürworten, und auf der anderen Seite die „alte Garde“, die den direkten Austausch schätzt. Dabei verweigert die sich keineswegs einer digitalen Welt. Sie betont das Pflichtgefühl und die Lust, politische Kultur zu leben. Sie will dem Gegenüber in die Augen zu schauen, Aussagen und Verhalten interpretieren können. „Lieber absagen“, stand über einem Kommentar der RHEINPFALZ zur Debatte, verbunden mit der Forderung, Sitzungen in der Pandemie nicht auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Was nicht unbedingt stattfinden musste, wurde in den vergangenen Wochen in Maxdorf auch abgesagt. Aber der Etat ist wichtig, ohne Geld geht nichts. Nun also online. Aber: Wer möchte, kann den öffentlichen Teil der Sitzung im Rathaus mitverfolgen, kündigt die Verwaltung an. Wie das wird? Mal schauen. Sicherlich wären auch einige Kommunalpolitiker willens, vor Ort zu erscheinen. Ein paar der alten Recken dürften es sich kaum nehmen lassen. Wir überlegen uns in der Zwischenzeit ein paar Namen für die Sitzung. Elefanten-Runde? Dino-Treffen? Wir sind vor Ort. Wird auch Zeit, die Homeoffice-Jogginghose muss mal wieder in die Waschmaschine.

Distanz

Einfach, weil er so schön flach ist, der Witz. Und vor allem, weil zum Ende des ersten Monats im zweiten Corona-Jahr die Sehnsucht nach Geselligkeit stetig wächst: Bald ist wieder Distanz in den Mai.

Dimension

Sie ist wieder angebrochen, die Zeit, in der Politiker von gefühlt jedem Laternenmast herunterblicken, was mitunter zu Verfolgungswahn führen kann. Je extremer die politische Gesinnung, umso größer scheint die Anzahl der Plakate. In Waldsee hat der Gemeinderat dem jetzt einen Riegel vorgeschoben und, wie auch schon andere Gemeinden, die Anzahl der Plakate, die jede Partei aufhängen darf, begrenzt. Das an sich ist nicht ungewöhnlich, die Art, wie man sich darauf geeinigt hat schon. Es war am Ende einer per Videokonferenz abgehaltenen Ratssitzung. Solche Konferenzen sind oft zäh: Will jemand etwas sagen, meldet er sich, wird aufgerufen, fängt an zu sprechen, merkt, dass er noch stumm geschaltet ist, schaltet das Mikro an und beginnt von vorne. Oder er ist im dümmsten Fall gerade aus der Sitzung geflogen. Wer schnell etwas an alle mitteilen möchte, kann auch eine Nachricht in den Chat schreiben. In einem solchen ging es – nachdem man sich per herkömmlicher Video-Diskussion zunächst auf zwei Großflächenplakate je Partei geeinigt hatte – um die Anzahl der erlaubten A0- oder A1-Plakate. Zuschauer fühlten sich ein bisschen wie auf dem Basar. Hier eine Abschrift des Chats: Jochen Scheffel (FWG): „Wir finden auch eine Beschränkung gut, am Besten auf max. 40/Partei“; Scheffel: „Ich auch nicht, eventuell weiter weg vom Mikro“; Wolfgang Kühn (SPD) „Bin jetzt zu sehen…“; Scheffel: „Lieber weniger“; Harald Wiesenberger (SPD): „30 reichen“; Rainer Claus (CDU): „Mach 40“; Scheffel: „Schlag doch 25 vor“; Claus: „Man kann ja weniger machen“; Wolfgang Berl (CDU): „35“. Und so wird’s jetzt gemacht.

Damm-Tourismus

Nachdem Corona den Reise- und Fremdenverkehr so ziemlich zum Erliegen gebracht hat, hat sich im Winter mit dem ersten Schnee eine neue Form des Tourismus herausgebildet: Schnee-Chaos-Tourismus. Chaos deshalb, weil die Bilder von Menschenmassen im Schnee und außerhalb aller Hygieneregeln noch im tief Gedächtnis sind. Ob sich Polizei und Nachdem Corona den Reise- und Fremdenverkehr so ziemlich zum Erliegen gebracht hat, hat sich im Winter mit dem ersten Schnee eine neue Form des Tourismus herausgebildet: Schnee-Chaos-Tourismus. Chaos deshalb, weil die Bilder von Menschenmassen im Schnee und außerhalb aller Hygieneregeln noch im tief Gedächtnis sind. Ob sich Polizei und Ordnungsämter an diese Bilder erinnern, wenn sie an drohenden Hochwasser-Tourismus am Rhein denken? Die Hochwasservorhersage geht jedenfalls von einem Wasserstand am Sonntag aus, der einem Hochwasser entsprechen könnte, wie es statistisch alle zwanzig Jahre vorkommt. Das ist viel, aber auch nichts ganz Besonderes – für Rheinanlieger eher ein Ding, das genau beobachtet und in ein paar Tagen wieder weg sein wird. Aber er es sieht sehr spektakulär aus und genau darin liegt die Krux. Den Hochwasserschützern sträuben sich schon jetzt die Nackenhaare, wenn sie an Hochwasser-Touristen denken, die in großer Zahl den Damm hinauf und darauf herumtrampeln. Denn da liegt die wirklich Gefahr. Ein zwanzigjährliches Hochwasser läuft nicht über den Damm. Aber ein vom Wasser weicher Damm, auf dem herumgetrampelt wird, verliert Stabilität – und dann wird jedes Hochwasser gefährlich.

Doppelte Arbeit

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, heißt es – oder manchmal auch die Recherche von gestern. Dass am Montag in Grundschulen der Wechselunterricht losgehen sollte, erschien als gute Gelegenheit, dort mal nach dem Stand der Vorbereitungen zu fragen. Also am Mittwoch bei ein paar Schulen im Speyerer Umland angerufen und Rückrufbitten hinterlassen. Bis Donnerstag sollte alles beisammen sein, damit die Geschichte am Freitag erscheinen kann, denkt sich der Redakteur. Und zwei nette Schulleiterinnen sind auch prompt für ein Gespräch zu erreichen. Der Text ist schnell geschrieben und kann über Nacht noch mal gut abhängen, um am Donnerstag auf die Freitagsseite gebaut zu werden. Doch Pustekuchen: Am Donnerstag überlegt sich’s die Landesregierung noch mal anders und nichts ist’s mit dem Wechselunterricht – und folglich auch mit dem geplanten Text auf der Land-Seite. Doch die zwei netten Schulleiterinnen retten die Geschichte und sind spontan bereit, unter den veränderten Vorzeichen noch mal Rede und Antwort zu stehen, obwohl sicher gerade genug Organisation auf sie zukommt. Besten Dank dafür!

Ein schönes Wochenende wünschen Christine Kraus, Thomas Fehr, Timo Leszinski und Sven Wenzel

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