Rhein-Pfalz Kreis Die Unsicherheit ist verschwunden
Mutterstadt. Über die Situation der Flüchtlinge in Mutterstadt und die künftige Arbeit mit ihnen haben Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) und Heribert Werner, Leiter der Sozialabteilung der Kreisverwaltung, am Dienstagabend im Palatinum informiert. Die Bürgerversammlung verlief harmonisch. Es gab Vorschläge zu Projekten und zu Hilfen für Flüchtlinge.
Derzeit leben in Mutterstadt 149 Asylbewerber mit laufenden Anerkennungsverfahren, berichtete Bürgermeister Schneider. Dieses Jahr habe die Gemeinde 78 Flüchtlinge aufgenommen, davon leben 43 in den Behelfsheimen auf dem Parkplatz des Athletenclubs (AC) Mutterstadt. Die Gemeinde habe dort junge Männer einquartiert und bemühe sich weiter vorrangig, Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Dafür werde von der Verwaltung weiter nach potenziellem Wohnraum gesucht. Werner erklärte, dass die Behelfsheime auf Gelände des Kreises stehen. Der habe sich im Herbst vergangenen Jahres für die sogenannten Low-Cost-Häuser entschieden, als es noch aussah, als kämen sehr viele weitere Flüchtlinge in kurzer Zeit in der Region an. Auch der Kreis sei daran interessiert, Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Dies sei für das Zusammenleben und Miteinander förderlich. Für Familien mit kleinen Kindern seien die Behelfsheime ohnehin nicht geeignet. Auf jeden Fall vermeiden wolle die Kreisverwaltung eine Unterbringung in Turnhallen. Der vor einem halben Jahr noch erwartete große Zustrom sei ausgeblieben. Wäre er gekommen, hätte Mutterstadt laut Bürgermeister Schneider weitere 122 Flüchtlinge aufgenommen. Die Zuteilung erfolge nach einem Verteilungsschlüssel des Landes, der sich an Einwohnerzahl und Finanzkraft der Gemeinden orientiere. Wie der Bürgermeister weiter mitteilte, werden künftig Aufgaben des Kreises an die Gemeinde übertragen. Dazu gehöre die Auszahlung von Mieten und Nebenkosten. Auch um Organisatorisches, wie etwa die Beauftragung von Wachdiensten müssten sich die Gemeinden kümmern. „Das ist eine Menge Mehrarbeit für unsere Verwaltung, aber wir sind der Ansicht, dass die Verteilung der Aufgaben gerecht ist“, sagte Schneider. Kosten, die der Gemeinde entstehen, würden vom Kreis erstattet. Die Verwaltung habe zusätzliche Stellen geschaffen. Günter Link, Koordinator für die Zusammenarbeit von Gemeinde und AC, berichtete von einer positiven Entwicklung rund um die Behelfsheime. „Aus der Verunsicherung im Januar ist eine entspannte Nachbarschaft geworden“, sagte er. Für Sommer sei ein Grillfest von Sportlern und Flüchtlingen geplant. Rüdiger Geib, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, erklärte, die Sportvereine AC und FG 08 leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration, indem sie Flüchtlingen die Teilnahme am Training anbieten. Mehrere Bürger, die sich ehrenamtliche engagieren, regten eine Kommunikationsplattform für die Flüchtlingsarbeit in Mutterstadt an. Es wurde eine Website vorgeschlagen, auf der Helfer sich über Angebote und Bedürfnisse austauschen können. Gebraucht werden weitere Helfer, unter anderem für Deutschunterricht und Fahrten außerhalb der Gemeinde. Werner betonte, niemand müsse fürchten, dass das Engagement ihm über den Kopf wachsen werde: „Man kann sich auch wieder zurückziehen.“ Ein Bürger wünschte sich einen Ansprechpartner für Beschwerden. Als Nachbar von Asylsuchenden kritisierte er Probleme mit Müll und Lärm nach 22 Uhr. Bürgermeister Schneider erklärte, es sei wichtig, Missstände anzusprechen, denn nur so könne man sich um Lösungen kümmern. Seitens des Kreises erklärte Werner, die Behörden seien „im Lernprozess“: „Wir stehen vor Aufgaben, deren Lösung man nicht in einer Akte oder einem Handbuch findet.“