Rhein-Pfalz Kreis „Die sind schlauer als jeder Jäger“

Placeholder-Image

Dannstadt-Schauernheim/ Hochdorf-Assenheim. Wenn Krähen es auf ein bestimmtes Feld abgesehen haben, kommen sie in Scharen. „Das sind dann so 500 bis 1000 Stück“, schätzt der Hochdorf-Assenheimer Landwirt Uwe Beutelmann. „Da wird so ein Acker im Nu fast schwarz“, erzählt er. Worauf genau es die Tiere abgesehen haben, weiß er nicht – vielleicht auf Regenwürmer oder Wasser unter den Pflanzen. Die Auswirkungen kennt er dagegen nur allzu gut. „Sie reißen die frisch gesetzten Pflanzen heraus und lassen sie ein paar Zentimeter weiter einfach liegen. Bei einer Hitze wie in den vergangenen Wochen verdorren die Pflanzen schnell“, schildert er die Situation. Die genaue Höhe des Schadens könne er nur schwer beziffern. „Aber der Bestand eines betroffenen Ackers kann am Ende schon mal um 30 bis 40 Prozent ausgedünnt sein“, erklärt Beutelmann. Bei insgesamt 40.000 gesetzten Pflanzen fehle somit ein beträchtlicher Teil. Um das Unheil zu begrenzen, versuche er, gegen Abend die Felder noch mal zu kontrollieren und herausgerissene Pflanzen eventuell wieder einzusetzen. Für diese zusätzliche Arbeit müsse er seine Leute selbstverständlich bezahlen. Ins Geld gehe die Angelegenheit auch deswegen, weil sich nicht jedes Feld jeden Tag noch einmal komplett überprüfen lasse, nicht alles nachgebessert werden könne und auch das dafür zur Verfügung stehende Material irgendwann zur Neige gehe. Selbst wenn das Nachbessern gelingt und die Pflanzen doch noch wachsen und geerntet werden können, ist laut Beutelmann die von Einzelhandel und Endkunden geforderte Gleichmäßigkeit einer Kultur jedoch oft dahin. Besonders kritisch sei die erste Woche nach dem Setzen der Kulturen wie Chinakohl und Salat, bis die Pflanzen anfangen zu wurzeln. Gerade in den ersten Tagen falle es den Krähen leicht, die Setzlinge aus ihrem Platz zu ziehen. Da sie diese nicht anpicken würden, suchten sie womöglich darunter nach etwas Essbarem oder nach Wasser. Übel gehaust hätten die Tiere auch bei zwei Kollegen. Dem einen hätten sie den Acker mit Staudensellerie derart zerpflückt, dass die Lücken bis heute sichtbar seien. Bei dem anderen hätten sie es auf die Kürbisse abgesehen. „Er versuchte, sie mit einer Raubvogelattrappe fernzuhalten und deckte seine Pflanzen mit Flies ab, was nicht bei jeder Kultur möglich ist. Die Attrappe hat höchstens zwei Tage etwas bewirkt, und den Flies haben die Krähen auch durchgepickt“, erzählt der Landwirt. In den vergangenen Jahren habe er das Krähenproblem als nicht so stark empfunden. Da seien sie auch erst im Herbst gekommen und hätten ihn allenfalls mal hier und da ein bisschen geärgert. „Aber wenn einem letztlich einige Tausend Euro verloren gehen, ist das mehr als ärgerlich“, sagt Beutelmann. Krähen ist allerdings nur schwer beizukommen, da sie sehr intelligent sind. „Die sind sogar schlauer als jeder Jäger“, finden Gerd und Steffen Sahler aus Dannstadt-Schauernheim. Vater und Sohn sind mit ihrem eigenen Betrieb zwar nicht stark von dem Problem betroffen , weil ihre Anbaukulturen – sie bauen vor allem Radies, Buntzwiebeln, Karotten, Rhabarber, Petersilie und Lauch an – offenbar nicht so attraktiv für die Vögel sind; lediglich im Lauchfeld tauchten sie hin und wieder auf. Sie kennen aber den Ärger vor allem der Salatbauern, die stark unter dem Treiben der Krähen litten. Ob eine intensive Jagd helfen würde? „Gejagt werden dürfen Krähen nur von Anfang August bis zum 20. Februar“, schränkt Steffen Sahler ein. Er besitzt einen Begehungsschein und darf zum Gewehr greifen. Doch für Jäger seien Krähen keine lohnende Beute. Da sie zudem keine natürlichen Feinde besäßen und die Winter meistens ziemlich mild ausfielen, vermehrten sie sich stark und seien wirklich überall zu sehen. Angelockt würden sie von allem Essbaren. Sahler zufolge fressen sie bevorzugt Fleisch, sind aber auch offen für andere Nahrung. „Im Herbst lassen sie zum Beispiel Nüsse auf den Boden fallen, damit die Schale aufspringt und sie an die Frucht kommen.“ Einfach abschießen wie bei Hasen funktioniere nicht. „Feuere ich das Gewehr ab, fliegen sie zwar weg und bleiben eine Weile fort“, berichtet Steffen Sahler. Dann kehrten sie jedoch zurück – immer. Weiteres Problem: „Krähen gehören zu den wenigen Vögeln, die in Farbe sehen“, sagt er. So würden sie zum Beispiel sein Auto sofort wiedererkennen. „Nähere ich mich ihnen, bleiben sie ungerührt auf dem Acker sitzen. Fahre ich langsam an ihnen vorbei auch. Sobald ich aber anhalte, fliegen sie sofort weg. Sie wissen genau, dass der Fahrer dieses Autos auf sie geschossen hat“, erklärt Sahler. Um in eine geeignete Schussposition zu kommen, müsste er daher eigentlich jedes Mal den Wagen wechseln. Und obendrein Tarnkleidung anlegen, um sich ganz langsam heranzutasten. „Denn sie registrieren selbst kleinste Bewegungen und bringen sich sofort in Sicherheit“, sagt er. Und ergänzt, dass er im Grunde zudem ein Gewehr mit Tarnmuster bräuchte. Dieser riesige Aufwand würde sich allerdings für niemanden rentieren.

x