Rhein-Pfalz Kreis Die Rettungsschwimmer vom Baggersee

Neuhofen. Bei der Neuhofener Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist am Wochenende jede Menge los. Der Grund: Die Ortsgruppe wird 50 Jahre alt. Das soll gebührend gefeiert werden. An beiden Tagen laden die Lebensretter deshalb zu attraktiven Veranstaltungen an den Weiher „Steinerne Brücke“ ein.
Um eine DLRG-Ortsgruppe zu gründen, bedarf es einer wichtigen Voraussetzung: Man braucht ein Gewässer, das man bewacht. Das entstand 1964 bei Baggerarbeiten am südwestlichen Ortsrand von Neuhofen und wird im Dorf seither schlicht Badeweiher genannt – mit dem Zusatz „Steinerne Brücke“. Schon im gleichen Jahr schrieb sich eine Gruppe von 35 engagierten Schwimmern die Lebensrettung auf die Fahnen und gründete die DLRG-Ortsgruppe. Bereits im darauffolgenden Jahr hatten 126 Menschen Prüfungen im Wasser abgelegt – vom Freischwimmer bis zum Leistungsschwimmer. Wie lohnend die Ausbildung gewesen ist, sollte sich ein Jahr später zeigen: 1966 konnten sechs Badegäste vor dem Ertrinken gerettet werden. Die provisorische Wachstation wurde 1968 durch einen stabilen erhöhten Bau ersetzt und die Mitgliederzahl wuchs auf 150 Aktive. Zehn Jahre später wurde die Rettungswache auf das Badegewässer „Schlicht“ ausgedehnt. Heute zählt der Verein nach eigenen Angaben knapp 500 Schwimmer und Taucher, etwa die Hälfte sind Kinder und Jugendliche. Viele der aktiven Mitglieder sind in speziellen Bereichen ausgebildet – etwa als Lehrscheininhaber, Tauchlehrer, Bootsführer oder Rettungsschwimmer. Wichtig ist natürlich für viele zunächst das Schwimmenlernen. Jeden Montag treffen sich bis zu 100 Kinder und Jugendliche im Schifferstadter Hallenbad. Aber auch Senioren überwinden ihre Angst und trauen sich unter fachlicher Anleitung ins Wasser. „Es ist nie zu spät, damit anzufangen. Gerade kürzlich hat ein 67-Jähriger bei uns schwimmen gelernt“, sagt der Vorsitzende Peter Haneder. Wenn diese erste Hürde geschafft ist, bieten sich mehrere Ausbildungen an. Dafür stehen mehrere Lehrberechtigte in der Ortsgruppe zur Verfügung. Die Lebensretter haben sich so weit spezialisiert, dass sie auch im Katastrophenfall zum Einsatz kommen. Beispielsweise mit Hilfe ihres gut ausgerüsteten Rettungsfahrzeugs. „Im Bedarfsfall arbeiten wir mit der Feuerwehr zusammen und rücken gemeinsam aus“, erklärt Haneder. Durchschnittlich einmal monatlich komme das Rettungsboot zum Einsatz, sagt der Vorsitzende. Glücklicherweise sind es aber meist die kleineren Blessuren, welche der Wachdienst an den Wochenenden bei Badegästen behandeln muss – etwa Mückenstiche oder Kreislaufschwäche. Hilfe zur Selbsthilfe bietet die DLRG freilich auch an. Zweimal jährlich findet ein Erste-Hilfe-Kurs statt, der beispielsweise zur Führerscheinprüfung verlangt wird. Mutige ohne Taucherfahrung können am Festwochenende übrigens unter fachlicher Anleitung lernen, wie die Sauerstoffzufuhr unter Wasser funktioniert. In der schützenden Hülle eines Tauchcontainers kann man sich in die Tiefen des Badeweihers begeben. Wer sich am Samstag lieber passiv mit Sport beschäftigt, dem kann auch geholfen werden. Die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft werden live auf dem Fest übertragen.